Eine Explosion am Flughafen in Kabul. Foto: AP Photo/Wali Sabawoon

Vor dem Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul haben sich am Donnerstag zwei Explosionen ereignet - offenbar Selbstmordattentate an einem Tor des Flughafens und an dem nahe gelegenen Hotel Baron. Es gab viele Tote und Verletzte. Unter den Toten sind nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums auch zwölf amerikanische Soldaten. Laut Taliban sind bis zu 20 Menschen getötet und 52 verletzt worden. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid sagte der Nachrichtenagentur AFP, nach ersten Informationen seien „zwischen 13 und 20“ Menschen getötet worden.

Zwei bei den Explosionen verletzte Frauen treffen an einem Hospital in Kabul ein.  AFP/Wakil KOHSAR 

Am Abend berichtete die Nachrichtenagentur AFP erneut von einer starken Explosion. Die Ursache der Explosion, die sich wenige Stunden nach dem Doppelanschlag vor dem Flughafen ereignete, war zunächst unklar. Da es seit der Machtübernahme durch die radikalislamischen Taliban keine funktionierenden Behörden in dem Land gibt, waren zunächst keine näheren Informationen zu erhalten. 

Deutsche Soldaten sind nicht unter den Opfern. Die Bundeswehr beendete ihre Evakuierungsaktion. Der Start der letzten Maschinen ins Nachbarland Usbekistan wurde von den Terroranschlägen am Flughafen überschattet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte die Attacken „absolut niederträchtig“, Außenminister Heiko Maas (SPD) bezeichnete sie als „ekelhaft“. Auch nach dem Abzug der Bundeswehr will die Bundesregierung deutschen Staatsbürgern und schutzsuchenden Afghanen bei der Ausreise helfen.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums haben sich mindestens zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Eine Reihe von Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) habe anschließend das Feuer auf Zivilisten und Soldaten eröffnet, sagte US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt, in einer Videoschalte mit Journalisten im Pentagon. Zwölf amerikanische Soldaten seien getötet worden, 15 weitere wurden verletzt. Trotz des verheerenden Anschlags will US-Präsident Joe Biden die Evakuierungen aus Afghanistan fortsetzen. „Wir werden weitermachen mit den Evakuierungen“, sagte Biden in einer Ansprache im Weißen Haus in Washington und versicherte, die Terroristen könnten die USA nicht dazu bringen, ihre Mission zu stoppen. 

Ein Verletzter wird abtransportiert. Twitter/AbhirajSandhu

Wenige Stunden nach der Bluttat reklamierte IS-Khorasan - der örtliche Ableger der Terrormiliz - den Anschlag am Airport für sich. „Provinz Khorasan“ nennt der IS die Region, die sowohl afghanisches als auch pakistanisches Gebiet umfasst. Die Amerikaner - die von Isis statt vom IS sprechen - bezeichnen den Zweig daher als Isis-K. Den IS-Kämpfern in Afghanistan sind die militant-islamistischen Taliban nicht radikal genug. Die beiden Gruppen sind verfeindet und haben sich in der Vergangenheit offen bekämpft. Der IS hat in Afghanistan immer wieder schwere Anschläge verübt.

Der Sprecher des politischen Büros der Taliban in Doha, Suhail Schahin, erklärte, man verurteile den grausamen Vorfall aufs Schärfste und werde alles unternehmen, um die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen.

Am Flughafen herrschte laut Berichten komplettes Chaos. Der lokale Fernsehsender Tolo-News veröffentlichte auf Twitter Bilder, auf denen zu sehen ist, wie Verletzte in Schubkarren transportiert werden. Ein Augenzeuge erzählte dem TV-Sender, die Explosion sei sehr stark gewesen. Manche Menschen seien ins Wasser gefallen - an einem Gate ist ein langer Wassergraben - und mehrere ausländische Soldaten seien zu Boden gefallen. 

Auf diesem Bild soll ein Verletzter nach der Explosion zu sehen sein. Twitter/Ali Hassani

Westliche Staaten hatten zuletzt vor Anschlägen am Flughafen gewarnt. Die Bundeswehr sprach von mehreren Selbstmordattentätern in der Stadt. 

Hier soll eine der Explosionen zu sehen sein: 

Bundeswehr hat Evakuierungsflüge beendet

Unterdessen hat die Bundeswehr ihre Evakuierungsflüge aus Afghanistan beendet. Wie Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte, sind die letzten deutschen Flugzeuge am Flughafen von Kabul gestartet. „Alle Soldaten und Angehörige des Auswärtigen Amtes und der Bundespolizei“ seien aus der afghanischen Hauptstadt ausgeflogen worden.

Der Abflug der Maschinen fand unmittelbar nach den zwei Anschlägen vor dem Flughafen statt. Die Flieger hätten sich zum Zeitpunkt der Anschläge in der Phase der Beladung befunden, sagte Kramp-Karrenbauer. Nach den Anschlägen seien Notfallpläne zum Einsatz gekommen. Bis auf zwei Soldaten, die sich noch im US-Teil des Flughafens befanden, hätten so alle deutschen Einsatzkräfte Kabul verlassen können. Sie landeten in Taschkent. 

Die Niederländer, Belgier, Dänen und Polen haben ihre Evakuierungsflüge bereits beendet, die Franzosen wollen es am Freitag tun. Die USA werden ihre letzten Truppen am Dienstag ausfliegen. Insgesamt waren 26 Staaten an der Luftbrückenaktion beteiligt, die an die 90.000 Menschen aus dem Land geholt haben wird.

Baby wird in US-Militärflugzeug geboren 

Wenigstens gibt es eine kleine gute Nachricht. Eine Afghanin brachte an Bord eines US-Militärflugzeugs ein Baby zur Welt. Ihre Wehen hatten auf dem Flug zum US-Stützpunkt Ramstein in Deutschland eingesetzt. Soldaten halfen bei der Geburt im Laderaum unmittelbar nach der Landung in der Pfalz. Laut der US-Streitkräfte heißt das Mädchen jetzt „Reach“ nach dem Rufzeichen der C-17-Transportmaschinen.