Leeres Bett auf einer Intensivstation – bereit für Patienten. Foto: picture alliance/dpa

Sie haben im Frühjahr für leere Intensivstationen und verschobene OP-Termine gesorgt: reservierte Betten für Covid-19-Patienten. Nun steigen die Fallzahlen wieder und die leeren Betten werden weniger. Aktuell müssen die Berliner Notfallkrankenhäuser der Level 1 und 2 zehn Prozent ihrer Intensivbetten mit Beatmungsgeräten Corona-Patienten vorbehalten. Für kleinere Häuser gilt ein Prozentsatz von fünf Prozent. Eine maßgebliche Neuerung sieht nun vor, dass sich der Reservierungsanteil erhöhen soll, wenn die Zahl der Covid-Patienten steigt.

Sind 85 Prozent der reservierten Corona-Betten eines Hauses belegt, steigt die dortige Reservierungsquote um fünf Prozent auf 15 Prozent. Bei 90 Prozent Belegung wird die Reservierung von Intensivbetten mit Beatmungsgeräten um weitere fünf Prozent auf 20 Prozent angehoben. Maximal können so bis zu 30 Prozent aller Intensivbetten für Covid-19-Patienten reserviert werden. Der flexible Regelungsmechanismus gilt seit 28. Oktober. Damit will der Senat für den Fall vorsorgen, dass die Zahl an beatmungsbedürftigen Covid-19-Patienten sprunghaft ansteigt. Über die Erhöhung der Reservierungsquoten informiert die Senatsverwaltung für Gesundheit die jeweils betroffenen Krankenhäuser. Am Montagmittag wurden berlinweit 121 Covid-19-Fälle invasiv beatmet, laut Angaben des Robert-Koch-Instituts sind aktuell von insgesamt 1223 Intensivbetten noch 168 Betten frei.

OPs könnten bald wieder aufgeschoben werden

Laut dem Änderungstext vom 27. Oktober 2020 dürfen Krankenhäuser „planbare Operationen/Eingriffe durchführen, wenn Reservierungs- und Freihaltevorgaben eingehalten werden und notwendige Personalressourcen und Schutzausrüstungen vorhanden sind“. Diese Passage, die der Staffelregelung vorangestellt ist, nährt unter Beobachtern den Verdacht, dass womöglich bald Beschlüsse folgen könnten, die den Aufschub bestimmter OPs anordnen. Einen derartigen Aufschub aller „nicht notwendigen Operationen“ gab es bereits im ersten Lockdown im Frühjahr. Weil unterschiedliche Häuser medizinische Sachverhalte unterschiedlich bewerteten und es keinen einheitlichen Kriterienkatalog gab, herrschte viel Unklarheit. Vor allem Patienten mit Knie- und Hüftoperationen mussten lange auf ihre Eingriffe warten und mit viel Ungewissheit leben.

Ungewissheit und Unklarheit sind auch Themen, die die Krankenhäuser derzeit beschäftigen. Laut Barbara Ogrinz, Sprecherin der Berliner Krankenhausgesellschaft, ist die Finanzierung der Krankenhäuser aktuell nicht gesichert. „Dringend muss jetzt für Liquidität der Krankenhäuser im vierten Quartal 2020 und darüber hinaus gesorgt werden“, mahnt Ogrinz. Die Klinikfinanzierung soll auch Gegenstand eines erneuten Expertenrats sein, den Gesundheitsminister Jens Spahn Beobachtern zufolge in den nächsten Tagen einberufen wird.