Der mutmaßliche Terrorist wurde in Unterhose und T-Shirt abgeführt.
Der mutmaßliche Terrorist wurde in Unterhose und T-Shirt abgeführt. dpa/Karsten Wickern

Anti-Terror-Ermittler haben im Ruhrgebiet einen iranischen Staatsangehörigen festgenommen, der einen islamistischen Anschlag vorbereitet haben soll. Die Fahnder durchsuchten in der Nacht zum Sonntag die Wohnung des 32-Jährigen in Castrop-Rauxel. Der Mann sei verdächtig, sich für die Tat die Giftstoffe Cyanid und Rizin besorgt zu haben, teilten die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf, die Polizei Recklinghausen und die Polizei Münster am frühen Sonntagmorgen mit.

Terror-Verdacht: 32-Jähriger in Gewahrsam

Der 32-Jährige wurde den Angaben zufolge gemeinsam mit einem weiteren Mann in Gewahrsam genommen. Wie weit die Anschlagspläne fortgeschritten waren und ob es schon ein konkretes Anschlagsziel gab, blieb zunächst unklar. 

Wegen der biologisch-chemischen Gefahren für die Einsatzkräfte waren laut einem Bericht der „Bild“ auch Mitarbeiter des Robert Koch-Instituts (RKI) als Berater vor Ort. Auch mehrere Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes (BKA) und ein Entschärfer-Kommando seien im Einsatz gewesen. Das BKA wollte sich nicht zu dem Einsatz äußern und verwies auf die Generalstaatsanwaltschaft. Berichten zufolge soll der entscheidende Hinweis aus den USA gekommen sein.

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Ein weiterer Mann wurde festgenommen. Er wurde oberkörperfrei abgeführt.
Ein weiterer Mann wurde festgenommen. Er wurde oberkörperfrei abgeführt. dpa/WTVnews

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Das hochgiftige Rizin wird laut dem RKI in der Kriegswaffenliste unter „Biologische Waffen“ aufgeführt. Bereits im Jahr 2018 wurde ein Islamist in Köln verhaftet, da er zusammen mit seiner Ehefrau versuchte, mit Rizin eine Bombe zu bauen. Die Rizinus-Samen, die sie für die Herstellung benötigten, hatten sie einfach im Internet gekauft. Beide wurden zu langen Haftstrafen verurteilt.

Das im Fall von Castrop-Rauxel ebenfalls vermutete Cyanid ist auch hochgiftig, bereits kleinste Mengen wirken bei Menschen tödlich. Beide Stoffe wurden bei dem Einsatz in Castrop-Rauxel jedoch nicht gefunden. Ob es dem Verdächtigen überhaupt gelang, die Stoffe zu beschaffen, oder ob sie derzeit an einem anderen Ort gelagert werden, verriet die Polizei nicht. 

Terror-Verdacht: Zugriff um Mitternacht

Die Fahnder schlugen gegen Mitternacht zu. Der Einsatzort wurde weiträumig abgesperrt. Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte waren mit einem Großaufgebot vor Ort. Zahlreiche Einsatzkräfte trugen Schutzanzüge. Beweismittel wurden in blauen Fässern zu einer Dekontaminationsstelle gebracht, die bei der Feuerwehr eingerichtet war, wie ein dpa-Reporter berichtete.

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Neben der Polizei waren auch Feuerwehr und RKI am Einsatz beteiligt.
Neben der Polizei waren auch Feuerwehr und RKI am Einsatz beteiligt. dpa/Christoph Reichwein

„Der Beschuldigte ist verdächtig, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben“, teilten die Ermittler mit. „Die Durchsuchung dient der Auffindung entsprechender Giftstoffe und anderer Beweismittel.“ Der 32-Jährige und der zweite in Gewahrsam genommene Mann wurden in Unterhosen und T-Shirt beziehungsweise mit nur notdürftig übergeworfener Jacke über die Straße in ein Einsatzfahrzeug geführt, wie Augenzeugen berichteten. Keiner der beiden habe Widerstand geleistet. Laut einem Bericht des WDR soll es sich bei den beiden Männern um Brüder handeln.

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„Beweismittel wurden sichergestellt und werden ausgewertet“, schrieben die Ermittlungsbehörden. Ob der 32-Jährige einem Haftrichter vorgeführt werde, sei noch nicht entschieden. Das Verfahren wird bei der Zentralstelle Terrorismusverfolgung Nordrhein-Westfalen bei der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf geführt.

Nach Informationen der „Bild“ ermittelt das Bundeskriminalamt seit mehreren Tagen gegen den Iraner. Ein „befreundeter Geheimdienst“ solle die deutschen Sicherheitsbehörden über die Anschlagsgefahr mit einer chemischen Bombe gewarnt haben.