Nashorn-Baby Daisy und Zebra-Baby Modjadji trinken ihre Milch immer zusammen und werden von Petronel Nieuwoudt, Gründerin von „Care for Wild“, und Tierpfleger Blake Beukes gefüttert.
Nashorn-Baby Daisy und Zebra-Baby Modjadji trinken ihre Milch immer zusammen und werden von Petronel Nieuwoudt, Gründerin von „Care for Wild“, und Tierpfleger Blake Beukes gefüttert. Kristin Palitza/dpa

Mit ihrem weichen, breiten Maul und kantigen Kopf stupst Daisy einen großen rosa Ball durchs Gehege. Ein Mal, zwei Mal... doch bevor sie ihn ein drittes Mal anschieben kann, grätscht Modjadji dazwischen. Daisy und Modjadji sind ein Nashornjunges und ein kleines Zebra. Sie verbindet eine ungewöhnliche Freundschaft.

Wilderer töteten ihre Mutter 

Vergangenen Dezember wurde Nashorn-Baby Daisy allein und schwach im Krüger-Nationalpark im Nordosten Südafrikas gefunden. Es war nur wenige Stunden alt. Von seinem Bauch baumelte eine entzündete Nabelschnur. Was genau passiert ist, weiß niemand, doch die Pfleger glauben, Daisy sei zurückgelassen worden, nachdem Wilderer ihre Mutter getötet hatten. Als endlich Hilfe kam, war Daisy extrem schwach, konnte nicht einmal aufstehen. 

Ranger brachten das kleine Breitmaulnashorn zur nahe gelegenen Tierpflegeeinrichtung „Care for Wild“, die sich auf die Rettung von Nashörnern spezialisiert hat, aber auch andere verwaiste oder verletzte Tiere aufnimmt.

Das verwaiste Nashorn-Baby Daisy wird bei der Fütterung gleichzeitig gewogen. Das Tier ist elf Monate alt und wiegt 250 kg. 
Das verwaiste Nashorn-Baby Daisy wird bei der Fütterung gleichzeitig gewogen. Das Tier ist elf Monate alt und wiegt 250 kg.  Kristin Palitza/dpa

Daisy kämpfte etwa fünf Monate lang auf der Intensivstation um ihr Leben. Das Nashornjunge benötigte Plasmatransfusionen zur Stärkung des Immunsystems und Pflege rund um die Uhr. „Ihre Überlebenschancen waren extrem gering“, erzählt „Care for Wild“-Gründerin Petronel Nieuwoudt.

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Ein Team von Pflegern kümmerte sich um Daisys Wohlergehen, schlief abwechselnd vor der Tür der Intensivstation. „Viele Wochen haben wir sie stündlich gefüttert und medizinisch versorgt“, erinnert sich Nieuwoudt. „Sie war so schwach und in so einem schlechten Zustand, wir konnten sie nicht einen Moment aus den Augen lassen.“

Nashorn und Zebra kämpften um ihr Leben 

Allein hätte Daisy es wohl nicht geschafft – wäre da nicht Modjadji gewesen, ein ebenfalls verwaistes Zebrababy, das nur drei Wochen zuvor nach einem heftigen Sturm verstört und kaum atmend in einem Naturschutzgebiet gefunden wurde. Auch Modjadji kämpfte mit dem Tod. Sie benötigte eine Bluttransfusion von einem anderen Zebra.

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Die beiden Tierbabys mit ähnlichem Schicksal bauten schnell eine tiefe Verbindung auf. Auf ihrem mit Heu gepolsterten Schlafplatz in der Intensivstation schmiegten sie sich nachts eng aneinander.

Sie gaben sich Wärme und Sicherheit. Wenige Wochen später begannen Daisy und Modjadji, gemeinsam ihre Milch aus dem Fläschchen zu trinken, tollten auf dem Gelände herum und gingen auf gemeinsame Spaziergänge. Seither ist das ungewöhnliche Paar unzertrennlich.

„Care for Wild“ Mitarbeiterin Thulile Msithini bereitet die Milch für Nashorn-Baby Daisy und Zebra Modjadji zu.
„Care for Wild“ Mitarbeiterin Thulile Msithini bereitet die Milch für Nashorn-Baby Daisy und Zebra Modjadji zu. Kristin Palitza/dpa

Es ist eine Geschichte von Freundschaft, Hoffnung und Überleben trotz widriger Umstände. „Ich glaube, die beiden denken, sie sind Zwillinge. Nur dass die eine gestreifte Pyjamas trägt“, sagt Nieuwoudt lachend. Sind Daisy und Modjadji einmal getrennt, laufen sie unruhig auf und ab. Und wie echte Geschwister kabbelten sie sich auch mal, erzählt Tierpfleger Blake Beukes. Modjadji sei voller Energie und verspielt, während Daisy wie eine kleine Diva wirke.

Beide Tiere sollen ausgewildert werden 

Trotz der engen Bindung ist es eine Freundschaft auf Zeit. In ein paar Jahren wird „Care for Wild“ versuchen, Daisy und Modjadji auszuwildern. Dass beide Tiere zu ihren Artgenossen in die Wildnis zurückkehren und schließlich selbst Nachwuchs bekommen, das wäre der größte Erfolg, sagt Nieuwoudt.

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Bis dahin ist es allerdings noch ein Weg. Daisy, deren Gesundheit noch immer sehr fragil ist, muss noch für mindestens sechs Monate mit der Flasche gefüttert werden. Erst kürzlich hat das Team begonnen, das kleine Nashorn an feste Nahrung heranzuführen. Auch Modjadji ist zu jung, um allein für sich zu sorgen.

Nashorn-Baby Daisy und Zebra-Baby Modjadji auf ihrem täglichen Spaziergang durchs Gehege, hier mit der Gründerin von „Care for Wild“, Petronel Nieuwoudt. 
Nashorn-Baby Daisy und Zebra-Baby Modjadji auf ihrem täglichen Spaziergang durchs Gehege, hier mit der Gründerin von „Care for Wild“, Petronel Nieuwoudt.  Kristin Palitza/dpa

Dann ist da die Sache mit den Artgenossen. Das Gehege von Daisy und Modjadji grenzt an einen Bereich mit drei weiteren verwaisten Nashornjungen. Daisy kann sie hören und riechen. Manchmal nähert sie sich vorsichtig dem Zaun. Doch sobald die älteren Tiere auf sie zukommen, rennt Daisy schnell weg. „Es ist wie auf dem Schulhof“, sagt Nieuwoudt. „Sie ist neugierig, aber hat Angst vor den Großen.“

Trotzdem ist das „Care for Wild“-Team überzeugt, dass Daisy eines Tages wieder frei und wild in der Natur leben werde. Grund dafür ist wiederum ihre außergewöhnliche Freundschaft mit Modjadji. „Weil sie rund um die Uhr zusammen sind, können wir den menschlichen Kontakt durch die Pfleger begrenzt halten“, sagt Nieuwoudt. Über die kommenden Monate und Jahre soll er immer mehr reduziert werden. Bis Daisy eines Tages soweit ist, hinaus in die freie Wildnis zu laufen.