Der Herbst war zu warm und zu sommerlich.
Der Herbst war zu warm und zu sommerlich. Imago/Arnulf Hettrich

Noch vor einigen Jahren konnte man die immer weiter voranschreitenden Klimakrise wenigstens in Europa ignorieren, wenn man denn wollte. Doch das ist spätestens mit den jüngsten Hitze- und Dürre-Perioden sowie der dramatischen Flut im Ahrtal vorbei. Dass dieses Jahr Hitzerekorde aufstellt, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Mittwoch verkündete, passt daher gut ins Bild.

Deutscher Wetterdienst: Es war der drittwärmste Herbst aller Zeiten

Laut den DWD-Zahlen endet am Donnerstag der drittwärmste Herbst seit dem Beginn flächendeckender Messungen im Jahr 1881. Der Dienst beruft sich dabei auf die Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen. Besonders der Oktober war reich an Sonne. Beim Wetterdienst ist nicht zuletzt deshalb eine zweite Bilanz – für einen meteorologisch unüblichen Zeitraum – möglich: „Noch nie seit 1881 war der Zeitraum Januar bis November in Deutschland so warm wie 2022“, sagte DWD-Sprecher Uwe Kirsche.

Der Mittelwert für die ersten elf Monate 2022 lag nach Angaben des Wetterdienstes in Offenbach bei 11,3 Grad Celsius. Den bisherigen Höchststand gab es 2020 mit 11,1 Grad für diesen Zeitraum. Das Temperaturmittel nur für den Herbst 2022 lag mit 10,8 Grad um 2,0 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 betrug die Abweichung 1,5 Grad.

Bereits die Periode von Januar bis Oktober war mit einer Durchschnittstemperatur von 11,8 Grad die wärmste, die bisher gemessen wurde. Für Meteorologen endet der Herbst mit dem November. Kalendarisch dauert er noch bis zum 21. Dezember. Dass die wärmsten Oktobermonate der letzten rund 140 Jahre alle in dieses Jahrtausend fallen, wertet der Wetterdienst als klares Indiz für den Klimawandel.

Herbst 2022 glich vielerorts einem Sommer

Der Herbst 2022 war in manchen Regionen zeitweise ein Sommer: Den Höchstwert gab es in Kleve am Niederrhein am 5. September, wo das Thermometer 32,3 Grad zeigte. „Besonders der Oktober war ein Exot“, bilanziert der DWD. Der Monat ging mit seinem Partner 2001 als wärmster in Deutschland in die Geschichte ein.

Die milde Witterung reichte bis in den November hinein, bekam dann aber einen heftigen Dämpfer, als Mitte des Monats der Winter lautstark anklopfte. Im Oberharz am Brocken stoppte das Quecksilber am 20. November erst bei minus 11,6 Grad, dem bundesweiten Tiefstwert dieses Herbstes.

Ein Problem des Sommers: Die ausgeprägte Trockenheit wurde im Herbst beendet. Die dritte Jahreszeit 2022 war laut DWD „leicht überdurchschnittlich nass“. Es fielen deutschlandweit im Mittel rund 205 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das waren etwa zwölf Prozent mehr als in der Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zu 1991 bis 2020 betrug das Plus etwa acht Prozent.

Viel Regen im Schwarzwald, Nordosten zu trocken

Am meisten regnete es im Schwarzwald und an den Alpen. Utzenfeld im Südschwarzwald hatte mit 86,0 Litern pro Quadratmeter am 14. Oktober den deutschlandweit höchsten Tagesniederschlag. Sehr trocken blieb es hingegen im Nordosten. Dafür reichte es dort Ende der Novemberdekade für die eine oder andere weiße Überraschung.

Die Sonne lachte überdurchschnittlich oft vom Himmel. Laut DWD schien sie im Herbst 2022 gut 370 Stunden - das waren fast 20 Prozent mehr Sonnenstunden als in der Periode 1961 bis 1990 und 15 Prozent mehr als 1991 bis 2020. Über dem Norddeutschen Tiefland schien die Sonne mit über 400 Stunden am meisten.

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Pünktlich zum Start in den meteorologischen Winter am 1. Dezember gehen die Temperaturen deutlich zurück. Am Wochenende besteht in einigen Regionen Ostdeutschlands die Gefahr von Dauerfrost, wie die Vorhersagezentrale am Mittwoch mitteilte. Auch die Nächte werden zunehmend frostig. Die Feuchtigkeit schlägt sich zum Ende der Woche zunehmend in Schnee oder Schneegriesel nieder. Die Glättegefahr nimmt zu. Schneemassen werden aber noch keine erwartet.