Eine Staubwolke aus der Sahara färbt den Morgennebel rund um eine malerische Birkenallee gelblich.
Eine Staubwolke aus der Sahara färbt den Morgennebel rund um eine malerische Birkenallee gelblich. dpa/Thomas Warnack

Erstaunlich, wie schnell sich der Wind dreht: Vor wenigen Wochen ging die Angst um, dass wir in der Kälte sitzen, weil Russland die Gaslieferungen zu uns gekappt hatten. Nun bleibt die Heizung aus, die Gasspeicher sind fast randvoll gefüllt, und wir haben das wärmste letzte Oktoberwochenende seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor uns! 

Die regelmäßigen Wetteraufzeichnungen lassen sich gesichert bis ins Jahr 1881 zurückverfolgen. Noch nie war seitdem ein Oktober so warm wie dieser. Einzelne heiße Tage gab es früher auch, heißere sogar als die am kommenden Wochenende erwartet werden. So wurden am 7. Oktober 2009 in Freiburg 30,9 Grad gemessen. Wintereinbrüche im Oktober gab es auch, so in den Jahren 2003 und 2012.

Schon seit zwei Wochen weht die warme Wüstenluft zu uns und trägt Saharastaub bis nach Berlin und Brandenburg

Aber noch nie war es über eine so lange Zeit so warm wie im endenden Oktober. Dominik Jung (wetter.net): „Seit mindestens 2 Wochen haben wir diese sehr warme Südwestströmung.“

Diese Südwestströmung zeigt sich spürbar daran, dass die Luft sich mit Saharastaub füllt. „Der ist nämlich auch wieder über unseren Köpfen unterwegs. Also nicht wundern, wenn die Sonne in den kommenden drei Tagen ein wenig getrübt zu sein scheint.“ Wüstenstaub: Das sind kleine Staubpartikel in der Atmosphäre, die uns vor Augen führen: Die Wüstenluft strömt direkt zu uns!

Der Wetterexperte erwartet einen neuen Temperaturrekord: „Stand heute Morgen ist der Oktober 2,9 Grad wärmer als das Klimamittel der Jahre 1961 bis 1990. Diese Abweichung dürfte bis Montagabend auf 3,2 bis 3,3 Grad ansteigen.“ Es wäre somit „der wärmste Oktober seit 140 Jahren, seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen“.

Deutscher Wetterdienst spricht von „ungewöhnlich warmen Temperaturen“, Wetterexperte rechnet bis 27 Grad

Allerdings startet der Freitag in Berlin und Brandenburg zunächst bewölkt, bevor sich die Sonne ab Mittag durchsetzen kann. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) spricht von „ungewöhnlich warmen Temperaturen“ mit mit Höchstwerten „zwischen 20 Grad in der Uckermark, um 22 Grad in Berlin und bis zu 24 Grad vom Havelland bis in die Niederlausitz“. Weiter südlich wird es noch wärmer, Dominik Jung rechnet mit bis zu 27 Grad. „Das ist erneut ein Sommertag in Deutschland.“

Am Wochenende können die kurzen Hosen und Röcke wieder ausgepackt werden. Vor allem der Sonntag lockt in Berlin und Brandenburg mit Höchstwerten bis zu 24 Grad, mehr sind im Westen und Südwesten drin. Nach Sonnenuntergang wird es aber auch rasch wieder frischer, so Wetterexperte Jung. Regen sei bis Montagabend kaum in Sicht.

Das ist angesichts der wieder anwachsenden Trockenheit eigentlich keine gute Nachricht, aber es spart in diesen unsicheren Zeiten knappe Energie. Viele fragen sich nun natürlich, wann der große Absturz kommt. Vielleicht lauert der erste Schnee bereits hinter dem Horizont?

Tatsächlich zeigt der Ausblick auf den November eine Temperatur-Talfahrt an. Zwar startet der neue Monat noch recht mild, aber danach wird es langsam etwas kühler. Wetterexperte Jung: „Die Höchstwerte nähern sich langsam den Normalwerten für die Jahreszeit an.“ Ein extremer Absturz sei aber nicht in Sicht und auch noch kein erster Wintereinbruch. Weder in den Mittelgebirgen und schon gar nicht in den tiefen Lagen. Da sind wir bis Mitte November erstmal sicher“, erklärt der Diplom-Meteorologe.

Wetter-Aussichten – so geht es in den kommenden Tagen weiter:

Freitag: 19 bis 27 Grad, nach Nebel viel Sonne und trocken

Samstag: 16 bis 26 Grad, sonnig und trocken, teilweise Dunst oder Nebel

Sonntag: 19 bis 25 Grad, nach Nebel meist sonnig und schön

Halloween/Reformationstag: 15 bis 22 Grad, mehr Wolken und Nebel, aber auch Sonne und trocken

Allerheiligen: 14 bis 19 Grad, Mix aus Sonne und Wolken, einzelne Schauer

Mittwoch: 13 bis 17 Grad, immer wieder Wolken, zeitweise Regen

Donnerstag: 12 bis 16 Grad, mal Sonne, mal Wolken und einzelne Schauer

Freitag: 9 bis 13 Grad, leicht durchwachsener Wechsel aus Sonne, Wolken und Schauern

Nächste Woche wird es insgesamt langsam kühler, wir nähern uns bei den Temperaturen dem Normalniveau an. Aktuell ist es  bei den Tageshöchstwerten 10 bis 15 Grad zu warm für die Jahreszeit. Selbst die vergangene Nacht war sehr warm. Regional lagen die Nachtwerte knapp über 15 Grad.