Thomas Scully-Powers wird vorgeworfen, seinen Vater Dwight Powers ermordet zu haben. Foto: Suffolk Police Dept.

Es muss ein schockierender Anblick für seine rund 20 Chatpartner gewesen sein. Am Donnerstag sackte Dwight Powers (72) bei einem Videochat-Meeting der Anonymen Alkoholiker plötzlich vom Stuhl. Er war nicht mehr zu sehen. Seine besorgten Chat-Partner riefen die Polizei. Kurz darauf wurde Powers Sohn Thomas Scully-Powers wegen Mordverdachts festgenommen.

Dwight Powers saß vor seinem Computer im Ort Amityville in der Nähe von New York und unterhielt sich mit anderen aus seiner Gruppe der Anonymen Alkoholiker über die Videochat-Plattform Zoom, als er erstochen wurde. Das ergaben erste Ermittlungen der Polizei. Ob die Tat selbst auf dem Videochat zu erkennen war, ist nicht klar. Mehrere Chatpartner von Powers riefen aber die Polizei. „Sie haben alle das Richtige getan“, lobte Ermittler Kevin Beyrer von der örtlichen Polizei. „Sie waren alle besorgt um ihren Freund. Es war schrecklich, dass sie das miterleben mussten.“

Der Sohn bedeckte etwas mit einem Laken

Nachdem Powers, der seit 2011 Rentner war und in den 1960er und 1970er Jahren im US-Marine-Corps gedient hat, vom Stuhl gekippt war, konnten seine Chat-Partner laut der „Daily Mail“ sehen, wie ein nackter Mann ohne Haare die Laken von einem Bett herunterriss und sie auf dem Boden ausbreitete als würde er etwas abdecken wollen. Dieser Mann entpuppte sich später als Thomas Scully-Powers. Laut einem Chat-Partner hatte er offenbar erst dann bemerkt, dass sein Vater gerade in einem Zoom-Meeting gewesen ist, und bedeckte die Kamera des Computers ebenfalls.

Wie der US-Sender „ABC“ berichtet, dauerte es nach den ersten Notrufen rund 20 Minuten, bis die Polizei den Wohnort von Powers herausfand. Knapp eine Stunde nachdem der Veteran vom Stuhl sackte, klingelten Ermittler an seinem Haus. Wie die „Washington Post“ berichtet, habe sein Sohn Scully-Powers den Beamten zunächst die Tür geöffnet, sie aber sofort wieder zugeknallt und sei in die oberen Etagen des Hauses geflohen. Anschließend sei er aus einem Fenster im zweiten Stock gesprungen und floh.

Wenig später konnte er unweit des Hauses, in dem er zusammen mit seinem Vater wohnte, festgenommen werden. Auf ihn wartet eine Anklage wegen Mordes. Sein Motiv ist noch unklar. Laut US-Medien soll es aber keine Verbindung zur Coronavirus-Pandemie geben.