Warten auf das 9-Euro-Ticket. dpa/Arne Immanuel Bänsch

Hoffentlich bleibt es da nicht bei einer guten Idee... Es soll ein Aufbruchsignal sein, ein „Schnupperangebot“: Für 9 Euro pro Monat drei Monate lang mit Bussen und Bahnen im Nah- und Regionalverkehr fahren, und das bundesweit. So hat es die Bundesregierung in ihrem Entlastungspaket versprochen. Möglichst viele Autofahrer sollen umsteigen und bleiben. Nun warten viele darauf.

Das geplante 9-Euro-Ticket sorgt für Zoff zwischen Bund und Ländern. Es geht – wie so oft – ums Geld. Der Vorwurf der Länder: Der Bund will nicht genug zahlen. Die Verkehrsunternehmen warnen vor einer „Kosten- und Liquiditätsfalle“. Ein „Schwarze-Peter-Spiel“ drohe. Das günstige Ticket könnte deshalb sogar im Bundesrat scheitern.

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Wann soll das Ticket kommen?

Ab Anfang Juni bis Ende August sollen Fahrgäste bundesweit für 9 Euro pro Monat im Nah- und Regionalverkehr fahren können, also für 27 Euro und damit viel günstiger als mit üblichen Monatstickets. Abonnentinnen und Abonnenten etwa von Monatskarten sollen sich um nichts kümmern müssen. Das 9-Euro-Ticket soll verrechnet werden – über eine Verringerung des Bankeinzugs oder eine Erstattung. Neukunden sollen mit dem „Schnupperticket“ geködert werden.

Welche Finanzmittel plant der Bund?

Der Bund hat zugesagt, den Ländern - die für den Nahverkehr zuständig sind – Einnahmeausfälle von 2,5 Milliarden Euro zu erstatten. Dazu kommen 1,2 Milliarden Euro für einen erneuten pandemiebedingten Rettungsschirm. Die andere Hälfte davon übernehmen die Länder. Sie hatten aber eigentlich 1,6 Milliarden vom Bund gefordert. Bundesverkehrsminister Volker Wissing aber argumentiert: Im Zeitraum des 9-Euro-Tickets komme es nicht zu pandemiebedingten Mindereinnahmen. Deswegen gibt der Bund nur 1,2 Milliarden Euro – macht insgesamt 3,7 Milliarden Euro vom Bund für die Länder.

Auch in Berlin hoffen viele auf das Günstig-Ticket. Imago/Sabine Gudath

Worüber streiten Bund und Länder?

Zum einen warnte die Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz der Länder, Bremens Verkehrssenatorin Maike Schaefer, Risiken beim 9-Euro-Ticket dürften nicht auf die Länder übertragen werden - für den Fall, dass die Mindereinnahmen die Summe der Bundesanteile von insgesamt 3,7 Milliarden Euro übersteigen. Deswegen müsse es bei den geplanten Änderungen des Regionalisierungsgesetzes eine „Nachschusspflicht“ des Bundes geben. Die Länder wollen also quasi einen Blankoscheck, den Wissing bisher nicht bereit ist auszustellen.

Was fordern die Länder noch?

Der andere Knackpunkt: Die Länder wollen 2022 zusätzliche 1,5 Milliarden Euro als Ausgleich für stark gestiegenen Energie-, Bau- und Personalkosten im Öffentlichen Personennahverkehr. Ansonsten müsse es eine starke Anhebung der Ticketpreise geben. Das sei nicht im Sinne einer Verkehrs- und Mobilitätswende, die mit der 9-Euro-Ticketaktion auch gestartet werden soll. auch das lehnt Wissing bisher ab  trotz Gegenwinds von SPD und Grünen.

Wie geht es weiter?

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen forderte Bund und Länder jetzt auf, die Finanzierungsfragen dringend zu klären. Die Branche sei in Vorleistung gegangen. Genannt wurde der Aufbau einer digitalen und bundesweiten Ticketplattform. Es sei aber offen, welche Kosten beim 9-Euro-Ticket tatsächlich auf die Verkehrsunternehmen zukommen werden.

Sind weitere Probleme zu erwarten?

Mitarbeiter der Deutschen Bahn fordern zusätzliches Personal zur Bewältigung eines erwarteten Fahrgastansturms durch das vergünstigte Monatsticket. „Wir befürchten eine Überlastung vor allem in den Ferienregionen“, sagte Betriebsrat Ralf Damde.

Um Verspätungen durch überfüllte Züge zu vermeiden, sei zusätzliches Personal an den Bahnhöfen nötig. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn hatte wegen des geplanten Billigtickets bereits vor übervollen Zügen auf klassischen Ferienstrecken gewarnt. „Wir fordern auch zusätzliche Sicherheitskräfte, um überfüllte Züge und Bahnsteige bei Bedarf räumen zu können. Sonst könnte ein Chaos ausbrechen“, sagte Damde.