Bis zu 20 Meter hoch wächst der Baum Socratea exorrhiza.
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Bis zu 20 Meter hoch wächst der Baum Socratea exorrhiza.

Erinnern Sie sich an die Ents, baumartige Wesen aus der Saga „Der Herr der Ringe“? Der Autor J.R.R. Tolkien hat den Fantasiewesen aus Mittelerde Beine, Arme, Gesicht, Zehen und Finger angedichtet. Dennoch sehen sie den Bäumen zum Verwechseln ähnlich. Daneben gibt es in Tolkiens Fantasiewelt noch die Huorns. Im Gegensatz zu den Ents können diese sich sogar von der Stelle bewegen, wenn ihnen danach ist – vor allem aber, wenn sie wütend sind.

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Die Wurzeln des laufenden Baumes Socratea exorrhiza
Die Wurzeln des laufenden Baumes Socratea exorrhiza imago/Krystyna Szuleck

Neurobiologe behauptet: „Pflanzen können sehen, hören, fühlen“

Bäume, die sich von der Stelle bewegen, diese Idee klingt ziemlich abgefahren. Dabei sind die Buchläden voll von Werken, in denen Bäumen Charakter, Wesen, Bewusstsein, Gefühle und Empfindsamkeit mehr oder weniger angedichtet werden. Ein Pflanzen-Neurobiologe behauptete vor einiger Zeit sogar: „Pflanzen können sehen, hören, fühlen“ – eine Auffassung, die ihm reichlich Gegenwind aus der Wissenschaft einbrachte. Aber laufen? Das ist eine Fähigkeit, die man Tieren zuschreibt, aber Pflanzen eher nicht, und Bäumen schon überhaupt nicht.

Es gibt jedoch zumindest eine Baumart, die unsere Vorstellung von diesem Gewächs fundamental infrage stellt. Socratea exorrhiza ist ein Baum, der sich offenbar tatsächlich fortbewegen kann. „Laufen“ wäre bei einer Geschwindigkeit von zwei bis drei Zentimetern pro Tag vielleicht etwas übertrieben, aber Forscher haben beobachtet, dass sich diese Bäume im Jahr bis zu 20 Meter von der Stelle bewegt haben!

Biologe stellt fest, dass sich Bäume auf ihren Stelzenwurzeln fortbewegen

Wie ist das möglich? Socratea exorrhiza wachsen in entlegenen Gegenden Ecuadors in Südamerika. Sie gehören zu den Palmengewächsen, werden bis zu 20 Meter hoch. Ins Auge fallen ihre bis zu zwei Meter hohen Stelzwurzeln. Bereits 1980 hat der Forscher John H. Bodley behauptet, diese Bäume könnten laufen. Nun haben Biologen wie der slowakische Wissenschaftler Peter Vrsansky diese Behauptung überprüft – und siehe da, tatsächlich hatten seiner Beobachtung nach mehrere untersuchte Bäume ihren Standort verändert. Vrsansky erklärt das folgendermaßen: Die Bäume nehmen offenbar wahr, dass an eine Stelle beispielsweise mehr Sonnenlicht dringt. Die Bäume bilden neue Stelzenwurzeln auf, auf denen sich der Baum dann Zentimeter um Zentimeter der Stelle nähert, die bessere Wachstumsbedingungen bereithält. Dieser Prozess könne Jahre andauern.

Andere Forscher zweifeln diese Beobachtungen allerdings an. Eine andere Theorie fußt darauf, dass der Baum nicht mit dem Stamm in den Boden ragt, sondern einem Wischmopp ähnlich Wurzelstränge ausbildet, die breit gefächert in den Boden ragen. Wenn einer oder mehrere der äußeren Wurzelstränge im Laufe der Zeit absterben, stützt sich der Baum auf die verbliebenen. Dadurch ergibt sich die Illusion, der Baum hätte sich von der Stelle bewegt.