Afghanistan: Bundeswehrsoldat (l.) und Dolmetscher (r.) im Gespräch mit einem Afghanen. Viele afghanische Ortskräfte kommen jetzt nach Deutschland. dpa

Nach der Rückkehr der letzten deutschen Soldaten aus Afghanistan sind bereits 905 ehemalige Helfer und Familienangehörige nach Deutschland gekommen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums vom Montag haben 491 ehemalige Ortskräfte, die in den vergangenen beiden Jahren für die Bundeswehr gearbeitet haben, eine Zusage zur Aufnahme in Deutschland erhalten. Hinzu kämen 1991 Familienangehörige. Bislang seien 905 davon in Deutschland eingetroffen.

Das Auswärtige Amt hat nach eigenen Angaben 2400 Visa für Ortskräfte und ihre Angehörigen ausgestellt. Damit sei allen Helfern und Familienangehörigen, die in Masar-i-Sharif einen entsprechenden Antrag gestellt haben, die Einreise erlaubt worden, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin.

Die Bundesregierung prüft derzeit Möglichkeiten, die Ortskräfte und ihre Angehörigen bei der Einreise nach Deutschland zu unterstützen. Es könnten Tickets für Linienflüge bezahlt oder Charterflüge bereitgestellt werden, sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Steve Alter.

Befristete Aufenthaltsgenehmigungen für Afghanen

Er verteidigte ausdrücklich die Entscheidung, den Betroffenen nur eine befristete Aufenthaltsgenehmigung zu erteilen. Die Menschen kämen nach Deutschland, um hier Schutz zu erhalten. Wenn die Menschen wieder die Möglichkeit hätten, sicher in ihrem Land zu leben, könnten sie dorthin zurückkehren. Wenn die Situation nach Ablauf der Frist noch nicht besser sei, würden die Aufenthaltstitel hingegen verlängert.

Die Berliner Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) forderte mehr Unterstützung für die Betroffenen. „Diese Menschen sind konkret bedroht, im Hier und Jetzt“, sagte sie am Montag im RBB-Inforadio. „Von daher wäre es wichtig, dass vor Ort die Bundesregierung dafür sorgt, dass die Menschen in Afghanistan ihre Unterstützung, ihr Flugtickets, ihre Beratung, ihr Visum erhalten und dann sehr schnell nach Deutschland kommen können.“

Auch die Verteilung auf die Bundesländer müsse besser organisiert werden, sagte Breitenbach. „Wir haben auch nochmal einen Brief an die Bundesregierung geschrieben, weil für uns Länder ist es auch ganz schwierig, wenn wir gar nicht genau wissen: Wer kommt jetzt eigentlich wann an? Das ist alles sehr schwierig und chaotisch organisiert“, kritisierte die Sozialsenatorin.