Sandy Griese campt schon seit über 30 Jahren mit ihrer Familie auf dem Zeltplatz „Kuhle Wampe.“
Foto: Andreas Klug

Ein kleines bisschen erinnern Sandy Griese die besonderen Hygieneumstände in diesem Jahr an ihre Kindheit. In Zeiten, in denen es noch Plumpsklos gab und man fürs Duschen noch nach Hause fuhr, lernte sie den Campingplatz zu lieben. Seit über 30 Jahren fährt sie mit ihrer Familie raus aus dem Stadtzentrum und taucht am Rande von Berlin in die Natur ein.

Ihre Eltern, ihr Bruder und mittlerweile auch ihr Mann und die Kinder wohnen in der warmen Jahreszeit auf dem  Campingplatz „Kuhle Wampe“. Normalerweise von April bis Oktober, so oft es geht. In dieser Saison konnte die Familie ihr Domizil, unweit der Dahme am Ufer der Großen Krampe in Köpenick gelegen, allerdings erst am 25. Mai beziehen.

Die Einschränkungen in der Corona-Krise machten auch bis dato vor Zeltplätzen unter freiem Himmel nicht Halt. „Das war eine Umstellung für uns. Wir sind es seit 30 Jahren gewohnt, im April raus auf den Campingplatz zu können. Wir haben das die ersten zwei Monate schon sehr vermisst“, sagt Griese, die als Metallgießerin arbeitet.

Keine gemeinsamen Sanitärräume

Schwimmende Kinder im Badesee, Bierchen in der Nachmittagssonne vorm Wohnwagen und Kartenspiele zum Zeitvertreib: Die Campinglaune scheint auf „Kuhle Wampe“ auch in diesem Jahr ungebrochen zu sein. Lediglich die Körperhygiene muss am Stell- oder Zeltplatz direkt stattfinden. „Wir haben uns einen Wasseranschluss gelegt. Mit einem Wasserkocher kochen wir Wasser, damit wir unser Kind in der Waschschüssel waschen können“, sagt Griese.

Duschen müssen die Camper zu Hause. Für den Toilettengang herrscht Maskenpflicht. „Ich bin überhaupt nicht der Typ, der andere zurechtweisen muss. Aber wenn ich sehe, dass jemand seine Maske auf der Toilette nicht trägt, dann sage ich schonmal etwas“, sagt Thomas Dubrau. „Wir haben ja alle ein Interesse daran, dass der Platz nicht wieder schließen muss.“

Thomas Dubrau und seine Kinder waschen sich in diesem Jahr direkt vor ihrem Zelt.
Foto: Andreas Klug

Dubrau wohnt nur etwa zehn Autominuten entfernt vom Campingplatz. Trotzdem zieht es ihn mit seinen Kindern oft raus ins nahegelegene Grüne. „Wenn die Temperaturen auf 30 Grad steigen und ich das Wasser direkt vor der Tür habe, sehe ich keinen Grund wegen zwei Grad mehr irgendwo hinzufliegen. Die Kinder können hier durch den Wald rennen, angeln oder einfach nur baden. Deswegen machen wir gerne Urlaub auf dem Campingplatz. Und wenn das Wetter mitspielt, fahren wir eben von hier aus zur Schule“, sagt der Rechtsanwalt.

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Auspowern ist in diesem Jahr vor allem durchs Schwimmen oder Kanu fahren angesagt. Die „Kuhle Wampe“ wird von einem Zeltsportverein betrieben, der sich normalerweise sportliche Veranstaltungen wie Volleyball- oder Tischtennisturniere auf die Fahne geschrieben hat. „Hier wird viel für die Kinder gemacht, und da beteiligt man sich gerne an den Vorbereitungen. In diesem Jahr fallen solche großen Events aber aus“, sagt Sandy Griese. Dafür kann sie sich über einen gemütlichen Start in den Tag mit ihren Eltern umso mehr freuen. „Mein Vater ist derjenige, der uns morgens oft mit Frühstück versorgt und alles vorbereitet.“

Außer Mundschutz, alles wie immer

Im Vorzelt von Grieses Eltern steht für diesen Zweck eine gut ausgestattete Küchenzeile mit Backofen, riesigem Kühlschrank und sogar einer Spülmaschine. Das Schöne am Camping sei, dass man keine Verpflichtungen habe und einfach in den Tag hineinleben könne, erzählt Griese. Wenn doch mal Langeweile aufkommt, zieht Mutter Angelika ein Gesellschaftsspiel aus ihrer Sammlung oder hält Kreuzworträtsel bereit.

Gesellige Stimmung kommt auch in der Gaststätte von Heike Meyer gleich am Eingang des Campingplatzes auf. Drei Kartoffelpuffer mit Apfelmus serviert die Wirtin für vier Euro, für die Variante mit Quark und Lachs bezahlen die Camper zwei Euro mehr. Dazu stehen mit weißer Kreide auf schwarzer Tafel die Klassiker geschrieben: Currywurst, Bratwurst und Pommes kosten je zwei Euro, Freitag ist Schnitzeltag. Natürlich tragen Meyer und ihr Team Mundschutz, sonst sei aber alles wie immer, sagt sie.

Eine Servicekraft trägt Mundschutz beim Bedienen der Camper.
Foto: Andreas Klug

Die „Kuhle Wampe“ verspricht aber nicht nur den langjährigen Dauer-Campern des Sportvereins Erholung fernab des Großstadtdschungels. Auch Gast-Camper können in Seenähe ihre Zelte aufschlagen. Pro Person und pro Nacht werden hierfür sechs Euro fällig und pro Zelt pro Nacht nochmal vier Euro. Wer nicht gerne direkt in der Natur übernachtet, kann sich für 15 Euro pro Person und pro Nacht im „Dachstübchen“ einmieten.

„Man kann auf dem Zeltplatz sehr schnell Freundschaften schließen“, sagt Thomas Dubrau. „Und wenn ich mit meinen Kindern abends nochmal mit einer Tüte Chips und was zu trinken runter zum Wasser gehe und über den See gucke, ist das besser als Fernsehen.“