Im Volkspark Wilmersdorf ist ein Spielplatz mit Absperrband abgeriegelt, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Foto: dpa

München - Forscher haben in einem Stufenplan erstmals detaillierte Schritte aufgezeigt, wie Deutschland aus dem Corona-Ausnahmezustand herausfinden könnte. In einem Positionspapier schlugen die Wirtschaftswissenschaftler und Ärzte vor, dass zuerst Sektoren mit geringer Ansteckungsgefahr wie Schulen und Hochschulen wieder den Betrieb aufnehmen.

Die Strategie sehe vor, derzeitige Einschränkungen „differenziert und unter kontinuierlicher Abwägung der Risiken nach und nach zu lockern“, heißt es in dem Positionspapier, das insgesamt 14 Wissenschaftler deutscher Universitäten und Forschungsinstitute verfasst haben.

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Großflächige Tests für zuverlässige Erkenntnisse über Corona-Ausbreitung nötig

Priorität haben dabei Beschränkungen, die hohe wirtschaftliche Kosten verursachen oder zu starken sozialen und gesundheitlichen Belastungen führen. Regionen mit niedrigen Infektionsraten und freien Kapazitäten im Gesundheitssystem könnten beim allmählichen Neubeginn vorangehen, heißt es im Stufenplan. Wichtig seien nun auch großflächige Tests, um zuverlässigere Erkenntnisse über die Ausbreitung des Erregers zu erhalten, schreiben die Forscher.

Auch die Sicherung der Produktion von Schutzkleidung, Schutzmasken, Medikamenten und künftiger Impfstoffe zähle zu den vordringlichen Maßnahmen. Weiterhin empfehlen die Wissenschaftler, neue Kapazitäten zur Bewältigung der sozialen und psychischen Folgeschäden der aktuellen Maßnahmen zu schaffen.

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Diskussionen über die Länge des Shutdowns

Ifo-Präsident Clemens Fuest verwies auf die Wechselwirkungen zwischen Gesundheit und stabiler Wirtschaft. „So wie eine positive wirtschaftliche Entwicklung bei unkontrollierter Ausbreitung des Virus nicht möglich ist, lässt sich auch die Leistungsfähigkeit unseres Gesundheitswesens ohne eine funktionierende Wirtschaft nicht aufrechterhalten“, erklärte Fuest. Für einen schrittweisen Neustart des öffentlichen Lebens nach den Osterferien sprach sich der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, in der „Passauer Neue Presse“ aus. Der Shutdown sei zwar nötig, aber er dürfe „nicht länger als nötig sein, um die wirtschaftlichen Belastungen und Störungen in Grenzen zu halten“. Ab Anfang Mai müsse wieder ein geordnetes Leben beginnen. Insbesondere die Schulen müssten wieder geöffnet werden, damit die Beschäftigten ihrer Arbeit nachgehen könnten. „Vor allem: Es muss jetzt der Exit aus dem Lockdown vorgedacht und geplant werden.“

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Bund und Länder haben im Kampf gegen die ungebremste Ausbreitung des Coronavirus das öffentliche Leben massiv heruntergefahren. Restaurants und viele Einzelhändler haben geschlossen, wichtige Industrien wie die Autobranche haben ihre Produktion weitgehend gestoppt und ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt.