Beim THW in Neukölln werden die Lebensmittelpakete für die Menschen gepackt, die wegen Corona in Quarantäne sind.

 
Foto:  camcop media / Andreas Klug

Die Zahl der mit dem Corona-Virus infizierten Menschen in sieben Neuköllner Wohnblocks ist binnen eines Tages von 57 auf 74 gestiegen. Das berichtete Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU), nachdem weitere Testergebnisse eingetroffen waren. Über 80 Prozent der insgesamt Betroffenen leben in dem Eckgebäude Harzer und Treptower Straße.

Wie berichtet, mussten zum vergangenen Wochenende die Bewohner von 369 Wohnungen an 13 Hausaufgängen unter Quarantäne gestellt werden. Sie dürfen ihre Häuser 14 Tage lang nicht verlassen, folglich auch nicht einkaufen gehen.

THW soll Lebensmittelpakete liefern

Deshalb wurde das Technische Hilfswerk (THW) beauftragt, über seinen Ortsverband Lebensmittelpakete zu packen. Die Waren wurden am Mittwoch eingekauft und eingepackt, sollen am Donnerstag ausgeliefert werden. Brookert Burri, Leiter des Ortsverbands, geht von 75 Paketen aus, die an die Familien verteilt werden. Sie sollen unter anderem Brot, Gemüsekonserven, Speiseöl, Kartoffeln, Nudeln, Reis, Mehl, Milch, Obst, Gemüse und Eier enthalten, für die Kinder auch Schokolade.

Es sind sehr preisgünstig eingekaufte Lebensmittel, die an die Bewohner verteilt werden.

 
Foto: camcop media / Andreas Klug

Bislang soll es bei nur einer Paket-Verteilung bleiben. Später sollen Freiwillige für den Einkauf gewonnen werden. Der Bezirk kann auf einen Fundus von 450 Menschen zurückgreifen, die sich zu Beginn der Pandemie bereit erklärt hatten, speziell für ältere Neuköllnerinnen und Neuköllner einzukaufen, die bei einer Corona-Infektion unter einem besonderen Risiko stehen.

Stadtrat Liecke berichtete weiter, dass der Bezirk im Gespräch mit der Wohnungsbaugesellschaft  versuche, an dem Komplex Harzer / Treptower Straße eine Außenstelle einzurichten, damit ständig Sozialarbeiter oder Gesundheitsamts-Mitarbeiter  als Ansprechpartner bereitstehen.

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Am Dienstag vom Neuköllner Bezirksamt gemeldete mögliche Verbreitung des Virus über Verwandte in andere Bezirke sieht der Reinickendorfer Amtsarztes Patrick Larscheid nicht so kritisch. Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) ist da skeptischer. Abgesehen von dem Ausbruch in seinem Bezirk beobachte er, dass in der Bevölkerung insgesamt die Disziplin bei der Einhaltung von Abstands- und Masken-Regeln nachlasse.

Es mache sich verstärkt die Einstellung breit, dass Corona „vorbei“ oder nicht so schlimm sei. Hikel sagte dem rbb: „Insofern ist es natürlich in der jetzigen Situation noch mal schwieriger, Menschen zu verdeutlichen, dass Corona eben nicht vorbei ist und dass auch das Einhalten von einer Quarantäne bedeutet, andere Menschen zu schützen.“