Das Otto-Nagel-Gymnasium, dass seit Montag wegen eines Corona-Falls unter den Schülern geschlossen war, muss nun für die letzten beiden Tage vor den Ferien wieder öffnen. Foto: Marijan Murat/dpa

Die Empörung bei Eltern und Kindern ist riesig. Das Otto-Nagel-Gymnasium in Biesdorf, das seit Montag wegen eines Corona-Falls unter den Schülern geschlossen war, muss nun für die letzten beiden Tage vor den Ferien wieder öffnen. Und das, obwohl die Eliteschule eine der wenigen Schulen der Stadt ist, an der Homeschooling und das Arbeiten am PC schon vor Corona völlig selbstverständlich war.

Von Montag bis Mittwoch war die Schule dicht. Im Haupthaus gab es einen bestätigten Corona-Fall. Dutzende Lehrer und Schüler mussten zum Test. Als vereinzelt weitere positive Ergebnisse dazu kamen, viele Ergebnisse aber eben auch noch ausstehen – mindestens acht Lehrkräfte sind weiterhin in Quarantäne – sollte das Lernen auch an den beiden letzten Tagen vor den Herbstferien in die Kinderzimmer verlegt werden. Kein Problem, hatte ja schließlich auch während das Lockdowns schon wochenlang hervorragend geklappt.

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Die Schüler waren informiert, bis 18 Uhr hat jeder Lernende an seinem Macbook, was am Otto-Nagel-Gymnasium zum Standart-Inventar gehört, die Mails zu checken. Kurz nach halb Sieben ging dann plötzlich der Alarm in den WhatApp-Gruppen der Klassen los: Morgen doch Präsenzunterricht!

Präsenzunterricht, in den die Lehrer via Teams zugeschalten werden

Die Senatsverwaltung hat nach KURIER-Informationen trotz des aktuellen Infektionsgeschehens angeordnet, dass die Schule die Kinder nicht im Homeoffice unterrichten darf.

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Die Jugendlichen sollen in die Schule gehen, um dort per Teams unterrichtet zu werden – also auch nur online. Schließlich sind rund 10 Prozent der Lehrer ja weiterhin in Quarantäne.

Das Mittagessen wurde schon abbestellt für die beiden Tage, die Schule teilt ihren Schülern nun zum Schutz mit: „Das Tragen der Masken wird während des ganzen Tages empfohlen, um eine mögliche Ansteckungsgefahr zu vermeiden.“

Da erscheint es klar, dass Eltern und Schüler auf die Barrikaden gehen! Sie fragen: Muss das wirklich sein, dass die Kinder und damit ihre Familien so einem Risiko ausgesetzt werden?  

Der KURIER sprach Bildungssenatorin Sandra Scheeres auf einer Pressekonferenz auf das Otto-Nagel-Gymnasium an. Sie rechtfertig den Präsenzunterricht mit der geringen Zahl bestätigter Infektionen an der Schule und der prinzipiellen Politik, nicht wieder - wie im Frühjahr - grundsätzlich ganze Schulen schließen zu wollen. Allgemein gilt: Dass die Schulen in Abstimmung mit Gesundheitsamt und Schulaufsicht entscheiden sollen. Im Fall von Otto-Nagel gab es nach Prüfung nicht genug Grund um die ganze Schule ins Homeschooling zu schicken.