Maske auf im Unterricht? Bisher gilt die Regel in Berlin nur für die Klassen 11 bis 13. Foto:  Daniel Bockwoldt / dpa

Auch dieser erste Schultag – der nach den Herbstferien – beginnt mit Sorgen: Berliner Schulleiter würden es vorziehen, selbst bestimmen zu dürfen, welche Sicherheitsmaßnahmen gegen das Coronavirus an ihren Standorten gelten. Doch die ersten drei Tage lang gilt nach Anordnung von Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) Corona-Warnstufe Gelb, überall. Das heißt Maskenpflicht im Lehrerzimmer, und für die Schülerinnen und Schüler der Klassen 11 bis 13 auch im Unterricht. Der „Corona-Stufenplan“, mit dem jede Schule individuell eingestuft werden soll, tritt erst kommenden Donnerstag in Kraft.

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Viel zu spät, findet der Sprecher der Berliner Vereinigung der Oberstudiendirektoren (VOB) Wolfgang Gerhardt, der deshalb am Freitagabend eine Beschwerdemail an seine regionale Schulaufsicht, die Senatsschulverwaltung sowie Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) schickte. Das Schreiben liegt dem KURIER vor. Der Leiter des Neuköllner Albert-Einstein-Gymnasiums bemängelt darin, ihm erschließe sich nicht, warum bei derart hohen Inzidenzzahlen im Bezirk „nicht temporär eine vollständige Maskenpflicht an weiterführenden Schulen verbindlich festgelegt wird“, so Gerhardt. Dass es dem Bezirk Neukölln ab Donnerstag freisteht, genau das anzuordnen, reiche ihm nicht, sagte Gerhardt dem KURIER – in den drei Tagen zuvor gebe es reichlich Gelegenheit zur Weitergabe von Infektionen.

Die Neuköllner Schulstadträtin Karin Korte (SPD) sagte dem KURIER noch am Freitag, sie halte es für vertretbar, auch in Neukölln grundsätzlich an allen Schulen mit der Stufe Gelb anzufangen. „Aber wenn es nötig ist, werden wir auch schon vor Donnerstag hochstufen“, sagte Korte. Die Situation sei, auch in ihrem Bezirk, von Schule zu Schule sehr unterschiedlich – „deshalb fangen wir am Montag erst mal an“, so Korte. Sie scheue sich aber nicht, schnelle Entscheidungen zu treffen, wenn es denn nötig sei.

Gerhardt hingegen kommt das Neuköllner Gesundheitsamt einigermaßen überlastet vor: „In einem Fall an meiner Schule vor den Herbstferien hat es fünf Tage gedauert, bis das Gesundheitsamt alle Schülerinnen und Schüler der Kontaktgruppe 1 überhaupt kontaktiert hatte.“ Er fordert von der Senatsschulverwaltung deshalb eine „rechtliche Grundlage“, auf der Schulleitungen selbst entscheiden dürfen, welche Corona-Sicherheitsstufe in ihrer Schule gelten soll. Gerhardt schließt sich damit dem Vorschlag des VOB-Verbandsvorsitzenden Ralf Treptow an, der das Rosa-Luxemburg-Gymnasium in Pankow leitet.

Auch der Landesschülerausschuss ist der Ansicht, dass die Schulen das Recht auf eine Maskenpflicht haben sollten, wenn die Schulkonferenz es so entscheidet. Grundsätzlich, so Sprecherin Lena Werner, sei die Schülervertretung mit dem Stufenplan aber einverstanden – „sofern er auch wirklich so durchgeführt wird, wie er da steht“. Die 16-Jährige besucht das Friedrich-Ebert-Gymnasium in Wilmersdorf und muss dort als Elftklässlerin ab Montag auch im Klassenzimmer Mund und Nase bedecken. Mit gemischten Gefühlen: Einerseits signalisiere ihr die neue Regel eine Verschlechterung der Lage, sagte Werner dem KURIER. „Andererseits fühlt man sich auch ein bisschen sicherer, weil nun jeder zum Tragen der Maske verpflichtet sein wird.“