Florian Domberger betreibt eine mobile Bäckerei. Foto:  Volkmar Otto/BK

Brotwüsten-Expeditionsfahrzeug steht auf dem gelben Aufkleber am Heck des tarngrünen Trucks. Ein Zelt verdeckt den Lastkraftwagen zur Hälfte. Und obwohl sie so  gut getarnt ist, finden die Kunden ihren Weg zur mobilen Brot-Oase von Florian Domberger. An diesem Tag steht der Bäcker mit Mission auf dem Frohnauer Wochenmarkt. Mit seiner fahrbaren Backstube ist er aber auch regelmäßig in Brandenburg auf dem Land unterwegs, um dort richtig gutes, handgemachtes Brot zu verkaufen. Ein Feldzug gegen Aufbackbrötchen und Industrieware.

Auf der Klapptafel vor dem Wagen steht das Angebot: Beutebrot, Roggenvollkorn, Weizen-Seelen, Zuckerkuchen. Und alles was man hier am Lkw kaufen kann, entstand auch hier. Schon einen Tag vorher bereiten Dombergers Bäcker den Teig auf kleinstem Raum im Truck vor, geben ihm dann die nötige Zeit zum Gehen. Aus Wasser, Mehl und am Ende Salz entstehen die Brote und Kuchen. Die einzige Maschine, die hilft, ist ein weißer DDR-Schnellkneter.

Doch wie kommt ein studierter Verkehrsbetriebswirt und Speditionskaufmann, der lange im Ausland Karriere machte, zu einer mobilen Heeresbäckerei von 1968?

Anna (22) holt das fertige Brot aus dem Ofen.  Foto:  Volkmar Otto/BK

Als Florian Domberger 2015 mit seiner Familie aus der Schweiz nach Deutschland zog, sah er an der Autobahn einen großen grünen LKW stehen. Eine mobile Bäckerei des Schweizer Militärs, wie sich herausstellt. „Die Armee hat damals 168 Stück davon verkauft“, erzählt Domberger. „Wenn man keine Leute mehr findet, die backen können, braucht man auch keine mobile Bäckerei mehr.“ Der Anhänger, in dem die Schweizer mit bis zu fünf Mann den Ganzstahlofen bestückten, kann komplett autark betrieben werden. In die drei Herde passen 40 Brote auf einmal hinein, wer die Laibe gut platziert, schafft auch 46. Befeuert wird der Ofen nach einem Umbau mit Gas, drei große Flaschen verbraucht Domberger in der Woche. Früher wurde mit Diesel oder Holz gebacken. Florian Domberger wagte den Neuanfang und versorgt mittlerweile auch aus einer eigenen Bäckerei in Moabit die Berliner mit Brot, gebacken wie früher. Mit viel Zeit und wenigen Zutaten. 

Die ehemalige Feldbäckerei der Schweizer Armee mit Zugfahrzeug. Foto:  Domberger

Domberger braucht einen halben Tag für den Aufbau seines Expeditionsfahrzeugs, einen weiteren halben Tag für die Vorbereitung, sein Sauerteig braucht Zeit und die bekommt er auch. Nach anderthalb Tagen aber kommt das fertige Brot duftend aus dem Ofen.

„In Kreuzberg, Mitte oder Prenzlauer Berg tut sich in den letzten Jahren einiges in Sachen Brotkultur. Aber auf dem Land, in den Randbezirken, da ist trockenste Brotwüste“, sagt Florian Domberger. Dagegen backt er täglich an.