Höllische Hitze in Sizilien: Im Norden der Gebirgskette Madonie kämpft die Feuerwehr gegen Waldbrände, während auf der Wetterstation Syrakus ein neuer europäischer Temperaturrekord gemessen wurde. dpa/Feuerwehr Italien

Seit Tagen und Wochen dominiert ein Thema das Leben in vielen Teilen Europas: Rekordhitze! Viele Urlauber in der Türkei und Griechenland haben ihre Ferien bei schweißtreibenden Temperaturen weit oberhalb der 40-Grad-Grenze verbracht, dazu brannten Wälder nahe der Touristengebiete und am Stadtrand von Athen. Nun ist offenbar der Allzeit-Temperaturrekord geknackt worden, allerdings weiter westlich als gedacht: 48,8 Grad wurden auf Sizilien gemessen! Sollte sich die Messung bestätigen, war es noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen so heiß in Europa. Gerade für Ältere und gesundheitlich geschwächte Menschen heißt dies:  Lebensgefahr! Die Hitze dauert an, sie kommt auch zu uns, allerdings anders als zunächst erwartet.

Lebensgefährliche Hitze: Neue Allzeit-Temperaturrekorde in Spanien und Portugal möglich

Zunächst zum neuen europäischen Hitzerekord: Dieser wurde am Mittwoch an einer Wetterstation in Syrakus auf Sizilien gemessen. Am frühen Nachmittag zeigte das Thermometer der Station 48,8 °C an. Der bisherige Rekord wurde in Griechenland im Sommer 1977 registriert. Diplom-Meteorologe Dominik Jung (wetter.net) wendet allerdings ein, dass dieser neue Rekord noch nicht bestätigt sei. „Die WMO (Weltorganisation für Meteorologie) muss diesen Messwert erst noch anerkennen.“ Zwar messe die Station nach WMO-Richtlinien, werde aber von einem privaten Betreiber geführt. Die Überprüfung sei aber ein normaler Vorgang: „So oder so wird nach jedem Rekord eine Wetterstation geprüft.“ Wetterexperte Jung erinnert an einen mutmaßlichen Deutschland-Rekord einer Wetterstation in Lingen: 2019 wurde dort ein Wert von 42,6 Grad gemessen – und zunächst sogar bestätigt. „Es hat ein Jahr gedauert, bis der Deutsche Wetterdienst seine Entscheidung dann wieder zurückgezogen hat, da man erst dann scheinbar gemerkt hat, dass der hohe Bewuchs um die Wetterstation die Messergebnisse erheblich verfälscht hatte.“ Das sei allerdings bei der Wetterstation in Syrakus nicht der Fall: „Sie ist nicht von hohem Bewuchs umgeben, eingezäunt und misst alle Parameter in der vorgeschriebenen Höhe.“ Die Chancen stehen also gut, dass der neue europäische Temperaturrekord in die Wettergeschichte eingeht.

Allerdings könnte der mutmaßliche Rekord in Windeseile von einem Sahara-Hitzehoch übertroffen werden, das gerade die iberische Halbinsel ereilt: „Die Wettermodelle rechnen mit Punktprognosen von 46 und 47 Grad“, erklärt Dominik Jung, der sogar Werte nahe der 50-Grad-Marke in Spanien und Portugal nicht ausschließen will. Für Statistiker spannend, für die Menschen vor Ort kann die Hitze dagegen zur tödlichen Gefahr werden: „Todeshitze wäre hier schon das richtige Wort!“ Denn gemessen werden die Temperaturen im Schatten, in der Sonne entspricht das Werten von 55 bis 60 Grad. Selbst im Inneren von Mallorca rechnet Dominik Jung mit bis zu 40 Grad.

Hitze und Sahara-Staub drängen nach Berlin und Brandenburg

Die Hitze, sie kommt aus der Sahara, und Hoffnung auf Linderung könnte ebenfalls aus der Wüste kommen: Denn eine enorme Saharastaub-Wolke hat sich über das westliche Mittelmeer gelegt und könnte die extreme Hitze wieder dämpfen. Beides, die Hitze und der Sahara-Staub werden Freitag auch Deutschland erreichen. Die ersten Ausläufer sind bereits am Mittwoch im Südwesten Deutschlands eingetroffen und haben für Temperaturen von knapp 30 Grad gesorgt. Für Donnerstag bis Samstag rechnet Wetterexperte Jung wieder mit „30 Grad plus x: In der Spitze bekommen wir wohl um die 33 bis 35 Grad.“ Förmlich umzingelt sind wir von allen Seiten: „Außer aus Norden und Westen werden wir derzeit von extremer Hitze eingekreist.“ Zum Glück bleibt uns aber die ganz große Extremhitze erspart. Ab Montag, so die nunmehr einhelligen Prognosen, stürzen die Temperaturen bei uns wieder in den Keller. Heißester Tag wird in unserer Region demnach der Freitag mit Werten bis zu 32 Grad.  Am Sonnabend und Sonntag wird es im Norden Brandenburgs mit maximal 24 Grad schon kühler, während der Deutsche Wetterdienst (DWD) im Süden noch bis zu 28 Grad erwartet. Nur noch knapp 22 Grad erwartet der DWD nach dem Sommer-Wochenende in Berlin am Montag. Also: Wer kann, sollte das Badewetter am Wochenende nutzen.

In der kommenden Woche erwartet uns wechselhaftes Wetter, und bis zum Freitag kommt die 30-Grad-Marke erneut in Reichweite. Doch Abkühlung und Hitze liegen ganz nah beieinander, die Prognosen sind noch wackelig: Es könnte auch heiß weitergehen. „Extreme Hitze bis zu 40 Grad deutet sich für Deutschland allerdings aktuell weit und breit nicht an“, sagt Wetterexperte Jung.