Technik, wohin man blickt, und das auf engstem Raum. Da muss man Ruhe  bewahren – und Ruhe in sich selbst spüren. Foto: dpa

Berlin/Paris/NewYork  - Wer kann sich besser zu einer Isolation, die wir alle jetzt irgendwie aushalten müssen, äußern, als Astronauten? Sie müssen während ihres Einsatzes die Not wirklich zur sprichwörtlichen Tugend machen und positiv denken.

Der Franzose Jean-François Clervoy verriet jetzt bei eine Videoschaltung der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), wie er sich die Zeit zuhause vertreibt. Mit seiner Frau wird er das Haus aufräumen. Für den deutschen Astronaut Alexander Gerst hängt in der jetzigen Situation viel von der Grundeinstellung ab: „Bei uns war es wichtig, dass wir immer was zu tun hatten, dass wir Projekte hatten.“

Astronaut Alexander Gerst: Bleiben Sie zuhause!

Man könne es als Chance sehen, eine ungekannte Situation wie die aktuelle zusammen zu überstehen – daraus könne man gewinnen. Gerst betonte in seinem Home Office, es gebe durchaus ein sehr wirkungsvolles Mittel, die Krankheit einzudämmen: zu Hause zu bleiben. Damit habe man ein Stück Kontrolle über die Situation.

Dies ist auch für Gersts britischen Kollegen Tim Peake sehr wichtig: Auf der ISS war sein Alltag zuerst komplett fremdbestimmt. Schlaf, Essen, Arbeit und Sport seien rigide durchgeplant gewesen. Doch mit der Zeit habe die Belegschaft im Außenposten der Menschheit die strikten Regeln aufgelockert und sich damit ein Stück Freiheit zurückgeholt. „Es ist sehr wichtig, dass Menschen fühlen, dass sie in der Lage sind, etwas kontrollieren zu können“, sagte der Brite, der 2013 auf der ISS war. Dies sei nun auch in der Coronavirus-Krise sehr wichtig.

Es ist sehr wichtig, dass Menschen fühlen, dass sie in der Lage sind, etwas kontrollieren zu können.

Astronaut Tomothy Peake, 2013 auf der ISS

Der ebenfalls zugeschaltete ehemalige ESA-Astronaut Thomas Reiter sagte, es sei auch wichtig, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die man verändern könne – und sich mit dem Unveränderlichen abzufinden. Er empfiehlt Routinen zu folgen und nicht nur einfach in den Tag hinein zu leben.  

Die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti rief dazu erinnerte daran, dass es einen großen Unterschied macht, ob man ein großes Haus hat oder eine kleine Wohnung. Die Menschen in engen Räumen stünden jetzt am meisten unter Stress.

ESA-Chef Jan Wörner schilderte, dass die Pandemie sogar aus dem All sichtbar ist: Zum Beispiel habe man die Schlangen vor den Coronavirus-Untersuchungsstellen und die Grenz-Staus gesehen.

Fußball-Akrobatik mit Klo-Rollen

Und nicht nur Astronauten geben Tipps für die Quarantäne-Zeit. Weltfußballer Lionel Messi hat einen Wettbewerb angestoßen. Wenn der Bolzplatz fehlt, muss man eben zuhause kicken. Am besten mit einer Klo-Rolle (wer hat die nicht?). Die Aufgabe: Wer hält die Rolle am längsten in der Luft? Kicken mit Klopapierrollen rangiert momentan bei den Corona-Scherzen im Internet ganz weit oben.