Elf Jahre nach dem verheerenden Beben in der Hauptstadt Port-au-Prince mit rund 222 000 Toten wurde der Karibiksaat erneut schwer erschüttert. Joseph Odelyn

Die Nachricht hört sich an wie ein grausames Déjà-vu! Vor elfeinhalb Jahren sorgte ein schweres Erdbeben in Haiti für eine der größten humanitären Katastrophen in diesem Jahrhundert. Nun bebte in dem armen Karibik-Staat erneut die Erde. Die US-Behörde USGS gab die Stärke mit 7,2 an. Zwischenzeitlich ging eine Tsunamiwarnung heraus, die aber inzwischen wieder zurückgenommen wurde.

Haiti: Erdbeben-Zentrum rund 12 Kilometer von Saint-Louis-du-Sud entfernt

Das Beben hat sich offiziellen Angaben nach rund zwölf Kilometer von der Gemeinde Saint-Louis-du-Sud in einer Tiefe von rund zehn Kilometern ereignet. Die dicht besiedelte Hauptstadt Port-au-Prince liegt ungefähr 160 Kilometer vom Zentrum des Bebens entfernt.

 Berichten zufolge sollen durch das Beben zahlreiche Wohnhäuser, Schulen und Kirchen zerstört worden sein. Das genaue Ausmaß der Zerstörung war zunächst jedoch nicht abzusehen. 

Mehr als 700 Menschen kamen ums Leben. Bislang seien 724 Leichen geborgen worden, teilte die Katastrophenschutzbehörde am Sonntag mit. Hunderte weitere Menschen werden noch vermisst, mehr als 2800 Menschen wurden verletzt. Unter den Toten befand sich auch der ehemalige Senator Jean Gabriel Fortuné, der laut Gazette Haiti in der Stadt Cayes unter den Trümmern seines Hotels begraben wurde.

Auf Videos, die im Netz kursieren sind Straßen voller Trümmer zu sehen. In den Straßen legt sich noch der Staub der Zerstörung. Mehrere Journalisten veröffentlichten zudem Fotos, die die aktuelle Situation in Haiti zeigen sollen. Auf ihnen sind zerstörte Häuser und ratlose Menschen zu sehen.

Die anfänglich geltende Tsunami-Warnung haben die Behörden inzwischen wieder aufgehoben. Der Nationale Wetterdienst der USA (NOAA) riet den Menschen am Samstag aber, weiterhin vorsichtig zu bleiben. In den Küstengebieten in der Nähe des Erdbebens könnte es weiterhin geringfügige Schwankungen des Meeresspiegels von bis zu 30 Zentimetern geben, hieß es.

Erdbeben von 2010 forderte in Haiti mehr als 220.000 Menschenleben

Haiti war im Jahr 2010 von einem schweren Erdbeben nahezu verwüstet worden. Im Zentrum des Erdbebens mit einer Stärke von 7,3 lag damals Haitis dicht besiedelte Hauptstadt Port-au-Prince. Durch das Beben starben rund 222.000 Menschen, mehr als 300.000 wurden verletzt. Mehr als eine Million Menschen verloren ihr Zuhause.

Die Schäden durch das Beben wurden auf 8 Milliarden US-Dollar (6,2 Milliarden Euro) geschätzt. Der Wiederaufbau kam auch durch die politische Instabilität nur schleppend in Gang - auch weil immer wieder neue Erdbeben den Staat heimsuchten. So stark wie dieses war jedoch lange keines mehr.

Und auch politisch kommt das Land nicht zur Ruhe. Im Juli war Haitis Präsident Jovenel Moïse ermordet worden. Er wurde in seiner Residenz von einer schwer bewaffneten Kommandotruppe überfallen und erschossen worden.

Und nun droht dem Karibikstaat noch weiteres Ungemach. Der Tropensturm „Grace“ könnte Anfang kommender Woche auf die Region treffen, wie das Nationale Hurrikan-Zentrum der USA mitteilt. Erwartet werden heftige Winde und starker Regen in Haiti. Bisher warnen die Behörden vor tropischen Sturmbedingungen unter anderem für die Dominikanische Republik und Puerto Rico.

Heftige Regenfälle und Wind könnten die Situation in dem vom Erdbeben betroffenen Gebiet noch verschlimmern. Beschädigte Häuser könnten endgültig einstürzen. Außerdem würden derartige Wetterbedingungen die Rettungsmaßnahmen massiv behindern.