Im Sommer waren sie sich noch grün: Werner Kogler und Sebastian Kurz. imago/photonews.at

Es war Zeit, dass Werner Kogler etwas tut. Und endlich hat er etwas getan. Der grüne Vizekanzler Österreichs – das ist der Herr, der neben dem gelackten Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz immer etwas zerzaust wirkte – hat seinem Chef von der ÖVP den Weg gezeigt: Durch die Tür, hinaus aus dem Kanzleramt in Wien. 

Kurz, der unmittelbar vor seinem Abgang manchen CDUlern in Deutschland noch als erstrebenswertes Vorbild zur Rückgewinnung der Macht erschien, ist vorerst abserviert. Zu deutlich war geworden, dass er und seine Kamarilla nicht allzu weit weg sind von den Wahnsinnigen der FPÖ, die offenkundig bereit waren, Republik und Pressefreiheit an eine vorgebliche russische Oligarchen-Nichte zu verkaufen. Man erinnert sich an das Ibiza-Video.

Man muss Kurz, der sonst nichts gelernt hat, zugute halten: Es war großes Kino, wie er die alten Führungskräfte seiner ÖVP abserviert hatte, alles auf sich fokussieren ließ und sensationelle Wahlerfolge feierte. Das Programm der Machtübernahme war ausgefeilt, und deshalb ist es albern, wenn Kurz jetzt so tut, als habe er von nix gewusst. Ohne ihn ging nichts, und folglich ist es schlüssig, wenn die Staatsanwaltschaft behauptet, er sei in ein Korruptionsgeflecht verstrickt.  

Kurz ist jedoch ein Meister darin, Vorwürfe abperlen zu lassen. Es hat ihm nicht geschadet, dass er bedenkenlos mit der weit rechts angesiedelten FPÖ koalierte. Es hat ihm auch nicht geschadet, dass er lange brauchte,  dieses Bündnis zu beenden, als der  Ibiza-Skandal ruchbar wurde. 

Er kann auch hervorragend öffentlich unter bösen Anwürfen leiden, wird demnächst auch noch Papa. Nicht ausgeschlossen, dass er aus der bequemen Position des Partei- und Fraktionschefs irgendwann wieder ins Kanzleramt gewählt wird.   

Wo fängt doch gleich der Balkan an?