Ihr Frisör entdeckte bei Sophie Bawey einen kleinen dunklen Fleck auf der Kopfhaut.  Foto: Thomas Oberländer/Helios-Klinikum Berlin-Buch

Ein Frisör ist für viele Frauen eine jahrelanger enger Vertrauter. Bei Sophie Bawey (39) aus Bernau wurde er zum Lebensretter. Vor acht Jahren entdeckte er zufällig einen dunklen Fleck auf ihrer Kopfhaut und schickte sie zu einem Arzt, der kurz darauf schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) diagnostizierte.

„Ich wäre heute wohl nicht mehr am Leben, wenn mich mein Friseur damals nicht darauf aufmerksam gemacht hätte“, sagt Sophie Bawey leise. Eigentlich habe sie sich nur ein paar Strähnen machen lassen wollen, um ihren Typ zu verändern. Doch diesen Friseurbesuch wird sie wohl für immer in Erinnerung behalten werden, denn der kleine Fleck hatte für die Mutter eines Sohnes, Oskar (8), schreckliche Folgen.

Wenige Tage später stellte sie sich damit bei einer Dermatologin im Helios-Klinikum Berlin-Buch vor. Die Chefärztin unterbreitete ihr nach einer eingehenden Untersuchung mit Biopsie den niederschmetternden Befund: schwarzer Hautkrebs. „Ich konnte das zunächst gar nicht begreifen und habe immer wieder gedacht, was habe ich Schlimmes getan, dass gerade mir so etwas passiert“, sagt sie. Sohn Oskar sei gerade erst zur Welt gekommen und die junge Mutter habe jede Stunde mit ihrem Baby genossen. Auch an ihrem Job als Podologin habe sie große Freude gehabt. Nun dieser Schock, der ihr sämtliche Unbeschwertheit nahm.

In Deutschland erkranken mehr als 21.000 Menschen an einem malignen Melanom. „Es ist die bösartigste Form von Hautkrebs“, sagt Dr. Kerstin Lommel, Chefärztin der Dermatologie im Helios-Klinikum Berlin-Buch. Die Melanome könnten bereits frühzeitig Tochtergeschwülste (Metastasen) in Lymphknoten sowie anderen Organen bilden. Entscheidend für die Prognose sei eine frühzeitige Entfernung des Tumors.

Der Tumor wurde auch bei Sophie Bawey chirurgisch entfernt und gleichzeitig zur Sicherheit rechts die Lymphknoten am Hals herausoperiert. „Danach war eigentlich alles gut“, sagt die junge Frau. Sie sei regelmäßig zur Nachuntersuchung gegangen und die Befunde seien stets unauffällig gewesen.

Bis zum Sommer 2017. Damals habe sie plötzlich so ein komisches Gefühl verspürt und bläuliche Knoten an ihrem Dekolleté entdeckt. Besorgt ging sie damit zu ihrer Ärztin, die erneut einen sehr hohen Tumormarker anhand einer Blutuntersuchung feststellte. Es kam heraus: Die Knoten unter der Haut waren kleine Metastasen. Der böse Krebs hatte wieder gestreut. Auch die Lunge, Lymphknoten, Nebenniere und Gehirn waren befallen. „Ich hatte solche Angst zu sterben und dann vielleicht meinen Sohn nicht mehr aufwachsen zu sehen“, sagt Sophie Bawey. Sie musste erneut operiert werden und begann eine Immuntherapie.

Ihr Körper sprang zwar sehr gut auf die Behandlung an, aber immer wieder bildeten sich Metastasen, vor allem im Gehirn. 2019 bekam sie aufgrund starker Nebenwirkungen Kortison verabreicht. Bis heute kämpft sie immer wieder gegen neue Tochtergeschwülste an, hat gerade wieder eine neue Strahlentherapie abgeschlossen und muss kommende Woche zur Nachkontrolle. Obwohl ihre lebensbedrohende Erkrankung sie immer wieder zurückwirft, hat Sophie Bawey nie ihren Lebensmut verloren. Mithilfe ihrer Familie, Freunden und einer Psycho-Onkologin an ihrer Seite, versucht sie tapfer ihr schweres Schicksal zu meistern.  Sie sagt: „Mein kleiner Sohn braucht mich doch noch. Oskar animiert mich, immer wieder zu kämpfen.“ Mit ihrer eigenen tragischen Geschichte möchte sie auch an ihre Mitmenschen appellieren, rechtzeitig zur Vorsorgeuntersuchung zum Hautarzt zu gehen. „Sie sollen wissen, dass Gesundheit das Wertvollste im Leben ist und sich glücklich schätzen, dass sie das, was ich gerade erlebe, nicht durchmachen müssen“, sagt Sophie Bawey.