Rainer Langhans fand es schrecklich, jeden Tag Sex haben zu müssen. Foto: picture alliance/dpa

Er ist das Gesicht der 68er-Bewegung in Deutschland – Rainer Langhans, der mit Uschi Obermaier zum Hauptdarsteller der sexuellen Revolution in Deutschland wurde. Am Freitag wird der schon lange ergraute Langhans 80 Jahre alt und befindet sich noch immer auf einer Sinnsuche für sein Leben. Begleitet wird er seit Jahren von einem weiblichen Harem. Dazu gehören Brigitte Streubel, Christa Ritter und Gisela Getty. 2017 starb die ebenfalls zu der Gruppe gehörende Jutta Winkelmann. 

Im Leben des seit Jahren nur in weißen Gewändern auftretenden Langhans geht es also vor allem um die ewige Sinnsuche. Dass der Harem mit Sex gleichzusetzen sei, versuche er vergeblich den Menschen auszureden, sagt Langhans. „Die Leute wollen einfach nicht begreifen, dass Frauen und Männer auch anders zusammenleben können.“ Selbst der Sex mit Obermaier, von der Ende der 60er Jahre wohl nicht wenige Männer träumten, war für Langhans auch Stress. „Ich fand es schrecklich, jeden Tag Sex haben zu müssen“, sagte er einmal.

Der aus der Gemeinde Oschersleben bei Magdeburg stammende Langhans kam am 19. Juni 1940 zur Welt. Der Vater hatte als Flugzeugingenieur Jagdbomber für die Nazis gebaut. Den Sohn zog es in seiner Berliner Studienzeit zum Sozialistischen Deutschen Studentenbund und in die legendär gewordene Kommune 1. Langhans beteiligte sich in dieser Kommunenzeit auch an linken politischen Aktionen. Am spektakulärsten war das vereitelte Puddingattentat: Die Kommunarden wollten den damaligen US-Vizepräsidenten Hubert H. Humphrey aus Protest gegen den Vietnamkrieg mit Pudding bewerfen, doch die Pläne flogen auf.

Rainer Langhans mit seinem Harem Brigitte Streubel , Gisela Getty und Christa Ritter. Foto: Imago

Langhans lebte in einem Umfeld, aus dem die Linksterroristen der RAF erwuchsen. Statt selbst in die Gewalttätigkeit abzudriften, wurde er der bekannteste Verfechter der freien Liebe. Er lernte Uschi Obermaier kennen, die beiden wurden schnell das meistfotografierte Paar der damaligen Zeit. Sie zogen nach München, gründeten dort eine eigene Kommune, experimentierten mit Drogen.

Von den Hippieträumen blieb aber nicht viel. In seiner Biografie „Ich bin‘s“ schreibt Langhans von den vielen Affären. Zu Dates mit Mick Jagger habe er Obermaier selbst gefahren. Doch was so locker wirkt, war verkrampft. „Es ist uns beiden nicht leicht gefallen, darüber zu reden.“

Mitte der 70er Jahre scheiterte die Beziehung, seit Jahren sind die beiden zerstritten. Langhans begab sich nach diesem Beziehungsaus wieder auf die Suche nach sich selbst. Er fand einen indischen Guru, schauspielerte für Rainer Werner Fassbinder, versuchte sich als Regieassistent, verkaufte aber auch Sparverträge. Angeblich lebt Langhans lediglich von einer kleinen Rente aus seiner Bundeswehrzeit. Dazu kommen Einnahmen aus Interviews oder Fernsehauftritten wie 2011 seine Teilnahme im RTL-„Dschungelcamp“.