Sicherheitsmitarbeiter der Deutsche Bahn kontrollieren die Einhaltung der Maskenpflicht in einem ICE. Foto: dpa/Sven Hoppe

Verwandtenbesuche über die Feiertage sollen auch in diesem Jahr möglich sein – wenn auch in kleinerem Kreis. Und obwohl Bund und Länder an die Bevölkerung appellieren, auf Fernreisen möglichst zu verzichten, ist davon auszugehen, dass doch mehr Menschen vor Weihnachten zu ihren Angehörigen reisen werden. Sie müssen sich schon von Freitag an auf neue Regeln einrichten, wenn sie mit der Bahn fahren wollen.

In allen Zügen ist in den Großraumwagen nur noch ein Sitzplatz pro Doppelsitz reservierbar. Alle anderen Sitzplätze bleiben für eine Reservierung gesperrt. Einzelreisenden werden automatisch Fenstersitzplätze zugewiesen.

Bei Sitzgruppen mit Tisch können nur noch die diagonal gegenüberliegenden Sitzplätze gebucht werden - der Fensterplatz auf der einen und der Gangplatz auf der gegenüberliegenden Seite. Reservierungen von Einzelreisenden auf nebeneinander liegenden Sitzplätzen werden so vermieden.

In geschlossenen Abteilen mit sechs Sitzplätzen sind nur noch zwei Plätze reservierbar, der Fensterplatz auf der einen und der Gangplatz auf der anderen Seite.

Für gemeinsam reisende Kunden schafft die Bahn sowohl in der 1. Klasse als auch in der 2. Klasse Extra-Bereiche, in denen Familien oder Paare auch nebeneinander liegende Sitzplätze reservieren können. Diese Bereiche sollen zusätzlich zum Infektionsschutz beitragen, da sich gemeinsam Reisende so nicht im Wagen verteilen.

Insgesamt bietet die Deutsche Bahn nur noch 60 Prozent der Sitzplätze zur Reservierung an. Gegenwärtig scheint das auch kein Problem zu sein, weil die Fernverkehrszüge im Schnitt nur höchstens zu einem Viertel ausgelastet seien.

Eine Reservierungspflicht soll es weiterhin nicht geben. Die Reservierung über bahn.de oder die DB Navigator-App wird von der Bahn jedoch für die Fernzüge dringend empfohlen.

Sitzplatzkapazität soll deutlich erweitert werden

Gleichzeitig soll die Sitzplatzkapazität deutlich erweitert werden. Zum Teil ist das auch schon geschehen: Schon zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember will die Bahn deutlich mehr Fernverkehrszüge anbieten – mit täglich 13.000 zusätzlichen Sitzplätzen.

In der Vergangenheit hatte man sich bei der Bahn geweigert, in der 2. Klasse Plätze zu blocken, um einen Mindestabstand zu gewährleisten. Das sei nicht wirtschaftlich, hieß es. Zuletzt hatte eine Regelung, dass Bundesbeschäftigte in Corona-Zeiten kostenlos einen zweiten Sitzplatz dazubuchen können, für Empörung gesorgt. Mehrere Ministerien hatten seitdem erklärt, keinen Gebrauch von der Sonderregel gemacht zu haben, die inzwischen ausgesetzt wurde.

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Vonseiten der Bahn hat man ohnehin stets betont, dass eine Ansteckung im Zug unwahrscheinlich sei. So findet nach Unternehmensangaben in einem ICE alle sieben Minuten ein vollständiger Luftaustausch statt. Auch die Frischluftzufuhr liege über der in den meisten Gebäuden. Ersten Erkenntnissen einer Studie der Berliner Charité zufolge konnte bisher tatsächlich kein erhöhtes Ansteckungsrisiko beim Bahnfahren festgestellt werden.

Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Klaus-Dieter Hommel, kritisierte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur die Maßnahme, bestimmte Plätze von der Reservierbarkeit auszunehmen. „Das führt zu einer Mehrbelastung für die Beschäftigten, denn die müssen es durchsetzen.“ Vor einer Reservierungspflicht warnte Hommel explizit. „Das würde dazu führen, dass der Fernverkehr nicht mehr handlebar ist.“

 Die Corona-Krise hat die Lage des Konzerns ohnehin verschärft. Für 2020 rechnet die Bahn mit einem Rekordverlust von 5,6 Milliarden Euro, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf Unterlagen für die Aufsichtsratssitzung am 9. Dezember berichtet.