Nick Burkhardt, ein Geschäftsführer der Firma Corthum, zeigt sortierten Rindenmulch. Für einen schönen Garten wird man künftig tiefer in die Tasche greifen müssen: Inflation und Lieferengpässe machen auch vor dieser Branche keinen Halt.
Nick Burkhardt, ein Geschäftsführer der Firma Corthum, zeigt sortierten Rindenmulch. Für einen schönen Garten wird man künftig tiefer in die Tasche greifen müssen: Inflation und Lieferengpässe machen auch vor dieser Branche keinen Halt. Uli Deck/dpa

Wer einen eigenen Garten hat, war in den letzten Corona-Jahren oft beneidet. Der Run auf Kleingärten ist weiterhin ungebrochen. Und auch jetzt sind Selbstversorger, die Früchte aus dem eigenen Garten ernten können besser dran, weil sie lächeln können, wenn die Preise im Supermarkt steigen. Auch Urlaub ganz ohne Stress ist im Garten kein Problem. Hier steht keiner Schlange vor dem Abflug ins Vergnügen. Doch auch für das kleine Paradies ganz in der Nähe müssen Gärtner in Zukunft wohl tiefer in die Tasche greifen. Die Folgen des Ukraine-Kriegs machen sich bis ins heimische Staudenbeet bemerkbar.

Preise für Dünger und Blumenerde steigen

Zum einen steigen nicht nur für Landwirte die Preise für Düngemittel. Auch Privatgärtner bekommen die Teuerung zu spüren, wenn sie etwa  Tomaten und Rhododendron düngen wollen. Weil einige Bestandteile von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln vorrangig aus der Ukraine und Russland kommen, steigen die Preise deutlich, wie Anna Hackstein, Geschäftsführerin des Industrieverbands Garten, sagt.

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Was viele nicht wissen: auch in der Blumenerde wird Dünger beigemischt, dementsprechend wird auch diese teurer. Wohl dem, der einen eigenen Kompost hat und  seinen Humus selber produzieren kann.

Steigende Energiepreise im Garten

Zum zweiten sind auch im Garten die steigenden Energiepreise ein Thema:  So ist etwa die Verarbeitung von Holzfaserprodukten als Alternative zu Torf sehr energieintensiv. „Da war die Lage vorher schon angespannt, jetzt ist sie noch angespannter“, so Anna Hackstein.

Auch Blumenerde ist von Preissteigerungen betroffen.
Klose/dpa
Auch Blumenerde ist von Preissteigerungen betroffen.

Lieferketten aus Asien funktionieren nicht

Zudem beeinflussen unterbrochene oder eingeschränkte Lieferketten die Gartenbranche: Viele Unternehmen bezögen zumindest Teile für Möbel, Grills und andere Geräte aus Asien, sagt Hackstein. Manche produzierten komplett dort. „Die sind immens betroffen.“

Noch sind manche Anstiege moderat: Bei Corthum kostet der Kubikmeter Pflanzenerde 58 Euro netto ab Werk, 2 Euro mehr als vergangenes Jahr. Das Unternehmen aus Marxzell im Nordschwarzwald beliefert Garten- und Landschaftsbauer sowie Händler wie Gartencenter vor allem im Süddeutschland. Die Preislisten gelten eigentlich ein Jahr lang, wie Geschäftsführer Nick Burkhardt sagt. Zum ersten Mal hätten sie nun innerhalb des Jahres einzelne Preise angehoben. „Und nächstes Jahr müssen wir vielleicht etwas stärker anpassen.“

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Auch Burkhardt verweist auf den Dünger. „Der ist extrem teuer geworden“, sagt er. Organischer Dünger, den Corthum zu den Erden gibt, sei zeitweise überhaupt nicht lieferbar gewesen. Gestiegene Spritpreise wirken sich auf den Lkw-Fuhrpark aus. Und auch Folie für die Verpackung sei bis zu 40 Prozent teurer geworden, sagt Burkhardt.

