Das 9-Euro-Ticket beschert der Bahn ein starkes Aufkommen an Fahrgästen. Das sorgt auch für schwierige Situationen in den Zügen.
Das 9-Euro-Ticket beschert der Bahn ein starkes Aufkommen an Fahrgästen. Das sorgt auch für schwierige Situationen in den Zügen. imago/Arnulf Hettrich

Schon kurz nach der Einführung des 9-Euro-Tickets wurde klar: Millionen Menschen wollen die Option, zu einem unschlagbaren Preis mit der Bahn zu fahren, nutzen. Viele Züge waren schon im Juni überlastet, mussten teilweise sogar geräumt werden. Und dabei beginnen die Sommerferien in den einzelnen Bundesländern erst jetzt nach und nach. Auf Twitter macht jetzt ein Öffi-Mitarbeiter seinem Ärger Luft – und beschreibt, wie sehr und warum manche Fahrgäste nerven.

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Denn: Natürlich sind die Passagiere genervt davon, dass sie in hemmungslos überfüllten Zügen von A nach B kutschiert werden. Aber: Zu den Leidtragenden gehören auch die Mitarbeiter im Nahverkehr. Sie bekommen den Frust der Kunden zu spüren, obwohl sie selbst für die Situation absolut nichts können. Sie sind es, die mit den überfüllten Zügen umgehen müssen, die letztlich entscheiden sollen, wann ein Zug zu voll ist. Einer von ihnen packt nun auf Twitter aus.

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9-Euro-Ticket: Fahrgäste sind genervt, Personal muss es ausbaden

„Ich bin Kundenbetreuer im Nahverkehr und möchte mal etwas loswerden. Seit der Einführung des 9€ Tickets gibt es Fahrgäste die uns den Job sehr schwer machen“, schreibt er. „Als Erstes wären da die Leute, die entweder gar keine Maske aufhaben, sie immer wieder absetzen oder sich einen Spaß daraus machen uns zu ärgern. Leute es ist fast 3 Jahre Pflicht im ÖPNV, jetzt haltet euch endlich mal daran.“ Die Maskenpflicht sei keine Auslegungssache – wer keine Maske tragen wolle, solle sich bitte ein anderes Verkehrsmittel suchen.

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Doch es gibt auch noch andere Probleme mit einigen Fahrgästen. „Als Zweites wären die, die glauben, sie hätten ein Recht auf die erste Klasse. Dieses Recht haben sie aber nicht. Ihr Ticket ist ein Ticket der zweiten Klasse.“ Nur der Kundenbetreuer im Zug könne die erste Klasse freigeben – wenn die zweite überfüllt ist. Dann würden ältere Menschen und Schwangere bevorzugt.

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Punkt drei, über den der Öffi-Mitarbeiter seinem Ärger Luft macht: Fahrradfahrer! „Zumindest einige. Sie glauben sie hätten mit ihrem Ticket den Zug gekauft und könnten sich alles erlauben. Müssen sie draußen bleiben versuchen sie es entweder trotzdem, sprechen uns unsere Ausbildung und Fähigkeiten ab, blockieren Türen und werden aggressiv. Sie hören nicht das es im Zug keine Fahrradmitnahme mehr gibt und wollen sich dann beschweren.“

Ein Kunde zieht in einem Bus der VHH ein 9-Euro Ticket aus dem Fahrkartendrucker.
Ein Kunde zieht in einem Bus der VHH ein 9-Euro Ticket aus dem Fahrkartendrucker. dpa/Markus Scholz

Dabei könne die Fahrradmitnahme überhaupt nicht garantiert werden. „Es sind Personenzüge. Wenn diese voll sind haben wir besondere Sicherheitsregeln. Und da geht es gar nicht, das Notausgänge von Fahrrädern blockiert werden. Was wenn Panik ausbricht oder Leute rauswollen. Sie blockieren die Ausgänge und ziehen die Ausstiegszeiten in die Länge und somit bekommen andere Fahrgäste ihre Anschlüsse nicht oder verletzen sich.“

9-Euro-Ticket: Miteinander in den Zügen ist schwieriger geworden

Auch allgemein sei das Miteinander viel schwieriger geworden. „Fehler werden nicht zugegeben und auf die Kollegen oder andere geschoben. Kollegen werden angeschrien, beleidigt, bespuckt, geschlagen und getreten. Das nimmt immer mehr zu. Das ist ein schlechtes Zeichen.“

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Auch die Mitarbeiter im Nahverkehr wollen nur ihren Job machen – und versuchen, den Fahrgästen die Reise so angenehm wie möglich zu machen. „Sie geben Auskunft und sorgen für eure Sicherheit. Sie versuchen, ihr bestes zu geben, um euch nicht im Regen stehen zu lassen wenn es doch mal nicht klappt. Und so wird es ihnen gedankt?“ Wer meint, das gehöre zum Job, solle mal darüber nachdenken, ob er selbst so behandelt werden möchte.