Prinz Andrew soll eine Minderjährige missbraucht haben. Foto:  AFP/John Thys

Prinz Andrew gilt als enger Vertrauter des verstorbenen Sexualverbrechers Jeffrey Epstein. So eng, dass dem zweiten Sohn von Queen Elizabeth II. immer wieder vorgeworfen wird, selbst an den schmutzigen Machenschaften beteiligt gewesen zu sein. Doch für Epstein war es offenbar nicht nur Freundschaft. Er soll Informationen gesammelt haben, um den Prinzen zu erpressen.

Als Informantin soll dem Milliardär Virginia Giuffre gedient haben, wie aus Vernehmungsprotokollen der heute 36-Jährigen aus dem Jahr 2016 hervorgeht. Sie schildert darin nicht nur, dass sie als Jugendliche von Jeffrey Epstein dazu gezwungen wurde, mit ihm, seiner Vertrauten Ghislaine Maxwell und Prinz Andrew sexuelle Handlungen durchzuführen – sondern, dass Epstein sie auch aufgefordert hatte, Beweise für das illegale Treiben zu sammeln – damit er den britischen Royal erpressen konnte.

Der Sexualverbrecher Jeffrey Epstein zu Lebzeiten. Foto: Imago-Images/Hans Lucas

Giuffre: „Jeffrey hat mir gesagt, ich soll dem Prinzen alles geben, was er von mir verlangt und ihm dann genau über die Details des sexuellen Missbrauchs Bericht erstatten.“ Epstein habe Giuffre und andere junge Mädchen für Sex an mächtige Männer weitergegeben, „um sich damit bei ihnen einzuschmeicheln und sich private, geschäftliche und auch politische Vorteile zu verschaffen – notfalls auch durch Erpressung.“ Laut bislang noch nicht bestätigten Berichten soll Epstein auch die Männer beim Sex mit seinen „Sex-Sklavinnen“ heimlich aufgezeichnet haben.

Laut Giuffre sei es Maxwell gewesen, die “den sexuellen Missbrauch mit Prinz Andrew eingefädelt hat.“ Die Missbrauchshandlungen sollen unter anderem in Maxwells Haus in London und New York geschehen sein.

Das Bild, das Andrew schwer belastet: Der Prinz mit der 17-jährigen Virginia Giuffre. Im Hintergrund: Ghislaine Maxwell. Foto: picture alliance/Capital Pict

Prinz Andrew bestreitet vehement, jemals Sex mit der minderjährigen Virginia Giuffre gehabt zu haben. Doch das ist inzwischen nicht mehr der einzige Vorwurf gegen den Briten-Royal. Laut ebenfalls nun geöffneter Gerichtsdokumente einer Verleumdungsklage aus dem Jahr 2015 gegen Ghislaine Maxwell geht hervor, dass Andrew sich im Jahr 2008 bei der US-Justiz dafür eingesetzt haben soll, dass Epstein ohne Prozess und mit einer geringen Strafe davonkam, als er wegen der erzwungenen Prostitution einer Minderjährigen angeklagt war.

Doch nicht nur Prinz Andrew könnte tief in Epsteins Missbrauchs-Sumpf stecken, auch die Namen anderer Prominenter wie die von Bill Clinton oder Donald Trump tauchen immer wieder im Zusammenhang mit dem Milliardär auf. Die Vorwürfe sind längst nicht so konkret wie bei Andrew, aber sie sollen auf Partys von Epstein gewesen oder in seinem Privatjet – dem „Lolita Express“ – geflogen sein. Laut einer nun veröffentlichten eidesstattlichen Erklärung von Virginia Giuffre soll auch das deutsche Model Heidi Klum unter den Passagieren gewesen sein. Sie äußerte sich bislang nicht dazu.