Starkregen hat die Fahrbahn der Schlichtallee an dieser Unterführung in Berlin-Rummelsburg volllaufen lassen. Die Polizei sperrte eine Fahrbahnrichtung.  imago/A. Friedrichs

Der Ausdruck Sintflut ist meist eine bodenlose Übertreibung, aber die Regenmengen, die seit Mittwoch in unserer Region fallen, sind kaum anders zu beschreiben. Fast 177 Liter Regen sind im brandenburgischen Hohenreinkendorf seit Mittwoch 8 Uhr niedergerasselt, das ist sage und schreibe die doppelte Menge dessen, was üblicherweise im Juni herabregnen sollte. „Seit Messbeginn dieser Station im Jahr 1951 gab es noch nie einen so hohen Tagesniederschlag“, ordnet Wetterexperte Dominik Jung (wetter.net) diesen Regenrekord ein. 171 Liter waren es in Passow, knapp 158 in Grünow und 156 in Angermünde.

Starkregen-Schwerpunkt am Donnerstag war die Uckermark. Dort bestand bis zum Mittag eine „Amtliche Unwetterwarnung vor extrem ergiebigen Dauerregen“: Niederschläge bis zu 100 Liter pro Quadratmeter erwartete der Deutsche Wetterdienst (DWD) dort. Inzwischen wurde diese aufgehoben. Die Lage dort sei „angespannt“, so ein Sprecher der Regionalleitstelle Nordost am Donnerstagmorgen.

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Nach Dauerregen war diese Straße im brandenburgischen Germendorf bei Oranienburg zeitweise unpassierbar.

Auch in Berlin kam es zu erheblichen Verkehrsproblemen: Die S-Bahn-Linie S1 war am Morgen gestört. Massive Probleme sorgte Starkregen auf dem nördlichen Berliner Ring: Dort wurde die Fahrbahn infolge eines Erdrutsches unterspült!

Straßenböschung auf Berliner Ring abgerutscht

Tote oder Verletzte gab es zwar nicht. Neben voll gelaufenen Gebäuden und umgestürzten Bäumen habe man aber mit Erdrutsch sowie extremer Aquaplaning-Gefahr im Straßenbereich zu kämpfen. So sei auf der Autobahn 20 im Bereich Kreuz Uckermark am Morgen die Straßenböschung abgerutscht, sagte der Sprecher. 

Vereinzelt rechnet der DWD am Donnerstag auch mit Gewittern. Am Nachmittag werde der Niederschlag aber allmählig nachlassen. Vielerorts bleiben die Temperaturen unter der 20-Grad-Marke und erreichen maximal 22 Grad. Auch in der Nacht zu Freitag werden weitere Regenfälle erwartet, von Norden her entspannt sich die Situation aber wieder.

Niederschläge halten sich am Freitag im Süden Brandenburgs

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Regensummen bis nächsten Freitag (9. Juli 2021): Es geht sehr nass weiter!

Die Tiefstwerte sinken auf bis zu 13 Grad, danach klart es am Freitag vom Norden her zunehmend auf. Im südlichen Brandenburg dagegen können sich die Wolken noch länger halten und einzelne Schauer verursachen. Die Höchstwerte schaffen es nun wieder auf immerhin bis zu 24 Grad.

Noch besser die Aussichten für das Wochenende: Am Samstag erreichen wir bis zu 26 Grad, am Sonntag maximal 28 Grad. Es bleibt überwiegend heiter. Einige Quellwolken am Sonntag werden sich zum Abend hin wohl folgenlos auflösen. In der neuen Woche könnten die Höchstwerte wieder die 30-Grad-Marke erreichen oder überschreiten, so die Prognose des DWD.

Sonntag ziehen neue Gewitter auf

Allerdings könnte das Unwetterszenario bald in die nächste Runde gehen, so Wetterexperte Jung: „Sonntag ziehen aus Westen wieder neue Gewitter auf, teilweise auch Unwetter, und das Spiel wiederholt sich dann schon wieder.“ Das liegt an den im Osten wärmeren Luftmassen, die mit kühler Luft im Westen zusammenknallt. Die Unwetterlage geht daher unvermindert weiter, sagt Dominik Jung voraus. Bis Mitte Juli werde es sehr wechselhaft bleiben. 

Es drohen neue Starkregenfälle, Gewitter und Unwetter. Der Sommer könnte richtig teuer werden“, so der Diplom-Meteorologe, dem auch die Entwicklung jenseits des Atlantiks Sorgen bereitet: Denn im Westen Kanadas glüht förmlich die Luft. In Lytton wurden erneut Spitzenwerte nahe der 50-Grad-Marke gemessen: 49,6 Grad! Das Wetter wird immer stärker von Extremen gesteuert. Wohin das in diesem Sommer noch hinführen wird, wir werden es sehen.