Wegen der stark gestiegenen Corona-Zahlen unter anderem in Berlin hat die Landesregierung in Schwerin im Eilverfahren die Corona-Regelungen für Mecklenburg-Vorpommern geändert. Foto: imago images/HärtelPRESS

Es gibt wieder Grenzen in Deutschland, eigentlich gibt es sie schon immer, aber sie spielen keine Rolle, denn Ländergrenzen sind meist nur Linien auf der Landkarte. Doch in Corona-Zeiten ist nun mal vieles anders: Derzeit ist für viele Berliner die entscheidende Linie die Grenze nach Mecklenburg-Vorpommern. Denn in den Herbstferien ist die Ostsee nun mal das aktuelle Lieblingsziel vieler Berliner.

Das wurde bei den morgendlichen Quasselrunden der Eltern vor dem Schultor klar. Wir kamen in unserer Klasse auf zehn Familien, die verreisen wollen. Sieben Familien haben die Ostsee gebucht. Sie hatten ganz vorbildlich auf die Bundesregierung gehört, die dafür geworben hatte, sicherheitshalber doch lieber im Lande zu urlauben.

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Doch nun hat Berlin die magische Zahl von 50 Corona-Fällen pro 100.000 Einwohner überschritten, nun ist die Landesgrenze keine Linie auf der Landkarte mehr. Nun werden zwar keine Grenzzäune errichtet, aber wenn die Staatsmacht die falschen Leute am richtigen Ort erwischt, werden sie ausgewiesen aus Meck-Pomm.

Schon vorher debattierten wir tagelang über mögliche Lösungen. Die einen holten sich schnell einen Corona-Test. 65 Euro pro Nase. Der Test muss aber sehr gut getaktet sein, denn er darf bei der Einreise in die Urlaubsgebiete nicht älter als 48 Stunden sein, aber das Ergebnis liegt oft erst nach 48 Stunden vor. Tolle Regelung.

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Vorschläge zur Rettung der Herbstferien

Ein Vater sagte, dass er den Urlaub einfach abbläst. Denn selbst mit negativem Test müsste er an der Küste im Hotelzimmer für fünf Tage in Quarantäne. „Da bleibe ich lieber in Berlin, hier darf ich mich frei bewegen.“

Doch dann kamen aus allen Ecken die Vorschläge zur Rettung der Herbstferien. Beispielsweise könnten wir doch einfach einen Tag früher in den Urlaub fahren, damit wir die Landesgrenze überschritten haben, bevor in Berlin die magische 50er-Marke gerissen wird. Doch Corona in Berlin war schneller als alle Ideen.

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Der nächste Vorschlag war, dass wir uns einfach früh genug übers Internet ein Zimmer in einem Billig-Hotel buchen, damit wir bei der Polizeikontrolle dann so tun können, als wären wir schon länger im Norden unterwegs. „Dann dürft ihr aber nicht über die Autobahn, da wird sicher kontrolliert. Ihr müsst nachts über Feldwege einreisen.“

Ich sagte: „Wir leben im Herbst 2020 und nicht im Herbst 1988. Wir planen doch keine Republikflucht. Wir wollen nur in den Urlaub.“

Als die magische Marke dann gefallen war, kam noch ein Vorschlag: „Habt ihr nicht Freunde in Brandenburg? Lasst euch von denen doch einen Untermietvertrag geben und meldet am Freitag noch schnell euren Hauptwohnsitz um. Dann seid ihr Brandenburger und dürft reisen.“

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Ich war überrascht vom Feuerwerk der fast kleinkriminellen Ideen, wenn es um die Rettung eines Urlaubs geht.

Ein Freund sagte: „Bleibt doch in Berlin. Das Wetter soll sowieso Mist werden. Hier wisst ihr, was ihr habt.“

Meine Frau sagt zu all den Ideen nur: „Wenn wir nicht an die Küste dürfen, bekommen wir doch das Geld zurück, dann fahren wir nach Thüringen. Die wollen die Grenze nicht schließen.“

Thüringen? Das selbst ernannte „grüne Herz Deutschlands“. Warum nicht.