Katastrophale Bedingungen in den Skigebieten der Mittelgebirge wie hier im Taunus.
Katastrophale Bedingungen in den Skigebieten der Mittelgebirge wie hier im Taunus. imago/Eifert

Nach der Rekordwärme des abgelaufenen Jahres bahnt sich ein neuer trauriger Trend ab. Die Entwicklung scheint paradox: Denn im Osten staut sich gerade eine massive Kältewelle an. Doch wird die sprichwörtliche Sibirien-Peitsche auch bei uns zuschlagen? Wetterexperte Dominik Jung vom Portal wetter.net blickt weit voraus bis in den Februar und sieht einen klaren Trend, in welche Richtung sich der Winter entwickeln wird.

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Ein massives Tiefdruckgebiet liegt über Deutschland, bestimmt zwischen West- und Osteuropa das derzeitige, wechselhafte und für die Jahreszeit zu milde Wetter. Doch der Osten Europas wird gerade von einer massiven Kaltluftwelle überflutet, die dort für krasse Bibbertemperaturen sorgt. Beispiel Moskau: „Dort stürzen die Temperaturen nachts auf -30 Grad Celsius ab. Selbst am Tag wird es dort dann kaum mehr als -20 Grad Celsius geben“, prognostiziert Diplom-Meteorologe Dominik Jung. Strömt diese eisige Luft dann auch zu uns?

Wetter-Trend: Bis 20. Januar bleiben die Temperaturen zu hoch, was kommt dann?

Der Wetterexperte legt sich fest: „Ob danach etwas kommen wird, ist mehr als fraglich.“ Wer darauf gesetzt hatte, sich in den ersten Tagen des neuen Jahres auf den Skiloipen der Mittelgebirge auszutoben, braucht die Ski nicht einmal auspacken: Bis in hohe Lagen hinein ist fast der ganze Schnee weggeschmolzen. Aber vielleicht kommt der Winter im Laufe des Januars zurück, vielleicht pünktlich zu den Winterferien, die in Berlin am Ende des Monats starten? Wetterexperte Jung schaut auf Langfristvorhersagen und zeigt sich skeptisch.

Denn was wir gerade in Berlin und anderen Regionen Deutschlands erleben, ist „fast schon ein Frühlingserwachen“, so Jung. Die Natur verhalte sich so, als sei der Winter schon vorbei: „Morgens zwitschern sogar schon die Vögel, die ersten Frühblüher sind da, erste Haselpollen schwirren umher und die ersten Knospen treiben an Bäumen und Sträuchern schon aus.“ Viele Tiere sind, völlig verfrüht, bereits aus dem Winterschlaf erwacht. Für eine totale Absage des Winters sei es zwar zu früh, „allerdings sind Schnee und Dauerfrost bis zum 20. Januar erst mal nicht in Sicht“. Ob danach etwas kommen wird, sei mehr als fraglich. „Aktuell deutet nichts auf massive Kälte in Deutschland hin“, bringt es der Wetterexperte auf den Punkt.

Was sich für Winterfreunde wie eine Katastrophe anhört, ist für Verbraucher und Unternehmen allerdings eine Glücksnachricht: Unsere Gasressourcen werden locker reichen, für weitere massive Preiserhöhungen fehlt somit die Geschäftsgrundlage. 

Winter 2022/23 auf Rekordkurs: Temperatur-Trend komplett gedreht

Für Dominik Jung ist die Entwicklung auch nicht wirklich überraschend, denn seit Sommer hatte genau dies der US-Wetterdienst NOAA angekündigt: Der Winter 2022/23 könnte rekordwarm ausfallen, in den Top 5 der wärmsten Winter seit 1881 landen. „Nach dem dann doch sehr kalten Auftakt des Winters im Dezember wurden daran zunächst Zweifel laut. Doch nun ist die Wetterlage komplett auf mild gekippt.“ Selbst der zunächst knackig kalte Dezember 2022 sei am Ende doch noch „zu warm“ ausgefallen. „Die vergangenen Tage brachten bereits Rekordhöchstwerte. Es war an Silvester und Neujahr so warm wie nie zuvor seit Messbeginn in Deutschland. Regional wurden rund 200 Jahre alte Rekorde gebrochen.“ Auch die nächsten Tage bringen keine Trendwende: In den Niederungen in Deutschland ist von Winterwetter nichts zu sehen.

„Nächste Woche kommt sogar ein neuer Wärmeberg, dann sind wieder Höchstwerte bis zu 15 Grad möglich“, zerstreut Jung sämtliche Zweifel. Nur in den Hochlagen der Mittelgebirge und der Alpen könne es etwas Schnee geben. „Aber selbst dort sieht es für Wintersport weiterhin katastrophal aus. So wenig Schnee lag in den Alpen Anfang Januar selten.“

Heftig! Der Januar 2023 soll in Deutschland 3 Grad wärmer als das neue Klimamittel der Jahre 1991 bis 2020 ausfallen. Das selbst war ja schon ein sehr warmer Zeitraum gewesen und da sollen wir nochmal um 3 Grad darüber landen. Fazit: Der Januar 2023 könnte in Deutschland rekordwarm ausfallen!
Grafik: NOAA
Heftig! Der Januar 2023 soll in Deutschland 3 Grad wärmer als das neue Klimamittel der Jahre 1991 bis 2020 ausfallen. Das selbst war ja schon ein sehr warmer Zeitraum gewesen und da sollen wir nochmal um 3 Grad darüber landen. Fazit: Der Januar 2023 könnte in Deutschland rekordwarm ausfallen!

Wetter-Aussichten: So geht es in den kommenden Tagen weiter

Donnerstag: 8 bis 13 Grad, teils Regen, teils Sonnenschein, der Wind lässt nach.

Freitag: 8 bis 13 Grad, zeitweise windig und neuer Regen.

Samstag: 7 bis 12 Grad, besonders im Süden recht nett mit Sonnenschein.

Sonntag: 7 bis 12 Grad, Mix aus Sonne und Wolken, lokal kurze Schauer, abends sehr windig.

Montag: 5 bis 10 Grad, stürmisch, viele Wolken, ab und zu Regen.

Dienstag: 5 bis 10 Grad, wechselhaft und windig mit Schauern.

Mittwoch: 9 bis 15 Grad, Mix aus Sonne und Wolken, einzelne Schauer.

Donnerstag: 8 bis 13 Grad, weiterhin sehr mild, teils Wolken, teils Sonnenschein.

Freitag: 6 bis 10 Grad, Mix aus Sonne und Wolken, weiterhin recht mild und kein Winterwetter in Sicht.