Eine Polizistin steht vor dem Flugzeug-Wrack, in dem der Gründer der Bäckereikette „Lila Bäcker“ starb. Er war aus 40 Meter Höhe abgestürzt.  Foto: dpa/Tilo Wallrodt

Beruflich lief es bei Volker Schülke wieder besser. Die insolvente Bäckereikette „Lila Bäcker“ war gerade im Aufwind. Doch dann wurde ihm sein privates Hobby zum tödlichen Verhängnis. Der ostdeutsche Bäckerkönig (57) stürzte am Wochenende mit einem alten Kleinflugzeug ab. Es zerschellte in einem Getreidefeld. 

Es sollte ein einfacher Übungsflug werden. Schülke gilt als erfahrener Pilot. In seinem Hangar stehen restaurierte Kampfflugzeuge aus den 1930er- und 1940er-Jahren. Sein Traum war es, mit so vielen Oldtimer-Maschinen wie möglich zu fliegen. Dafür gibt es einen Wettbewerb. Der ehrgeizige Unternehmer wollte es in der Weltrangliste unter die ersten zehn Plätze schaffen. Die Erfüllung seines Traums blieb ihm verwehrt. 

Schülke stieg am Sonntagvormittag mit einem Freund auf dem Flugplatz Heringsdorf (Usedom) in eine einmotorige Oldtimer-Maschine. Kurz darauf muss es Komplikationen gegeben haben. Das Kleinflugzeug Pilatus Typ PC 2 krachte beim Start aus etwa 40 Metern Höhe in ein Getreidefeld. Dabei kam Pilot Volker Schülke ums Leben. Der zweite Insasse, der hinter Schülke saß, überlebte den Absturz. Er wurde mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen. Aufgrund der schweren Verletzungen konnte er bisher nicht befragt werden. Die Ursache für den Absturz ist daher weiter unklar, erklärte ein Polizeisprecher am Montag.

Trümmer des Flugzeugswracks geborgen

Die Trümmer des Wracks waren in der Nähe des Flughafens Heringsdorf (Landkreis Vorpommern-Greifswald) bei Zirchow geborgen worden, darunter auch der Flugschreiber. Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung haben die Ermittlungen übernommen. Vieles deute bisher auf einen Unfall hin. 

Alte Flugzeuge waren für Volker Schülke nicht nur Liebhaberstücke, sondern auch Spekulationsobjekte. So war er eben: Ein ehrgeiziger Unternehmer, der mit seinen Träumen auch immer viel Geld machen wollte. Doch wer genau war der Mann? Er war ein ostdeutscher Dorfjunge, der später aus der DDR floh und kurz nach dem Mauerfall in seine Heimat zurückkehrte. Vom Westen inspiriert, baute er die Marke „Lila Bäcker“ auf. Ein Unternehmen, das er auf Wachstum trimmte.

„Lila Bäcker“: Neustart dank Bürgschaft

Doch dann ging es steil bergab: „Lila Bäcker“ meldete Anfang 2019 mit rund 2500 Mitarbeitern Insolvenz an. Hunderte Mitarbeiter wurden entlassen, Schülkes Lebenswerk schien zerstört. Das Verfahren lief bis September 2019. Dank einer Landesbürgschaft aus Schwerin gelang der Neustart mit 2180 Mitarbeitern und etwa 270 Filialen, die sich von Südbrandenburg bis nach Mecklenburg-Vorpommern erstrecken. Etwa 100 Shops davon stehen in Brandenburg, 32 in Berlin und Schleswig-Holstein.

Mit dem Flugzeugabsturz hat einer der sechs größten deutschen Backkonzerne seinen Gründer verloren. Viele werden sich an einen Vorzeigeunternehmer erinnern, der Arbeitsplätze in einer wirtschaftlich schwachen Region schuf. Anderen wird er jedoch eher als ostdeutsche Heuschrecke im Gedächtnis bleiben, die viele kleinere Bäckereien aufgekauft und verdrängt hat.