Verbrauchen warten bei Investitionen eher ab

Der Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten spricht von einer wesentlich höheren Zahl an Preiserhöhungen. Auch spüre die Branche eine gewisse Zurückhaltung der Verbraucher - gerade im Vergleich zu den beiden Corona-Jahren, in denen viele ihren Garten auf Vordermann brachten und kräftig investierten. „Die haben uns die Bude eingerannt, wortwörtlich“, sagt Corthum-Geschäftsführer Burkhardt.

Allein die Bau- und Heimwerkermärkte in Deutschland erzielten im vergangenen Jahr einen Bruttoumsatz von mehr als 24 Milliarden Euro. Nach einem starken Anstieg im ersten Corona-Jahr war die Tendenz in vielen Segmenten 2021 allerdings eher rückläufig.

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„Jetzt scheinen die Menschen eher abzuwarten, wie sich die Lage entwickelt“, sagt Verbandssprecher Jörn Brüningholt. „Was kommt auf uns zu bei Heizkosten, beim Tanken, bei Lebensmitteln?“ Die Leute seien vorsichtiger geworden, ist sein Eindruck. „Im Augenblick hat keiner so richtig Lust zu investieren.“

Die Deutschen wollen Hochbeete

Allerdings seien Hochbeete nun sehr gefragt, sagt Brüningholt - durchaus auch hochwertige. Sie würden sogar auf Balkone gebaut, auf dass sich die Menschen mit Tomaten, Radieschen, Salat und Co. selbst versorgen. „Aber das rettet so ein Jahr nicht.“

Dennoch glaubt man in der Branche, dass der Garten weiter ein wichtiges Thema bei den Deutschen bleibt. Der Nutzgarten erlebe eine Renaissance, sagt Gardena-Sprecher Heribert Wettels. Anders als früher sei das auch bei 20-Jährigen ein riesiges Thema. „Selbst wenn es nur ein Balkon ist, auf dem sie was pflanzen.“ Deutschland habe sich auch noch nicht so sehr mit dem Thema Wasser und Wasserknappheit auseinandergesetzt. „Das kommt jetzt und es kommt schnell.“

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Allerdings ist der Gartenboom aus Sicht des Ulmer Unternehmens nicht nur der Corona-Pandemie zu verdanken. „Das Thema Garten ist seit Jahren Trend“, sagt Wettels. Erstmals knackte Gardena im vergangenen Jahr die Milliardenschwelle beim Umsatz. Damit habe sich dieser in den vergangenen sechs Jahren verdoppelt. Und im ersten Quartal 2022 betrage das Plus fünf Prozent. „Die Nachfrage ist ungebrochen.“

Im Hochbeet lassen sich Gemüse und Pflanzen wie Kapuzinerkresse ziehen.  Hochbeete sind voll im Trend.
Im Hochbeet lassen sich Gemüse und Pflanzen wie Kapuzinerkresse ziehen.  Hochbeete sind voll im Trend. Imago

Vom Garten als Zufluchtsort spricht Verbandssprecher Brüningholt. Hackstein wiederum verweist darauf, dass manche Menschen es gerade in Krisenzeiten zu Hause schön haben wollten. „Wir gönnen uns was, dazu gehören auch schöne Pflanzen.“ In den Corona-Lockdowns sei der Garten mehr oder weniger alternativlos gewesen, sagt sie - räumt aber ein, diesen Sommer würden sicher wieder mehr Menschen im Urlaub verreisen.

Auch Corthum-Geschäftsführer Burkhardt ist zuversichtlich, dass Erde und Rindenmulch weiter gekauft werden. „Die Landschaftsgärtner haben immer noch volle Bücher“, sagt er. Nur wegen der Corona-Krise und des Ukraine-Kriegs werde der Bau ja nicht eingestellt. Insbesondere wollten viele Städte den Klimaschutz vorantreiben und sich für die Zukunft anpassen - da seien neue Pflanzen ein wichtiges Thema.