Die niederländische Influencerin Rianne Meijer macht sich über den Perfektionismus auf Instagram lustig und testet beliebte Filter. Instagram/rianne.meijer

Warum sehen alle anderen auf ihren Fotos bei Instagram nur so gut aus? Vor allem junge Frauen orientieren sich in Sachen Schönheit gern im Netz. Doch wenn dort geschummelt wird, kann das Folgen für die Psyche haben. In mehreren Ländern sind Filter auf Social Media jetzt eine Sache für Richterinnen und Richter – zumindest wenn die Nachbearbeitung nicht gekennzeichnet wird. Auch Hamburg wird nun etwas dagegen tun. Andere Länder in Europa sind da schon deutlich weiter.

Hamburg macht sich für eine Kennzeichnungspflicht bearbeiteter Bilder in den sozialen Netzwerken stark. „Wir wollen im Rahmen unseres Vorsitzes auch für die Problemfelder Schönheitsideal und Schönheitswahn auf Social-Media-Plattformen sensibilisieren“, sagte Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank, amtierende Vorsitzende der Gleichstellungs-und Frauenminister-Konferenz (GFMK), am Rande der GFMK-Frühjahrstagung.

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Der Schönheitsdruck bei Social Media ist vor allem für junge Menschen oft ein großes Problem. Imago Images/Zuma Wire

Instagram-Bilder geben oft nicht die Realität wieder

Sogenannte Fake- oder Beauty-Filter für Fotos seien ein hochaktuelles Thema. Mit ihnen können zum Beispiel Körperproportionen verändert werden. Auch sie habe im persönlichen Umfeld erlebt, „dass sich gerade junge Frauen durch – nachträglich bearbeitete – