Aldina (li.) mit drei Mitschülerinnen beim Homeschooling auf einem Hügel. Foto: dpa/Ahmad Pathoni

Mit Masken und Plastikvisieren kauern Aldina und drei ihrer Freundinnen in Bogor in der Nähe der indonesischen Hauptstadt Jakarta über Schulbüchern. Die Mädchen sitzen unter freiem Himmel im Schneidersitz an einem Fluss. In der Mitte liegt ein einzelnes Smartphone. Die Abdeckung mit Wifi und Mobilfunk ist in vielen Häusern der dicht besiedelten Gegend zu schwach, um das Online-Material für den Unterricht zuhause zu sichten.

Wegen Corona sind auch im weltgrößten Inselstaat seit Monaten die Schulen geschlossen. Indonesien ist schwer von der Pandemie betroffen. Anders als in Deutschland, wo in diesen Tagen der reguläre Unterricht wieder startet, ist noch unklar, wann der Betrieb wiederaufgenommen wird.

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Homeschooling ist selbst in größeren Städten wie Bogor auf der Hauptinsel Java kompliziert. Um Empfang zu haben, müssen die Kinder manchmal lange nach einem geeigneten Ort suchen - wie hier am seichten Ciliwung-Fluss. Tablets haben die wenigsten. Das Smartphone muss reichen, manchmal ein einziges für vier Kinder. Auf der Insel Sumatra ist es noch schlimmer. Dort müssen Schüler vielerorts kilometerweit laufen oder auf Hügel steigen, um ein Signal zu bekommen.

„Für uns ist es wirklich nicht leicht, online zu lernen“, sagt die achtjährige Aldina. Und der schlechte Empfang sei nicht das einzige Problem, erzählt ihre Mutter Nur Aida (42). „Das Prepaid-Handy ständig aufzuladen ist auch eine große Belastung für uns. Dafür haben wir nicht immer Geld.“ Bildungsminister Nadiem Makarim betont, er sei sich der Schwierigkeiten bewusst. „Die Situation ist eine Herausforderung für uns alle“, sagte er. Es gebe aber nur zwei Möglichkeiten - „unter schlechten Bedingungen zu lernen oder überhaupt nicht“.

Vereinfachter Lehrplan für 60 Millionen Kinder

Betroffen sind Studien zufolge etwa 60 Millionen Kinder und Jugendliche, die sich auf zahlreiche Inseln verteilen. Zum Vergleich: In Deutschland sind es nur etwa elf Millionen Schüler. Das Bildungsministerium will bald einen neuen Lehrplan vorstellen, der an die veränderten Bedingungen angepasst ist. „Es handelt sich um eine dramatisch vereinfachte Version, die sich auf die Kernkompetenz konzentriert“, so Minister Makarim.

Nur etwa 65 Prozent der 265 Millionen Menschen im bevölkerungsreichsten Land Südostasiens haben offiziellen Angaben zufolge überhaupt Zugang zum Internet. Allerdings hat sich die Situation dank der Einfuhr erschwinglicher chinesischer Smartphone-Modelle und günstigerer Datentarife verbessert. Auf dem Land müssen Lehrer bis zu 30 Kilometer weit reisen, um ihren Schülern persönlich den Unterrichtsstoff und die Hausaufgaben zu überbringen. „E-Learning“ ist hier noch eine Zukunftsvision. Experten befürchte, dass die Bildungsungleichheit zunehmen wird.