Schleswig-Holstein hat vier Berliner Bezirke zum Risikogebiet erklärt. In Sachsen-Anhalt hängt die Einreise von der Postleitzahl ab. Foto: Frank Molter/dpa

Den Urlaub zu planen wird immer schwerer. Sowohl in Berlin als auch in Brandenburg stehen die Herbstferien an. Dass man nicht ins Ausland reisen soll, ist schon mehrfach gesagt worden. Doch mittlerweile können Urlaubswillige nicht einmal mehr der Empfehlung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) vertrauen. Er riet dazu, im Inland Urlaub zu machen.

Denn wohin soll die Reise gehen? Seit Montag sind Berliner zwar noch in Schleswig-Holstein willkommen, doch jeder, der sich in Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln oder Tempelhof-Schöneberg aufgehalten hat, muss erst einmal 14 Tage in Quarantäne. Nur mit zwei negativen Tests innerhalb von fünf Tagen kann die Quarantäne aufgehoben werden. Das sieht die neue Landesverordnung Schleswig-Holsteins vor. Grundlage dafür ist die Sieben-Tage-Inzidenz des Robert-Koch-Instituts. Der Schwellenwert liegt bei 50 Fällen pro 100.000 Einwohner.

Mecklenburg-Vorpommern rechnet nicht in einzelnen Bezirken

„Es gibt aber keinen Automatismus, mit dem wir ein Gebiet zum Risikogebiet erklären“, sagte Eugen Witte, stellvertretender Sprecher der schleswig-holsteinischen Landesregierung. „In Vechta beispielsweise liegt der Wert auch bei über 50. Dort ist das Infektionsgeschehen klar nachvollziehbar in einem Altenheim. In Berlin-Mitte ist die Lage aber so indifferent, dass wir die Bezirke zum Risikogebiet erklärt haben“, sagte Witte. Sobald die Zahlen wieder sinken, würde man die Bezirke von der Liste streichen.  Gleiches gilt in Rheinland-Pfalz. „Die Umsetzung der Quarantänepflicht liegt in der Verantwortung des Einreisenden und wird nach festgelegten Kriterien von den zuständigen Gesundheitsämtern kontrolliert“, teilte eine Sprecherin mit.

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Während in Schleswig-Holstein schon eine U-Bahn-Fahrt durch Mitte ausreicht, um der Quarantänepflicht zu unterliegen, lässt Mecklenburg-Vorpommern weiterhin alle Berliner einreisen. Denn das Land sieht nur die Gesamtzahl des Stadtstaats, zählt nicht die einzelnen Bezirke. Als Stadtstaat liegt der Wert bei 37,8 – also weit unter dem Schwellenwert von 50.

Meldeadresse entscheidet über Urlaubspläne

Der Flickenteppich der Reiseregelungen ist bunt. So gilt beispielsweise in Sachsen, Brandenburg, Hessen ein Beherbergungsverbot für Menschen aus Risikogebieten. Die Anreisenden zum Beispiel aus Berlin-Mitte dürfen weder ein Hotelzimmer noch eine private Ferienwohnung anmieten. Wer bei der Familie unterkommt, darf hingegen hinfahren. In Sachsen-Anhalt wird es noch komplizierter: Die Eindämmungsverordnung sieht vor, dass Personen aus Risikogebieten nicht beherbergt werden dürfen. Aber: „Es zählt immer der Wohnsitz“, erklärte ein Sprecher des zuständigen Sozialministeriums Sachsen-Anhalts. Heißt: Wer in Mitte arbeitet, aber in Reinickendorf wohnt, darf ein Zimmer mieten. Die Freundin aus Neukölln hingegen muss zu Hause bleiben. Urlaub oder Nicht-Urlaub, das entscheidet die Postleitzahl. Wer genau in Hessen oder Brandenburg vom Beherbergungsverbot betroffen ist, ließen die Ministerien auf Anfrage offen.

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Der deutsche Tourismusverband ist über die Regelungsbefugnis der Länder nicht erfreut. „Angesichts der anstehenden Herbstferien sind die steigenden Infektionszahlen ein großer Rückschlag für den Deutschlandtourismus. Um Klarheit im Hinblick auf die Beherbergungsverbote zu bekommen, brauchen wir eine deutlich bessere Abstimmung unter den Bundesländern“, teilte der Geschäftsführer Norbert Kunz mit.

Das FDP-geführte Gesundheitsministerium Schleswig-Holsteins sieht die Regelung generell kritisch. „Beim Beherberbungsverbot wird die Verantwortung auf die Hoteliers umgelegt“, sagte Ministeriumssprecher Marius Livschütz. „Wir nehmen die Einstufung hier selbst vor. Wir machen keine Unterschiede zwischen dem Ausland und inländischen Gebieten“, so Livschütz. Doch der Unterschied besteht darin, dass Einreisende aus ausländischen Risikogebieten ihren Corona-Test kostenlos bekommen, Inländer müssen jedoch die zwei erforderlichen Tests aus eigener Tasche bezahlen.

Hohe Geldstrafen werden bei Erkrankung fällig

Rigorose Kontrollen, beispielsweise an Autobahnen, müssen Urlauber allerdings nicht fürchten. Jedoch seien Anwohner auskunftsfreudig. „Erfahrungen zeigen, dass der besorgte Bürger bei uns anruft, um zu melden, wenn ein Berliner da ist“, teilte Regierungssprecher Witte mit. Die harten Folgen treffen die Menschen erst, wenn es zu einem Corona-Fall kommt. Dann wird eine Strafe zwischen 4000 und 10.000 Euro fällig. Ausgenommen von der Regel sind Abgeordnete des Land- und Bundestags sowie des Europaparlaments. Sie dürfen weiterhin direkt aus Mitte in ihren Wahlkreis reisen. „Damit soll die Aufrechterhaltung der Staatsfunktion garantiert werden“, erklärte Witte. Matthias Stein, SPD-Abgeordneter für Kiel, bemängelte, dass es keine bundeseinheitlichen Regeln gibt. „Das macht die Menschen kirre“ sagte er. Schleswig-Holstein solle sich die Regel noch einmal überlegen. Dennoch bereiteten ihm die ansteigenden Infektionszahlen Sorgen.

Ähnliche Sorgen hat auch der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert. „Wir müssen alles tun, damit erneute Einschränkungen wie im Frühjahr nicht noch einmal nötig werden“, appellierte er am Montag in Berlin.