Immerhin: Im kommenden Jahr erwartet die Rentenversicherung eine deutliche Rentenerhöhung. imago

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer stärker auseinander. Wie sehr, zeigt die dramatische Lücke zwischen der Höhe der Renten im Vergleich zu Beamten-Pensionen. 82 Prozent der gesetzlichen Renten belaufen sich auf weniger als 1500 Euro. Dagegen lägen 95,1 Prozent der Pensionen von Bundesbeamten über 1500 Euro, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf eine Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken.

„Wenn 82 Prozent aller Renten unter 1500 Euro liegen, dann gibt es ein gewaltiges Problem“, sagte der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, dem RND. Auf diese Weise schwinde das Vertrauen in die gesetzliche Rente.

„Das Gefälle zu den Beamtenpensionen zeigt eine Zweiklassengesellschaft.“ Stattdessen sollten in Deutschland nach dem Vorbild Österreichs künftig auch Beamte, Selbstständige und Politiker in die Rentenversicherung einzahlen, fordert die Linke.

Droht ab 2024 ein jahrelanger Renten-Abschwung?

In der Antwort auf die Anfrage der Linken wies das Arbeitsministerium darauf hin, dass in die Statistik unter anderem auch Renten eingehen, die etwa aufgrund von geringen Beschäftigungszeiten sehr niedrig ausfallen. Dagegen gelte im Berufsbeamtentum das Lebenszeitprinzip; zudem hätten viele Beamte einen Hochschulabschluss.

Doch wie sieht die Zukunft der Renten aus? Sicher sind sie nach Expertenmeinung nur bedingt. Vermutlich steht 2024 eine nächste Nullrunde an und danach ein langfristiger Abschwung. Da die Babyboomer der Geburtsjahrgänge 1959 bis 1968 sich dann mehrheitlich in den Ruhestand verabschieden werden, steigt die Zahl der Rentenneuzugänge ab 2024 deutlich an. Die jährliche Rentenanpassung wird ab diesem Zeitpunkt sehr wahrscheinlich den Wert von 1,8 Prozent nicht übersteigen.

Rente steigt weniger als die Löhne

Für den Lebensstandard der Rentenbezieher verglichen mit demjenigen der abhängig Beschäftigten bedeutet das in der Zukunft ein Minus. Der Rentenversicherungsbericht geht beim Durchschnittseinkommen der rentenversicherungspflichtigen Beschäftigten im Zeitraum 2020 bis 2034 von einem Anstieg um 44,6 Prozent aus, das sind 14,6 Prozentpunkte mehr als bei der Rentenentwicklung.

Immerhin: Nachdem es dieses Jahr wegen des Corona-Einbruchs im Westen eine Renten-Nullrunde gab und 0,7 Prozent mehr in den neuen Bundesländern zum 1. Juli, können Empfänger im kommenden Jahr erst mal eine „ordentliche“ Erhöhung ihrer Bezüge erwarten.

2022 können Rentner ein „ordentliches“ Plus erwarten

„Ich gehe davon aus, dass die ausgebliebene Erhöhung im kommenden Jahr in gewissem Umfang nachgeholt wird und die Rentner 2022 ein ordentliches Plus bekommen werden“, sagte die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

„Wie viel mehr es sein wird, das wissen wir erst im nächsten Frühjahr, denn wir müssen ja die Lohnentwicklung im gesamten Jahr 2021 betrachten.“ Und es lasse sich derzeit nicht abschätzen, wie sich die vierte Corona-Welle auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt auswirkt. „Daher sind konkrete Vorhersagen zum jetzigen Zeitpunkt unseriös.“

Die Entwicklung der Rente ist an die Löhne gekoppelt. Diese waren im Corona-Jahr 2020 im Schnitt gesunken. Da eine Rentenkürzung durch eine „gesetzliche Rentengarantie“ ausgeschlossen ist, stagnierten die Bezüge im Westen. Im Osten stiegen sie dennoch leicht, weil der Rentenwert schrittweise bis 2024 an den im Westen angeglichen wird.