Diese vorgedruckten Kärtchen liegen in den Arztpraxen aus, die Patienten oder auch Eltern ihren Ärzten vorlegen sollen. Darauf steht „Bitte wiegt mich nicht, außer es ist wirklich medizinisch notwendig“. Twitter

Ein dickes Ding! In Amerika sollen Übergewichtige in Zukunft vor ihren eigenen Hausärzten geschützt werden. Oder besser gesagt: Vor deren Waagen.

Die Organisation „More-Love.org“ hat eine Kampagne gestartet, mit der sie den „Stress von Patienten vor dem Gewichts-Stigma“ abbauen wollen. Die von der Life-Trainerin Ginny Jones 2016 gestartete Online-Bewegung gibt deshalb vorgedruckte Kärtchen aus, die Patienten oder auch Eltern ihren Ärzten vorlegen sollen. Darauf steht „Bitte wiegt mich nicht, außer es ist wirklich medizinisch notwendig“. Auch Praxen können die Kärtchen im 100er-Pack für 32 Dollar bestellen und im Wartezimmer auslegen.

Stress von Patienten vor dem Gewichts-Stigma

Auf der Rückseite der Karte stehen die Gründe, warum es nicht immer notwendig ist, vor der Untersuchung auf die Waage zu steigen. Darunter: „Die meisten Krankheiten können kuriert werden, ohne dass mein Gewicht bekannt ist“ oder „Ich versuche trotz meine Gewichts-Status gesund zu leben.“ Weitere Kärtchen sind für Eltern und verlangen von Kinderärzten: „Wir wollen nicht, dass Sie ohne unsere vorherige Erlaubnis mit unserem Kind über sein Gewicht reden.“

Der Tenor der Aktion auf Social Media ist gemischt. Einige hoben lobend hervor, dass Menschen mit Essstörungen so weniger Angst vor der Untersuchung haben könnten. Die Mehrzahl der Kommentatoren kritisierte die Aktion. Einer schrieb: „Wenn dir selbst der Arzt nicht mehr die Wahrheit sagen darf, wer denn dann?“ und „Nichts gegen ein positives Körperimage, aber Übergewicht erhöht nun mal das Risiko auf einen vorzeitigen Tod!“ Eine andere Kommentatorin schimpfte üner die Aktion: „Das ist typisch für unsere heutige übersensible Gesellschaft, wo Menschen die Fakten und Wahrheiten nicht mehr ertragen können.“

Die Ernährungsberaterin Alex Light, die einen „Anti-Diät-Kultur Blog“ führt, schimpft über alle Kritiker der „Wieg mich nicht!“-Karten: „Diese Leute kennen keine Empathie. Nur weil man übergewichtig ist, heißt das noch lange nicht, dass man schlechte Entscheidungen im Leben trifft oder keine Selbstdisziplin hat. Oft hat es auch mit sozioökonomischen Status zu tun!“