Ghislaine Maxwell steht im Hintergrund: Sie soll Virginia Roberts und Prinz Andrew vorgestellt haben. Sie gilt als rechte Hand Jeffrey Epsteins. Foto:  Picture Alliance/Capital Pict

Im August 2019 nahm sich Jeffrey Epstein in seiner New Yorker Gefängniszelle das Leben und entzog sich so einem Prozess, in dem es um den jahrelangen Missbrauch minderjähriger Mädchen und den Aufbau eines Sexhandelsrings gehen sollte. Doch seither melden sich immer mehr Opfer Epsteins, die nicht wollen, dass ihre Geschichte vergessen wird und klagten auf Schadenersatz. Dabei belasten sie auch mutmaßliche Komplizen wie Prinz Andrew, den zweiten Sohn von Queen Elizabeth, oder Epsteins rechte Hand Ghislaine Maxwell. Doch die zeigen sich wenig kooperativ. Von Maxwell fehlt spätestens seit dem Freitod Epsteins zudem jede Spur - bis jetzt.

Ghislaine Maxwell auf einem Foto aus dem Jahr 2013. Am kleinen Finger ihrer linken Hand ist ihr goldener Siegelring zu erkennen. Foto: AFP/Laura Cavanaugh

Wie die britische Zeitung „The Sun“ berichtet, soll die 56-Jährige in diesem Jahr mehrfach in Paris gesehen worden sein. Unweit des Arc de Triomphe soll sie dabei beobachtet worden sein, wie sie ein luxuriöses Apartment verließ. Angeblich soll sie sich mit einer das Gesicht verhüllt haben, damit sie nicht erkannt werde. Ein goldener Siegelring an ihrer rechten Hand soll sie aber verraten haben, berichtet die „Sun“. 

Dennoch verkehrte die ehemalige rechte Hand von Epstein vor dem Corona-Lockdown offenbar in teuren Restaurants und Cafés. Und das, obwohl das FBI nach ihr sucht. Denn die US-Behörde will sie zu ihrer Rolle in dem Pädophilen-Ring Jeffrey Epsteins befragen. Schließlich wurde sie inzwischen von mehreren Opfern des Multimillionärs schwer belastet. 

Jeffrey Epstein (Mitte) bei einem Gerichtstermin. Im August 2019 nahm er sich im Gefängnis das Leben. Foto: Imago-Images/Zuma-Press

So habe sie etwa die damals 17 Jahre alte Virginia Roberts Prinz Andrew vorgestellt. Roberts, so sagte sie es in der neuen Doku „Jeffrey Epstein - Stinkreich“, sei zudem mit 15 Jahren von Maxwell angeworben worden. Maxwell sei es auch gewesen, die ihr beigebracht hatte, Epstein erotische Massagen zu geben - und schlussendlich dazu brachte, dreimal mit Andrew zu schlafen. Auf einem Bild, das Roberts, die damals noch Giuffre hieß, im Jahr 2001 mit Prinz Andrew zeigt, steht Maxwell zudem im Hintergrund.

Auch andere Epstein-Opfer berichten in der neuen Doku, dass sie von Maxwell nicht nur rekrutiert wurden, sondern, dass sich die rechte Hand Epsteins auch während der sexuellen Handlungen ebenfalls ausgezogen haben und den Mädchen die Hand gehalten haben soll. 

Ghislaine Maxwell begleitete Prinz Andrew im Jahr 2000 zu einer Hochzeit. Foto: dpa/Chris Ison

Nun scheint sie sich laut der „Sun“ in Frankreich in immer wechselnden Wohnungen von Freunden und Bekannten zu verstecken. Das Land ist dabei kein Zufall, denn Ghislaine Maxwell, die Tochter des 1991 verstorbenen Medienmoguls Robert Maxwell, wurde in Frankreich geboren und besitzt daher die französische Staatsbürgerschaft. Die schützt sie, so lange sie sich in diesem Land aufhält, vor einer Auslieferung in ein anderes Land - und dabei ist ganz egal, welches Verbrechens sie beschuldigt wird. Verurteilt werden könnte sie zwar dennoch - allerdings würde sie eine etwaige Strafe in einem französischen Knast absitzen.

Was genau an diesen Sichtungen dran ist, und wo sich Maxwell derzeit aufhält, ist nicht ganz sicher. Die „Sun“, die von den Sichtungen berichtet, bietet derweil eine Belohnung von 10.000 Pfund für denjenigen, der einen direkten Kontakt mit Maxwell herstellen kann. Und die Zeitung ist damit nicht allein. Auch das FBI und private Ermittler, die von den Epstein-Opfern bezahlt werden, suchen nach ihr.