Michael Tsokos ist Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Charité Berlin. Er kritisiert die Öffentlich Rechtlichen scharf. Charles Yunck

Der Berliner Gerichtsmediziner Michael Tsokos ist wütend auf die ARD. Der Grund: Tsokos hatte eine Gastrolle in der letzten Tatort-Folge mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl. Doch die Szene mit dem Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Charité Berlin wurde herausgeschnitten. Tsokos teilt nun mit, er halte „so ein Agieren für gefährlich. Brandgefährlich, da es zeigt, wie weit es schon gekommen ist“. Für seine Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen und seine Warnung „vor einer Art Staatsfernsehen“ wird der Rechtsmediziner jetzt nach eigenen Aussagen in eine „rechte Ecke“ gestellt. Das sei „das Allerletzte“, so Tsokos.

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Hintergrund ist eine Szene mit dem Berliner Gerichtsmediziner im Münsteraner Tatort am Sonntagabend. Hier war Tsokos ursprünglich gemeinsam mit Jan Josef Liefers zu sehen. Er spielte nach eigenen Angaben den Rechtsmediziner Professor Michael Thomsen, das große Vorbild von Professor Karl-Friedrich Boerne (dargestellt von Jan Josef Liefers). Doch die Szene wurde herausgeschnitten, offenbar ohne Tsokos vorher Bescheid zu geben. Der WDR bestätigte, dass die Szene „entsprechend gekürzt“ wurde.

WDR bestätigt: Wir habe die Szene entsprechend gekürzt

In einem Statement heißt es: „Lange nach dem Ende der Dreharbeiten für den Münsteraner Tatort Rhythm and Love haben wir erst durch Zufall erfahren, dass Jan Josef Liefers und Michael Tsokos für den RTL-Streamingdienst TVNOW in einer gemeinsamen Serie auftreten, bei der die Beiden gemeinsam obduzieren und die somit optisch fast das gleiche Umfeld der Rechtsmedizin zeigt wie der Münsteraner Tatort.“

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Weiter hieß es im Statement des Senders: „Dazu wird der von Tsokos gespielte Rechtsmediziner im Tatort permanent „Koryphäe“ genannt, was einen werblichen Effekt zusätzlich unterstützt hätte. Hätten wir im Vorfeld von dieser Überschneidung gewusst, hätten wir die Rolle von Beginn an mit jemand anderem besetzt. Da wir keine Werbung machen wollen und dürfen, haben wir die Szene entsprechend gekürzt.“

Für Tsokos, der auch ärztlicher Leiter der Gewaltschutzambulanz der Charité ist, ist das Vorgehen des WDR nicht nachvollziehbar. Er teilt mit: „Im Ernst, das ist die Begründung!“ Auch die Art und Weise des Umgangs kritisiert der Rechtsmediziner scharf, da ihm die Begründung „natürlich nicht ins Gesicht gesagt wurde, sondern (feige?) hinten rum kommuniziert wurde“.

Tsokos: Potentielle Meinungsmache muss immer wieder hinterfragt werden

Dann holt Tsokos zu einem Rundumschlag aus. Und schreibt in seinem Post bei Instagram: „Gerade in einer Zeit wie heute, in der potentielle Meinungsmache öffentlich-rechtlicher Sender immer wieder hinterfragt wird (und auch hinterfragt werden muss!), damit die GEZ-finanzierten Sender nicht endgültig zu einer Art Staatsfernsehen verkommen – was wir bekanntlich schon einmal in einem deutschen Staat hatten – halte ich so ein Agieren für gefährlich.“

Ein solches Vorgehen sei sogar „brandgefährlich, da es zeigt, wie weit es schon gekommen ist“. Weiterhin betont der Rechtsmediziner, es gehe ihm nicht „um mich oder eine rausgeschnittene Szene, die keinerlei Bedeutung hat. Es geht um die Frage an @das_erste @ard @wdr @bavariafiction: Wo fängt Zensur an?“

Kurz nach dem bei Instagram geteilten Statement entbrannte eine Diskussion über die Aussage des Rechtsmediziners. Neben viel Zustimmung wird Tsokos darin auch scharf kritisiert. So heißt es etwa: „Das ist keine Zensur. An Ihrer Stelle würde ich mehr auf meine Wortwahl achten, die ist m.M. brandgefährlich. An den meisten Kommentaren liest man bereits eine gewisse Grundstimmung heraus.“

In einem anderen Beitrag wird geschrieben, man sei „entsetzt über Ihre Aussage bezüglich Staatsfernsehen. Meines Wissens ist das in Russland und war in der DDR der Fall“. Tsokos habe mit seiner Äußerung „den Vogel abgeschossen“ und bekomme „den Applaus von einem Teil der Gesellschaft, der nichts Gutes im Sinn hat“.

„Völlig verblendeten Blindfischen kann man sowieso nichts recht machen“

Auch dazu äußerte sich der Sohn eines Griechen und einer Deutschen auf seinem Instagram-Kanal umgehend. „Mich mit meinem Migrationshintergrund und als jemand der Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit als höchstes Gut ansieht und der fast die ganze arabische Welt in Sachen Rechtsmedizin ausgebildet hat, in eine rechte Ecke zu stecken, ist wirklich das Allerletzte von einigen, die meinen letzten Post entsprechend kommentiert haben.“

Und weiter: „Und für meine Instagram- Rechtsmedizin-Gemeinde: Keine Angst, das wird jetzt hier kein politischer Kanal. Diesen ganzen Blindfischen, die völlig verblendet sind, kann man sowieso nichts recht machen.“