Starfriseur Shan Rahimkhan steht in seinem Salon am Kurfürstendamm. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Das Wohlgefühl auf den Köpfen - es kehrt zurück! Seit dem 1. März öffnen Friseursalons ihre Türen wieder. Vorbei ist die Zeit, in denen die Haare der Menschen entweder wie wild wucherten oder der Haarschneider laut des Portals Warenvergleich.de zum meistgesuchten Online-Shopping-Produkt in Corona-Zeiten avancierte. Nun werden die Scheren wieder geschwungen.

Mit der Öffnung der Salons stellt sich die Frage, wie es künftig auf den Köpfen der Menschen zugeht. Ist es gesetzt, dass jeder seine Haare nun erstmal so kurz wie möglich tragen möchte? Oder hat der Lockdown zu anderen Frisurentrends beigetragen? Im Gespräch mit dem KURIER erklärt der Berliner Promifriseur Shan Rahimkhan, 48, der zwei Läden am Gendarmenmarkt und am Kurfürstendamm betreibt, an welchen Anblick sich die Gesellschaft in nächster Zeit gewöhnen wird.

Wie organisieren Sie die ersten Tage und Wochen nach der Wiedereröffnung?

Nach der Ankündigung, dass Friseurläden wieder öffnen dürfen, waren wir innerhalb von 24 Stunden komplett ausgebucht – bis Anfang April. Jeder hat in der Lockdown-Zeit mit seinen Haaren experimentiert. Für uns heißt das, dass wir auf den Köpfen einiges reparieren oder angleichen müssen. Wir werden unsere Öffnungszeiten bis 21 Uhr verlängern. Obwohl wir jeweils 600 Quadratmeter Fläche in unseren beiden Salons haben, mussten wir schauen, dass wir Plätze effizient nutzen. Es dürfen nur 15 Kunden zur selben Zeit im Geschäft sein. Vor uns liegt viel Arbeit, aber darauf freuen wir uns. Es fühlt sich so an, als würden wir zum ersten Mal einen Laden eröffnen.

Was glauben Sie, mit welchen Frisurwünschen die Menschen in der ersten Zeit auf Sie zukommen werden?

Wir werden erleben, dass die Menschen längere Haare tragen wollen. Vor allem an Männern werden wir das sehen. Die fast komplett abrasierten Haare, also die typische Barbier-Frisur, wird sich nicht halten. Viele haben im Lockdown bemerkt, dass sie auch mit längeren Haaren gut aussehen. Es geht nun darum, die längeren Haare in Form zu bringen, damit sie gepflegt aussehen. Es wird weniger mit der Haarschneidemaschine gearbeitet werden. Für weichere Konturen werden Scheren wieder öfter zum Einsatz kommen. Bei den Frauen geht der Trend zu mehr Natürlichkeit. Strähnen und Haare färben geht allmählich zurück.

Wissen Menschen nun noch genauer, was sie mit ihren Haaren machen wollen, weil sie im Lockdown ausreichend Möglichkeiten hatten, sich damit zu beschäftigen?

Die Leute wissen es zumindest mehr zu schätzen, dass sie wieder zum Friseur gehen können. Ein Friseurbesuch ist nie nur eine Notwendigkeit gewesen. Es hat vor allem auch etwas mit Wohlfühlen zu tun. Man merkt, dass die Leute sich danach sehnen. Es ist ein gesellschaftliches Ereignis, auf das man sich freut. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob man mit kurzen oder längeren Haaren glücklicher ist. Vielleicht ist man so oder so nicht glücklicher, aber Glück besteht aus mehreren Faktoren. Einer davon ist ein Friseurbesuch.

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Wie ist es um die Haarpflege der Menschen bestellt?

Wir haben fast 100 Prozent mehr Online-Verkäufe von Pflegeprodukten gehabt als zuvor. Die Leute wollten sich Pflege für zu Hause holen, das haben wir gemerkt. Mittlerweile kannst du ja fast alles online kaufen. Einen klassischen Haarschnitt allerdings nicht.

Der Anblick welcher Frisur während des Lockdowns war nur schwer für Sie zu ertragen?

Was schlimm ist, ist, wenn die Menschen denken, sie könnten selbst Haareschneiden – beispielsweise ein kurzes Pony oder raspelkurze Haare. Bei Männern sahen die Haare manches Mal so aus, als wenn sie ein Toupet auf dem Kopf getragen hätten. Auch der Anblick von schlechtgefärbten Haaren hat mir wehgetan. Aber man weiß ja durch den Lockdown, woher das alles kommt. In einigen Jahren werden wir darüber lachen.

Welche Frisur hat Sie überrascht?

Sehr angenehm fand ich, dass es ein Bewusstsein für schönere und längere Haare gibt. Bei dem ein oder anderen Politiker beispielsweise hat man gesehen, dass längere Haare ganz gut aussehen können, wenn man es ordentlich macht.

Wer hat Ihnen in der Zeit des Lockdowns die Haare geschnitten?

Mein dreizehnjähriger Sohn. Er hat zum ersten Mal in seinem Leben Haare geschnitten. Ich habe ihm leider den falschen Aufsatz gegeben und dann wurde es sehr kurz. Aber zum Glück wachsen Haare ja relativ schnell nach.