Boris Becker, ehemaliger Tennis-Profi, bei einer Veranstaltung in Dessau.  Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Keine 48 Stunden liegen zwischen zwei Auftritten, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Beim Tennisturnier am Hamburger Rothenbaum sitzt Boris Becker Ende September entspannt auf der Tribüne. Auf der Pressekonferenz plaudert der 52-Jährige über seine Liebe zur Hansestadt und über den besten deutschen Tennisspieler Alexander Zverev.

Zwei Tage später ganz andere Bilder: Mit verkniffenem Gesichtsausdruck ist Becker in seiner Wahlheimat London auf dem Weg ins Gericht. Den Ärger um sein privates Insolvenzverfahren hatte er eigentlich längst hinter sich lassen wollen. Doch es kam anders.

Heute hat Becker einen weiteren unangenehmen Termin: Sein Fall wurde an den Southwark Crown Court in London verwiesen. Der dreimalige Wimbledonsieger und sechsfache Grand-Slam-Champion will sich dort zu Beginn seines Verfahrens gegen Vorwürfe der britischen Insolvenzbehörde wehren. Die Behörde wirft ihm – wieder einmal – vor, in seinem Verfahren nicht genügend kooperiert zu haben. Becker streitet das vehement ab.

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In diesen Tagen sind die beiden Gesichter des Boris Becker präsent wie selten. Während die einen auch nach Jahrzehnten noch den einst weltbesten Tennisspieler feiern, sehen andere in ihm den abgerutschten Pleite-Promi. Als 17-Jähriger hatte sich der Rotschopf aus Leimen mit seinem Wimbledonsieg am  7. Juli 1985 in die Tennis-Geschichtsbücher katapultiert – und in die Öffentlichkeit. 

Stolz: Boris Becker bei seinem Wimbledonsieg-Sieg mit 17 Jahren.  Foto: imago images/Colorsport

Heute ist Becker anerkannter TV-Experte für Eurosport oder die britische BBC. Er ist Chef der Herren-Abteilung im Deutschen Tennis Bund und wurde jüngst von Alexander Zverev & Co. zum Teamchef für einen neuen Wettbewerb auserkoren. Für seine Analysen während der French Open wurde er zuletzt wieder mit Lob überhäuft. Eurosport verlängerte die Zusammenarbeit bis 2023. Als Becker am vergangenen Mittwoch bei einem Besuch im Golf-Park Dessau über sein Leben plauderte, zog er auch dort das zahlende Publikum mit Anekdoten, Witz und Selbstironie in seinen Bann.

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Private Fehltritte und eine andauernde Finanzmisere

Aber da sind eben auch die privaten Fehltritte und die leidige Finanzmisere. „Das Thema Geld war für mich nie vordergründig. Manchmal hat man mehr, manchmal hat man weniger. Ich habe deswegen nie Dinge gemacht. Es war nie ein Grund, dass ich Tennis gespielt habe oder heute arbeite,“ sagte Becker in Dessau und versicherte: „Ich verdiene immer noch zwei Mark fünfzig.“

Ganz so entspannt verliefen die vergangenen Jahre für Becker in dieser Hinsicht jedoch nicht: Im Jahr 2017 erklärte ein britisches Gericht den Wahl-Londoner für zahlungsunfähig. Im Sommer 2019 zwangsversteigerte man einen Teil seiner Trophäen – insgesamt 82 Erinnerungsstücke wie Pokale, Medaillen oder Uhren wechselten in einer Online-Auktion den Besitzer.

Eigentlich können Insolvenzverfahren in England bereits nach einem Jahr abgeschlossen werden. Eigentlich.

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Insolvenzauflagen für Boris Becker bis Oktober 2031 verlängert

In Beckers Fall wurden die Insolvenzauflagen jedoch um zwölf Jahre verlängert – der Ex-Profi muss sich bis zum 16. Oktober 2031 bestimmten Einschränkungen für zahlungsunfähige Personen in Großbritannien unterwerfen. Grund ist, dass Becker Transaktionen aus der Zeit vor und nach dem Insolvenzverfahren nicht ordnungsgemäß gemeldet haben soll. Um ähnliche Vorwürfe geht es jetzt erneut. Die zuständige Insolvenzbehörde führt nun strafrechtliche Ermittlungen gegen Becker.

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Wird der Prozess zum Wendepunkt in der Causa Becker? Abwarten. Jedenfalls kann er die Misere der Insolvenz deutlich in die Länge ziehen. „Ich bestreite die Anschuldigungen gegen mich und werde mich mit allen rechtlichen Mitteln verteidigen“, ließ Becker kürzlich via Twitter verlauten und kündigte an, dass sein Team seine Unschuld „zu gegebener Zeit beweisen werde“.