Unsere KURIER-Reporterin macht den Versuch: Wissen Einzelhändler wie Schuhverkäuferin Petra Günther, dass sie mich als Corona-Genesene ohne Schnelltest reinlassen darf? Berliner KURIER/ Dajana Rubert

Hätten Sie gewusst, dass von Corona Genesene seit Sonnabend in Berlin shoppen gehen und sich die Haare schneiden lassen können - ganz ohne Test? Müssen Sie vielleicht auch nicht wissen, wenn Sie nicht betroffen sind. Dumm nur, dass auch viele Ladenbesitzer aus dem Wust an Regeln nicht mehr schlau werden. Die KURIER-Reporterin hat den Test gemacht und festgestellt: Die meisten Einzelhändler wissen gar nicht, dass sie sie reinlassen dürfen. 

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Mal eben für die Tochter ein neues Spielzeug kaufen oder nach neuen Ohrringen im Schmuckgeschäft schauen – davon träumen viele Menschen seit einer gefühlten Ewigkeit. Sich nicht die Zeit ans Bein binden zu müssen, vorher in ein Testzentrum zu gehen und 20 Minuten auf das Ergebnis zu warten – das ist eigentlich derzeit ein Privileg für all diejenigen, die entweder durchgeimpft (ab dem 15. Tag nach Erhalt der finalen Impfung) sind oder genesen. Letztes gilt laut Senat für „Personen, die nach einer kürzlichen Erkrankung mit dem Coronavirus genesen sind“. Sie können ein „positives Corona-PCR-Testergebnis vorlegen, welches mindestens 28 Tage und höchstens sechs Monate alt ist“.

Corona-Genesene haben es beim Shoppen schwer

Genau das versuche ich also. Mein letzter positiver PCR-Test ist datiert auf den 22. Dezember. Der ist im Portemonnaie jetzt immer mit dabei. Doof nur, dass den kaum jemand sehen will. Im Geschäft einer Kette für Billig-Schmuck werde ich abgewiesen. „Das gilt noch nicht“, sagt die Verkäuferin an der Tür und will darüber auch nicht weiter diskutieren. Dass sie vermutlich die Verordnung der Bundesregierung im Kopf hat, will sie nicht hören.

Hängt jetzt im Schaufenster: Der Hinweis, dass Corona-Genesene shoppen dürfen. Berliner KURIER/ Dajana Rubert

Beim Friseur will man mir die Telefonnummer der Chefin geben, die soll ich anrufen. Die Haarkünstlerin, die an diesem Tag Dienst hat, habe von der Testpflicht-Befreiung für Genesene gehört, ist sich aber nicht sicher. Sie will kein Risiko eingehen und schickt mich auch erstmal weg.

Keine Testpflicht für Corona-Genesene beim Shoppen

In Pepes Schuhladen im Allende-Center komme ich mit Inhaberin Petra Günther ins Gespräch: „Das ist alles so ein Kuddelmuddel. Wer soll da denn noch durchsehen? Wir kleinen Einzelhändler, die nicht eine riesige Rechtsabteilung hinter sich zu stehen haben, wissen doch längst nicht mehr, was erlaubt ist und was nicht. Das ruiniert das Geschäft zusätzlich.“ Ich zeige ihr auf dem Handy die Erklärung des Senats und meinen PCR-Test aus dem Dezember. Hier könnte ich jetzt Schuhe kaufen.

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Einen Lichtblick gibt es aber doch: Im Geschäft einer Schreibwarenkette komme ich ohne Diskussion hinein, muss wie gewohnt meine Daten aufschreiben und kann neue Stifte kaufen. An der Ladentür hängt sogar ein Hinweisschild mit der Info, dass ich als Genesene hier einkaufen kann.

Die Plastik-Figur, die sich meine Tochter gewünscht hat, besorge ich am Ende in der Drogerie. Dafür, dass der Spielzeugladen auf den Schnelltest besteht, stelle ich mich nicht am Testcenter an. Der Spielzeugladen hat mich an diesem Tag als Kunden verloren – ob mit oder ohne Absicht.