Hans-Christian Ströbele (80) in seiner Berliner Wohnung. Am 7. Juni hat er Geburtstag. Foto: imago-images

Viele Bürger wenden sich in der jetzigen Krise mit Fragen an ihn, auch wenn er nicht mehr im Bundestag sitzt, sagt Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele (80). Er twittert: „Langsam wird es ziemlich unübersichtlich mit den Corona-Maßnahmen in Berlin/Brandenburg. Was darf ich ab wann, wo? Was nicht? Muss ich weiter daheim bleiben? Mit dem 2. Haushalt? Kann ich den 2. wechseln? Stündlich oder täglich? Muss ich den kennen?“

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Ströbele könne beispielsweise die Abstandsregeln nachvollziehen, doch sie seien zu ungenau, sagt er zum KURIER. Es sei nicht ganz klar, mit wem er sich jetzt treffen dürfe. „Einige Regelungen sind nicht nachvollziehbar und grundrechtlich zweifelhaft. Dass das Besuchen einer Messe verboten war, hielt ich gleich für verfassungswidrig.“

Profilieren einzelner Ministerpräsidenten in der Krise findet er "voll daneben"

Ströbele nerven die Unterschiede zwischen Berlin und Brandenburg. Regionale Wege bei den Corona-Verordnungen je nach Ansteckungsgefahr machten Sinn. Aber: „Anfangs gab es klarere Regelungen. Nun scheinen Ministerpräsidenten nach Laune zu entscheiden. Es ist voll daneben und schadet, wenn sich welche in der Krise profilieren wollen“, sagt er.  

Ihn ärgern die Unklarheiten. In seiner Kritik geht es ihm weniger um sich selbst. Die Leute setzten jetzt auf ihn.   Auch wenn er kein Mandat mehr hat und das Fahrrad seit zwei Jahren nicht mehr nutzen kann. „Ich habe mehr als 150 Mails aus der Bevölkerung bekommen. Die fragen, warum sie nicht zu ihrer Mutter ins Pflegeheim dürfen. Und wenn eine Besuchsperson erlaubt ist, ob es immer dieselbe Person sein muss“, sagt er.

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Er bekommt auch Post von Bürgern, die an Verschwörungstheorien glauben. Auch auf die antwortet er meist – mit Argumenten. „Hilfeleistung“ nennt er das.  Die Leute, die jetzt vor dem Reichstag demonstrieren, wüssten doch gar nicht mehr, ob sie sich jetzt an die Verordnungen halten oder nicht. „Jeder hat jetzt das Recht, zu demonstrieren, seinen Ärger kundzutun. Manche Kritik ist in der Sache berechtigt“, sagt er. Er warnt davor, dass die Medien diesen Demos jetzt zu viel Raum geben.