Auf Twitter beschreibt eine Mutter, wie sie versuchte, eine Notfall-Behandlung beim Zahnarzt für ihr Kind zu bekommen. Der Beitrag zeigt unfassbare Zustände.
Auf Twitter beschreibt eine Mutter, wie sie versuchte, eine Notfall-Behandlung beim Zahnarzt für ihr Kind zu bekommen. Der Beitrag zeigt unfassbare Zustände. imago/Wavebreak Media Ltd

Es ist ein Problem, das wohl jeder kennt: Bei gesundheitlichen Schwierigkeiten ist es für alle, die nicht privat krankenversichert sind, eine riesige Herausforderung, einen Facharzttermin zu bekommen. Doch was eine Mutter jetzt bei der Suche nach einer Notfallbehandlung beim Zahnarzt erlebte, spottet jeder Beschreibung. Ihr Kind hatte offenbar eine Entzündung am Zahn, litt an schlimmen Schmerzen… doch kein Doktor wollte den Nachwuchs behandeln. Auf Twitter macht die Frau ihrem Ärger Luft – und bekommt viel Zuspruch.

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In einem langen Beitrag beschreibt sie, was sie und ihr Nachwuchs durchmachen mussten. „Am Sonntag bekam eins meiner Kinder ziemlich plötzlich ziemlich heftige Zahnschmerzen. Wir riefen die (kostenpflichtige) Hotline an, die die Zahnarztpraxis auf ihrem AB bekanntgab“, schreibt sie.

Die Suche nach einem Notfall-Termin wird zum Riesenproblem

„Nach Eingabe der Vorwahl oder PLZ, um Zuständigkeiten einzugrenzen, würde uns der diensthabende Notdienst mitgeteilt werden. Das Band sagte: ,Die zuständige Praxis befindet sich in...‘, nannte aber keinen Namen und keinen Ort. Es schwieg an dieser Stelle einige Sekunden und begann seinen Text von vorn.“

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Schon das klingt unfassbar, war aber nur der Auftakt zu einer wahren Tortur. Nach einer Recherche auf der Website der Kassenzahnärztlichen Vereinigung fand sie heraus, das such der zuständige Notdienst in rund 40 Kilometern Entfernung befindet. Doch Telefonate brachten nichts, die Praxis sei über Mittag nicht erreichbar gewesen, am Nachmittag war nur besetzt. „Wir erreichten niemanden. Das Kind bekam Ibu und wir alle eine unruhige Nacht.“

Am nächsten Morgen habe sie den eigenen Zahnarzt angerufen. „Zu den Zahnschmerzen hatte sich eine geschwollene Backe gesellt, alles sah nach einer Entzündung aus. Donnerstagmorgen könnten wir kommen. Mit Wartezeit. Ich schilderte erneut die Symptome, das Kind hatte zudem 38,2 Fieber. Ich sagte, wir müssen heute kommen. Das ginge auf keinen Fall.“ Daraufhin habe sie in anderen Praxen angerufen, sei aber überall abgewiesen wurden.

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Dann klappte es: Eine Praxis sagte zu, vor Ort folgten anderthalb Stunden Wartezeit. „Wir trafen auf einen empathischen ZA, der dem Kind schnell helfen wollte. Er rief für uns in der Zahnklinik an und organisierte, dass wir heute morgen kommen konnten. Wir trafen auf eine lange Anmeldeschlange. Und sehr viele Mitwartende, die sich im kleinen Gebäude und auf dem kleinen Vorplatz verteilten.“ Erneut vier Stunden Wartezeit. Das Kind nüchtern – aufgrund der geplanten Narkose. „Das Kind war um halb 2 am Ende seiner Kräfte und wartete immer noch (ängstlich) auf die Behandlung. Der Eingriff selber dauerte gut 5 Minuten.“

Patienten mit Zahnarztangst müssen stundenlang warten, kleine Kinder sitzen nüchtern ewig auf 5 Quadratmetern und verzweifeln fast vor Durst.

Twitter, @murmelschnecke

Das Team habe harte Arbeit geleistet, dabei meckernde Rentner ertragen müssen, nebenbei seien sogar Klos zu putzen und Bürokratie zu erledigen. „Keine Minute Stillstand. Ein Ameisenhaufen. Patienten mit Zahnarztangst müssen stundenlang warten, kleine Kinder sitzen nüchtern ewig auf 5 Quadratmetern und verzweifeln fast vor Durst. Es ist Sommer“, schreibt die Mutter.

Auch Deutschlands Notaufnahmen sind oft überfüllt.
Auch Deutschlands Notaufnahmen sind oft überfüllt. imago/brennweiteffm

„Ich wünsche mir, dass alle Verantwortlichen, der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und alle ,Finanzexperten‘ […] zukünftig als Kassenpatient in genau diesen, restlos überlasteten, völlig an den Bedürfnissen der Menschen vorbei gehenden Zentren behandelt werden. Ärzteschaft und Pflegepersonal, die unter desolaten Bedingungen nur das Nötigste leisten können. Das ist kein Einzelfall Das ist bittere Realität in weiten Teilen der Republik und man kann froh sein, wenn man ,nur‘ 30, 40 Kilometer Anfahrt hat und nicht gleich 100. Fachärzte sind Mangelware.“

„Medizinische Nutfallhilfe verkommt zum Luxusprodukt“

Die Beschwerden des Kindes hätten sich gebessert, doch die Zustände sind schockierend. „So möchte niemand arbeiten und so möchte niemand versorgt werden. Und ich hatte den Luxus, Telefongebühren zahlen zu können, ein Auto zur Anreise zu haben (quasi keine Erreichbarkeit mit Öffis), fast 10 Euro Parkgebühren zahlen zu können“, schreibt sie.

Ich bin dankbar, aber ich bin auch sehr wütend. Und ich wette, so geht es jeden Tag ziemlich vielen Menschen in diesem Land. ÄNDERT ENDLICH WAS. VERDAMMT NOCHMAL!

Twitter, @murmelschnecke

„Medizinische Notfallhilfe verkommt zum Luxusprodukt. Und die Politik schaut nicht nur zu. Sie unterstützt das. Befeuert es. Ich bin dankbar, aber ich bin auch sehr wütend. Und ich wette, so geht es jeden Tag ziemlich vielen Menschen in diesem Land. ÄNDERT ENDLICH WAS. VERDAMMT NOCHMAL!“

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Zahlreiche Menschen reagierten auf den Beitrag, beschrieben teilweise ähnliche Erlebnisse. „Augenärztlicher Notdienst für meine Tochter. Der nächste verfügbare Augenarzt war 65 Kilometer entfernt. 4 Stunden Wartezeit“, schreibt ein Nutzer. Auch der Gang in die Praxis sei oftmals keine Lösung mehr. „Die Praxen schicken immer wieder trotzdem weg - wenn die die Anweisung vom Doktor so bekommen haben“, heißt es in einem Kommentar.