Alexej Nawalny bei der Gerichts-Anhörung per Video. AP/Babuskinsky District Court Press Service

Kahl rasiert und deutlich abgemagert erschien der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny bei einem Gerichtstermin zum ersten Mal seit dem Ende seines Hungerstreiks in der Öffentlichkeit.

„Ich wurde gestern in ein Badehaus gebracht (...) Dort gab es einen Spiegel, in dem ich mich gesehen habe: Ich bin nur noch ein schreckliches Skelett“, sagte der 44-Jährige vor dem Gericht.

An seine Frau Julia gewandt, die im Gerichtssaal saß, sagte er dann, er bekomme jetzt einige Löffel Haferbrei pro Tag. Der Kreml-Kritiker hatte seinen Hungerstreik vor rund einer Woche beendet, den er aus Protest gegen seine Haftbedingungen begonnen hatte. Er schwebte nach Angaben seiner Unterstützer zwischenzeitlich in Lebensgefahr. Nawalnys Anhörung vor Gericht war Teil seines Berufungsverfahrens gegen seine Verurteilung wegen Verleumdung eines Weltkriegsveteranen im Februar.

Das Organisationsnetzwerk des Kreml-Kritikers kündigte unterdessen vor einem befürchteten offiziellen Verbot seine Auflösung an. Vor einem anderen Gericht fand nämlich ebenfalls am Donnerstag eine Anhörung zu einem Antrag der Staatsanwaltschaft statt, die Nawalnys Anti-Korruptionsstiftung FBK und das Netzwerk regionaler Organisationen des Kreml-Kritikers als „extremistisch“ einstufen lassen will. In der Folge würde die Arbeit der Organisationen komplett verboten. Mitgliedern und Unterstützern würden lange Haftstrafen drohen.