Ein umgestürzter LKW vor einer verwüsteten Kirche im tschechischen Dorf Moravska Nova Ves im Süden Tschechiens. (/CTK via AP) dpa/Vaclav Salek

Seit Tagen wurde auch in Teilen Deutschlands vor Tornados gewarnt, in Belgien und Frankreich hatten sie bereits schwere Schäden verursacht. Nun erreichen uns die apokalyptischen Bilder und Nachrichten aus Tschechien, wenige Hundert Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Mindestens drei Tote und mindestens 200 Verletzte sind offiziell bestätigt. Sieben Dörfer in der südtschechischen Region Südmähren sind so gut wie verwüstet. Häuser sind unbewohnbar, Dächer abgedeckt, Stromleitungen niedergerissen, LKW sind umgestürzt und Autos wurden umhergeschleudert, als seien sie aus Pappe.

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Verwüstete Häuser zeugen von der Zerstörungskraft des Tornados im südtschechischen Dorf Moravska Nova Ves.

Die Zahl der Opfer könnte noch steigen: Unter den Trümmern werden Verschüttete vermutet. Hunderte Feuerwehrleute gingen in den zerstörten Gemeinden von Haus zu Haus. Auch Spürhunde halfen bei der Suche. Aus anderen Teilen des Landes machte sich weitere Verstärkung auf den Weg. Die Armee schickte Soldaten mit schwerer Technik. Der stellvertretende Bürgermeister der stark betroffenen Gemeinde Hrusky, Marek Babisz, berichtete, dass der halbe Ort dem Erdboden gleichgemacht worden sei. „Geblieben sind nur die Mauern, ohne Dach, ohne Fenster“, sagte er der Agentur CTK. Die Menschen hätten sich vor dem Unwetter nicht schützen können. „Hier herrscht großes Chaos, große Panik“, sagte ein Augenzeuge in Luzice dem Fernsehen.

Gluthitze mit bis zu 45 Grad auf dem Weg nach Deutschland

Wetterextreme auch bei uns: Zwar beruhigt sich gerade die Lage nach den schweren Unwettern in Süddeutschland vorübergehend. Doch nun scheint sich zu wiederholen, was wir vor einer Woche in Deutschland erlebten: Die Sahara-Luft kehrt zurück! Am Freitag hatte die bis zu 45 Grad heiße Luft bereits Sizilien geflutet. Die Frage ist, ob sie es auch wieder zu uns schaffen wird? Wetterexperte Dominik Jung (wetter.net) bejaht: „Teile der heißen Luftmassen erreichen uns am Wochenende. Dann wird es wieder verbreitet 30 Grad und mehr geben, im Osten sind auch bis zu 35 Grad möglich.“ Doch es wird nicht bei der Hitze bleiben: „Ab Sonntagabend drohen aus Westen zusammen mit einer Kaltfront neue Unwetter.“

So ein Tornado wie gestern Abend in Tschechien kann auch jederzeit uns in Deutschland treffen.“

Diplom-Meteorologe Dominik Jung

Das große Schwitzen geht also schon wieder los. In Berlin erleben wir ein durchweg sonniges Wochenende mit Spitzenwerten nahe der 30-Grad-Marke am Sonntag. Montag sind sogar bis zu 32 Grad drin. Ganz anders die Lage im Westen Deutschlands: „Dort greift schon ab Sonntagabend wieder die Kaltluft an und stößt auf die heißen Luftmassen“, erklärt Wetterexperte Jung. Die Folge: wieder heftige Unwetter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen. Bis zum Dienstag wird die Unwetterlage noch andauern. „Der Tropensommer mit Sturzfluten geht in die nächste Runde“, bringt es Dominik Jung auf den Punkt. Ruhiges und beständiges Sommerwetter: Fehlanzeige!

Die Wetterlage bleibt angespannt, der Wetterexperte rechnet nach der Hitze mit den nächsten Unwettern. Das Schadenpotenzial bleibt sehr hoch: „Es könnte ein sehr teurer Sommer werden“, so Jung, zumindest für die Versicherer. Hoffentlich bleiben uns Extreme wie in Tschechien erspart. Wetterexperte Jung hält das allerdings durchaus für möglich: „So ein Tornado wie gestern Abend in Tschechien kann auch jederzeit uns in Deutschland treffen. Da hatten wir bisher großes Glück.“