Ein Kinderarzt impft ein 7-jähriges Mädchen gegen das Coronavirus. Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Die Aussage von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bezüglich der neuen Coronavirus-Variante Omikron hat viele Familien alarmiert. Demnach ist die Omikron-Variante für Kinder gefährlicher als bisherige Mutationen. „Nach allem, was wir bislang wissen, befällt die neue Omikron-Variante Kinder sehr viel stärker als die bisherigen Varianten“, sagte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) dem Spiegel. „Die Kinder infizieren sich häufiger und sie erkranken auch schwerer.“ Deshalb werde auch die Kinderimpfung wichtiger – zumindest spreche viel für eine Impfung von Kindern, so Lauterbach. „Für Kinder ist die Erkrankung die Gefahr, nicht die Impfung“, sagte er. Nebenwirkungen seien extrem rar.

Intensivmediziner warnt vor Anstieg der Infektionszahlen

Angesichts der drohenden Ausbreitung der Omikron-Variante erwarten Intensivmediziner eine Zunahme von Covid-19-Erkrankungen bei Kindern. „Die Zahl der infizierten Personen und damit auch der infizierten Kinder wird dramatisch ansteigen“, sagte Florian Hoffmann, Kinder-Intensivmediziner und Generalsekretär der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstagsausgaben). Infektiologen sprachen sich für kürzere Zeitabstände zwischen Zweit- und Drittimpfung aus.

Derzeit lasse sich zwar noch nicht sagen, ob Omikron auch häufiger zu schwereren Krankheitsverläufen führe, erklärte Hoffmann. Doch selbst bei milderen Verläufen könne allein die hohe Anzahl an Infizierten dazu führen, dass in absoluten Zahlen mehr Kinder ins Krankenhaus müssten als jetzt. „Wir müssen also in jedem Fall damit rechnen, dass durch Omikron mehr Kinder erkranken“, sagte der Divi-Generalsekretär.

Aus Sicht des Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger, ist eine schnelle Booster-Impfung eine der wichtigsten und wirksamsten Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung von Omikron. „Um das rasch zu erreichen, muss man auch an eine mögliche Verkürzung des Abstands zur zweiten Dosis denken“, sagte Salzberger den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Warnung vor Omikron: keine vorschnellen Schlussfolgerungen

Virologe Klaus Stöhr widersprach in der Berliner Zeitung: Noch gebe es „keine Erkenntnisse, die auch nur annähernd den Schluss zulassen, Kinder wären von schweren Verläufen bei Omikron betroffen.“ Auch der Virologe Hendrik Streeck warnt vor Spekulationen rund um die neue Corona-Variante Omikron: „Es gibt stündlich neue Daten und wir würden alle gut daran tun, nicht zu spekulieren und den Teufel gar an die Wand zu malen. Wir wissen gesichert, dass Omikron mehr Mutationen vor allem im Spike hat als Delta – aber noch nicht, was dies genau bedeutet. Es gibt erste Berichte aus den Laboren, die zeigen, dass die Immunantworten, die nach den Impfungen gemacht werden, weniger gut funktionieren. Es gibt aber auch Berichte, dass die Infektionen mit Omikron milder verlaufen“, erklärt Streeck dem Münchner Merkur.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Corona-Auffrischungsimpfung im Regelfall sechs Monate nach Abschluss der Grundimmunisierung, im Einzelfall nach fünf Monaten.

Omikron-Variante in Südafrika: Zunehmende Infektion von Kindern

In Südafrika beobachten Wissenschaftler eine zunehmende Infektion von jungen Kindern. „Es gibt eine Zunahme bei Krankenhauseinlieferungen von Kindern der Altersgruppe bis fünf Jahre“, sagte die Wissenschaftlerin Michelle Groome vom Nationalen Institut für übertragbare Krankheiten NICD. Das unterscheide die in Südafrika beginnende vierte Infektionswelle von früheren derartigen Phasen.

Allein im Großraum um die Hauptstadt Pretoria (Tshwane-Metropole) habe es in den vergangenen zwei Wochen rund 100 Hospitalisierungen junger Kinder gegeben. Nach der Altersgruppe der über 60-Jährigen stellten junge Kinder dort nun die zweitgrößte Gruppe. „Wir haben einen Anstieg der Krankenhauseinlieferungen bei unter Fünfjährigen beobachtet“, bestätigte auch Ramphelane Morewane vom südafrikanischen Gesundheitsministerium. Bei all diesen jungen Patienten seien die Eltern nicht geimpft gewesen, sagte die NICD-Medizinerin Waasila Jassat. Sie schloss nicht aus, dass Kleinkinder nun für das Virus empfänglicher seien als zuvor.