Nadine Azad-Belz (39) geht mit ihrem Mann Nasir Azad (29) bewusst an die Öffentlichkeit. Foto: Thomas Uhlemann

Weil die Taliban sein Leben bedrohen, flieht Nasir Azad (29) im Sommer 2015 nach Deutschland. Er findet erst einen Job und danach Nadine (39), seine Frau.  Sie lieben sich, heiraten,  ziehen zusammen nach Treuenbrietzen (Brandenburg). Im Nachbardorf spielt er Fußball, bei Union Linthe. Nasir Azad hat sich vorbildlich integriert und bekommt trotzdem keine Aufenthaltsgenehmigung. Jetzt soll er ausreisen. Der Hilferuf seiner Frau: „Bitte schickt meinen Ehemann nicht nach Afghanistan zurück!“

Sie kann sich noch den Moment  erinnern, als sie ihn zum ersten Mal sieht. Sie arbeitet im Restaurant an der Raststätte Fläming. Er hilft in den Küche aus. „Liebe auf den ersten Blick!“, sagt Nadine Azad-Belz (39). Sie bringt ihm Deutsch bei. Er ist überwältigt von ihrer Hilfsbereitschaft, ihrer Freundlichkeit, ihrem Lächeln. Seit Oktober 2016 sind beide ein Liebepaar und schmieden Pläne.

Doch das Hickhack mit den deutschen Behörden überschattet früh das Liebesglück: Sein Asylantrag wird das erste Mal im September 2016 abgelehnt, im August 2018 zum zweiten Mal. Nasir Azad hat nur eine Duldung, die alle paar Monate verlängert werden muss. Einen Aufenthaltstitel bekommt er bis heute nicht. Das letzte und somit dritte Ablehnungsschreiben der Ausländerbehörde Werder/Havel liegt im Mai diesen Jahres im Briefkasten.

„Ich will doch nur hier leben und werde behandelt wie ein Verbrecher. Doch ich bin ein Mensch. Zurzeit geht es mir schlecht“, so der junge Mann. „Wir sind einfach nur noch genervt“, meint Nadine Azad-Belz. Das Paar hat sich einen Anwalt genommen.

Die Ehefrau versucht, ihrem Mann nachträglich das Visum für die Einreise nach Deutschland zu besorgen und so die Behörden noch umzustimmen. Doch sämtliche deutsche Botschaften lehnen die Ausstellung eines nachträglichen Visums ab. 

Nichts mit Scheinehe! „Wir haben aus Liebe geheiratet“, sagt das Paar. Foto: Thomas Uhleman

Nur mit einer Duldung in der Tasche ist das Leben ziemlich schwer: Als Nasir Azad 2018 anfängt, als Fensterbauer zu arbeiten, muss er vorher viele Anträge stellen. Im Job gibt er alles und ist vorerst glücklich. „Wir sind sehr zufrieden mit ihm“, sagt sein Chef Olaf Häusler dem KURIER. Trotzdem fühlt der 29-Jährige sich jetzt eingesperrt. Denn Duldung heißt Residenzpflicht. Er kann nicht mal den Landkreis verlassen. 

Auch der Hochzeit des Paares werden Steine in den Weg gelegt. Im September 2017 stellt das Paar den Antrag dafür, geheiratet werden kann aber erst im Februar 2019. Zum Feiern der Hochzeit ist ihnen nicht zumute, so angespannt sind sie. 

Die Ausländerbehörde in Werder/Havel teilt in dem letzten Ablehnungsschreiben vom Mai mit: 2015 sei Nazir Azad ohne gültiges Visum nach Deutschland eingereist. Nach der ersten Ablehnung des Aylantrags sei er nicht ausgereist. Außerdem hätten ihm während des Asylverfahrens Papiere gefehlt. In seiner afghanischen Heimatstadt Herat werde er aktuell nicht verfolgt, steht da geschrieben.

„Doch, ich werde nach wie vor von den Taliban verfolgt, auch mein Bruder hat Afghanistan verlassen müssen“, erklärt Nasir Azad entschieden. „Er ist doch nicht umsonst geflohen. Er kann jetzt nicht zurück“, so seine Frau.

Auf KURIER-Nachfrage bleibt die Behörde hart: Behördenleiterin Nadine Dornblut teilt mit, dass der Asylantrag abgelehnt wurde und rechtskräftig ist. „Herr Azad ist ausreisepflichtig.“ Mit einem gültigen Visum hätte er bleiben können, doch das habe das Paar nicht besorgt.  Die Ehefrau erklärt wütend: „Wir haben alles versucht. Doch wenn er extra aus Deutschland  ausreist, um sich ein Visum zu besorgen, darf er 30 Monate nicht einreisen. Das verschweigt die Ausländerbehörde.“