Beim Hausbau sind die Wartezeiten bei den Handwerkern weiter gestiegen.   dpa/Florian Schuh

Stark gestiegene Materialpreise haben im Handwerk zunehmend Folgen für die Kunden. „Privatkunden warten länger auf Handwerker und zahlen deutlich mehr“, sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Im Bauhauptgewerbe warteten Kunden im Durchschnitt 14 Wochen und im Ausbaugewerbe 11 Wochen. Damit seien die Wartezeiten noch einmal gestiegen, etwa für Häuslebauer.

„Diese Preisentwicklung bei Materialien, die es in den vergangenen Monaten gegeben hat, das habe ich in weit über 40 Jahren Selbstständigkeit so noch nicht erlebt“, sagte Wollseifer. „Bauen wird zukünftig teurer werden, nicht nur weil die Löhne steigen, sondern weil die Preise für Materialien steigen. Denn es zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Preise – selbst bei einer Entspannung bei den Materialengpässen – nicht wieder vollständig auf das Vorkrisenniveau sinken werden.“

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Als Hauptgründe für steigende Materialpreise etwa bei Holz, Metallen und Dämmstoffen gelten teurere Rohstoffe durch eine stark steigende Nachfrage aus China und den USA sowie Produktionsprobleme bei verschiedenen Gütern.

Schlechte Zeiten für Häuslebauer

„Im privaten Bereich kann man immer noch mal mit dem Bauherrn sprechen und da treffen wir auch auf Verständnis“, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. „Im kommunalen Bereich, bei der öffentlichen Hand, ist das weniger der Fall. Da gibt es relativ wenig Entgegenkommen. Die wenigsten haben eine Preisgleitklausel, und laufende Verträge, die nur noch unwirtschaftlich erfüllt werden können, werden nicht angepasst. Viele Betriebe machen nun deswegen Miese.“

Die konjunkturelle Lage im Handwerk bezeichnete Wollseifer als höchst unterschiedlich. „Bau und Ausbau haben sich trotz der Preisexplosion immer noch positiv entwickelt. Dagegen haben wir natürlich Gewerke, die sehr stark leiden, die körpernahen Dienstleistungen, der Messebau, die Feinwerkmechaniker, die Kfz-Gewerke“, sagte er mit Blick auf Beschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie.

Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), beim Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. dpa/Bernd von Jutrczenka

„Das Gesamthandwerk hat die Herausforderungen bisher aber weitgehend so gut bewältigt, dass wir in diesem Jahr immer noch mit einem Umsatzplus rechnen, was zwischen ein und zwei Prozent liegen wird“, sagte Wollseifer. „Wir haben noch im Oktober gesagt, es werden zwei Prozent. Das könnte jetzt durch die Corona-Beeinträchtigungen weniger werden.“

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Viele Betriebe machen Miese

Der Handwerkspräsident forderte steuerliche Entlastungen für die Betriebe. „Kapitalgesellschaften werden bei nicht ausgeschütteten Gewinnen auf Ebene der Gesellschaft geringer besteuert als Personengesellschaften. Das muss angeglichen werden.“ Die Probleme seien längst bekannt, es gelte zu handeln.

„Ich will kein Branchenbashing betreiben, aber die Googles dieser Welt, die Amazons dieser Welt, die bringen sich bisher alle nicht so solidarisch ein, wie wir das eigentlich bräuchten und wie es gerechtfertigt wäre, wenn man sich anschaut, wie sie die Infrastruktur in Deutschland und die guten Fachkräfte in Anspruch nehmen“, sagte Wollseifer weiter. „Daher ist es richtig, dass auch die neue Regierung die weltweite Mindestbesteuerung weiter voranbringen will. Und dass sie Bestrebungen unterstützen will, die internationalen Besteuerungsrechte neu zu ordnen.“