Gut eincremen und Kopfbedeckung aufsetzen: Bei bis zu 40 Grad im Schatten drohen Hitzschlag und Sonnenbrand! dpa

Seit Tagen ächzen Urlauber und Einheimische in Spanien und Portugal unter extremen Temperaturen: Bis zu 45 Grad erreicht die Quecksilbersäule des Thermometers dort. Doch nun passiert, was Meteorologen befürchtet hatten: Die Hitzekuppel schwappt hinüber zu uns nach Deutschland und erreicht sogar den Osten, also auch Berlin. Was uns jetzt bevorsteht, erklärt Wetterexperte Dominik Jung.

Der Diplommeteorologe von wetter.net hält die Entwicklung so früh im Jahr für sehr ungewöhnlich. Denn noch befinden wir uns kalendarisch im Frühling: „Eigentlich betragen die Höchstwerte in Deutschland Mitte Juni um 24 bis 28 Grad. Wir erwarten allerdings 34 bis 38 oder gar bis zu 40 Grad.“ Zu Abweichungen vom langjährigen Temperaturmittel kommt es immer wieder mal, aber nun liegen wir sage und schreibe zehn Grad über den Werten, die zu dieser Jahreszeit eigentlich zu erwarten wären! „Zur Erinnerung: 40 Grad hat es in Deutschland in einem Juni bisher noch nie gegeben“, ordnet Dominik Jung den zu erwartenden Temperaturrekord ein.

Nach dem Wochenend-Hitzeschwall rollt eine neue Hitzewelle auf Berlin und Brandenburg zu

Allerdings erfasst uns der Hitzeschwall nur relativ kurz: Bereits Anfang kommender Woche wird sich die Lage wieder entspannen. Doch danach erwartet Wetterexperte Jung, dass es besonders in der Mitte und im Süden von Deutschland hochsommerlich warm bis heiß weitergehen wird. Auch für Berlin und Brandenburg sind Hitzespitzen im Laufe der Woche von 30 Grad und mehr nicht ausgeschlossen.

Der Deutsche Wetterdienst sagt für Sonntag in Brandenburg und Berlin örtlich begrenzt Schauer, Gewitter und Starkregen sowie Sturmböen vorher, „unwetterartige Entwicklungen nicht ausgeschlossen“, heißt es in der Vorhersage. Doch eine wirkliche Abkühlung erwartet Wetterexperte Jung nicht, und auch der dringend benötigte Regen wird wohl vielerorts ausbleiben. „Damit würde sich die Dürre in einigen Landesteilen weiter verstärken“, warnt Jung.

„Nur hier und da bilden sich mal Gewitter oder Schauer, sonst bleibt es meist komplett trocken. Es fehlt offenbar die große Gewitteraktivität, die man vielleicht bei so einer Wetterlage erwartet hätte.“ Ergiebiger Landregen sei nicht in Sicht, die Lage bleibe angespannt: „Erste Berichte sprechen bereits vom fünften Dürresommer in Folge.“ Das gelte besonders für den Osten Deutschlands, also auch für den Raum Brandenburg und Berlin. „Dort ist es jetzt schon fast so trocken wie im Dürrejahr 2018.“

Ist die Extremhitze erst der Anfang eines brutalen Hitzesommers in Deutschland?

Aus Frankreich und Spanien, berichtet Jung, werden ebenfalls schon erste Waldbrände gemeldet: Frankreich hatte in den vergangenen Tagen Rekordwerte für den Juni gemessen. Und nun schwappt diese extreme Hitze nach Deutschland. Ist dies erst der Anfang, der Auftakt zu einem extremen Hitzesommer in Europa? Jung will derartige Ängste nicht befeuern: „Das kann man aktuell nicht sagen, aber es fällt auf, dass der Zustrom afrikanischer Heißluft aus der Sahara in den kommenden zehn bis 14 Tagen immer wieder für Europa berechnet wird. Das wird spannend.“

Dominik Jung rät dazu, die Hitze ernst zu nehmen, also viel zu trinken und sich vor den extremen Temperaturen zu schützen. „Weltweit sterben die meisten Menschen aufgrund von Hitze, das ist auch in Deutschland so. Deutlich weniger Menschen sterben an anderen Wetterphänomen wie Gewittern oder Stürmen.“ Auch die Sonnenbrandgefahr ist erheblich: Also gut eincremen, auch eine Kopfbedenkung gegen Hitzschlag ist sehr sinnvoll, rät Jung.