In der Charité liegen derzeit 86 Corona-Patienten auf der Intensivstation.  Foto: Berliner KURIER/ Paulus Ponizak

Ein Ende der Corona-Pandemie ist nach Überzeugung von Charité-Vorstandsmitglied Ulrich Frei nicht absehbar. Die Pandemie sei derzeit immer noch in ihrer exponentiellen Phase, sagte Frei am Montag bei einem Besuch des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller und des Finanzministers Olaf Scholz (beide SPD) in der Charité. Das heißt, die Infektionszahlen steigen weiter. „Da wir wissen, dass zirka zwei Prozent früher oder später intensivpflichtig werden, werden wir, wenn die Lockdown-Maßnahmen wirken, dennoch einen Bremsweg von noch zwei Wochen vor uns haben, der unsere Kapazitäten sehr anstrengen wird“, sagte Frei.

„In Deutschland gibt es über 3 000 intensivmedizinische behandelte Covid-Patienten. Und auch in der Charité liegen derzeit 86“, sagte Frei. Und auch hier sei von steigenden Zahlen auszugehen.

Frei warnte davor, Covid-19 zu unterschätzen: „Die Erkrankung, das zeigt sich deutlich, ist weiter eine tödlich-gefährliche. Es sterben auch Leute unter 50 daran“, betonte er. „Und deswegen sollte man allen klar machen, dass die Regeln einzuhalten sind. Es ist keine Banalität, an dieser Krankheit zu leiden.“

Personalmangel erschwert die Lage

Was der Charité große Probleme mache, sei der Personalmangel, der dadurch erschwert werde, dass sich auch viele Mitarbeiter im privaten Umfeld infizierten und dann für die Arbeit ausfielen. „Wir versuchen mit allen Mitteln, das ausreichende Pflegepersonal zu rekrutieren“, sagte er.

Die Charité versuche, ihre Kapazitäten so aufzubauen, dass rund 200 Covid-19-Intensivpatienten behandelt werden könnten. „Wir wollen aber auch weitere 200 Betten frei halten für Nicht-Covid-Patienten.“

Der Vorstandsvorsitzende der Charité, Heyo K. Kroemer, sagte, die schnell steigenden Infektionszahlen in Berlin übersetzten sich an der Charité derzeit in zunehmenden Zahlen an intensivmedizinischen Patienten. „Was dazu geführt hat, dass wir dieses gesamte große Krankenhaus wieder ein Stück weit reorganisiert haben in Richtung einer optimalen Behandlung dieser schwer erkrankten Covid-Patienten“, sagte Kroemer. „Wir hoffen, durch die nächste Zeit zu kommen.“ Das Rennen sei offen, sagte er. „In der Summe sind wir an der Charité wie immer optimistisch, dass wir dieses Problem beherrschen können.“

Müller, der sich gemeinsam mit Scholz mit den Charité-Vertretern zum Austausch getroffen hatte, rief dazu auf, sich weiter unbedingt an die Corona-Regeln zu halten. „Man muss ganz klar sagen, die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Da gibt es nicht viel zu interpretieren, sondern es ist deutlich, dass wir nach wie vor in einer Krise sind“, sagte Müller.

Krise muss beherrschbar bleiben

„Es ist an uns allen, unseren Teil dazu beizutragen, dass diese Krise beherrschbar bleibt und dass wir ausreichende Infrastruktur zur Verfügung zu haben“, so der Regierende Bürgermeister eine Woche nach Beginn des Teil-Lockdowns. „Um vor allen Dingen gut reagieren zu können auf die Schwersterkrankten, um auf die reagieren zu können, die dann tatsächlich die intensivmedizinische Versorgung brauchen.“

Auch Bundesfinanzminister Scholz sagte, man dürfe das Virus nicht unterschätzen. „Es ist unverändert eine große Gefahr, und die Zahl der Ansteckungen nimmt zu“, warnte er. „Deshalb kann es nur eine Bitte geben an alle: Verständnis zu haben, dass wir dramatische Maßnahmen ergreifen müssen, um das Ansteigen des Infektionsgeschehens besser kontrollieren zu können. “Scholz sagte weitere Unterstützung zu: „Wir haben am Beginn dieses Jahres erhebliche Mittel eingesetzt, um intensivmedizinische Kapazitäten möglich zu machen. Und wir werden auch jetzt schauen, wie wir das Notwendige an Mitteln mobilisieren.“

Die Auslastung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten in Berlin ist am Sonntag auf genau 20 Prozent gestiegen. Am Montaq lag er bei 20,3. Damit bleibt der Wert weiterhin nah an der kritischen Marke von 25 Prozent. Bei einem Überschreiten würde die Berliner Corona-Warn-Ampel in diesem Bereich auf Rot springen. Noch zeigt sie Gelb. Bei der Zahl der Neuerkrankungen auf 100 000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen steht sie mit einem Wert von 189,2 allerdings weiter auf Rot. Im Vergleich zum Sonntag kamen am Montag 840 Neuinfektionen hinzu.