Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen mit Sitz in Berlin hat jetzt zu Spenden aufgerufen, um seine Arbeit fortzuführen. Foto: imago/Westend61

In der Corona-Krise haben männliche und weiblichen Sexarbeiter ihre Existenzgrundlage nahezu verloren. Seit Mitte März 2020 bis heute ist Prostitution nach dem Infektionsschutzgesetz fast durchgängig verboten. Die Gefahr, sich mit Corona zu infizieren, sei dabei zu hoch, so die Begründung von Bund und Ländern. Keine Kunden bedeutet für die meisten Prostituierten keine Einnahmen.

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Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen mit Sitz in Berlin hat jetzt zu Spenden aufgerufen, um seine Arbeit fortzuführen. „Unsere finanziellen Kapazitäten als ehrenamtlicher Verband sind nahezu erschöpft. Mit einer Unterbrechung von wenigen Wochen ist Sexarbeit seit knapp einem Jahr in allen Bundesländern untersagt und unsere Mitglieder befinden sich in einer beruflichen Ausnahmesituation“, heißt es in einer Mitteilung des Verbands

Um den finanziellen Druck nicht noch zu verstärken, ziehe der Verband seit März 2020 keinerlei Mitgliedsbeiträge mehr ein. Auch die Einnahmen aus Events – wie der World of Whorecraft-Messe, Workshops und anderen Veranstaltungen würden aktuell in der Kasse fehlen.

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Das einzig Positive aus Sicht des Verbands: Die Medienberichterstattung über die Lage der männlichen wie weiblichen Prostituierten in der Corona-Krise habe ein „realitätsnahes oder zumindest sachlicheres Denken“ bei Politikern und Bevölkerung erwirkt.

Auf der anderen Seite fürchtet der Verband, dass es künftig nicht mehr so wird, wie es mal vor Corona war. „Freierbestrafung, Sexkaufverbot und „Schwedisches Modell“ werden in politischen Kreisen wieder verstärkt diskutiert“, heißt es in der Mitteilung. Das bei den meisten Sexarbeitern eher unbeliebte Prostitutionsschutzgesetz sei ja schon in Kraft.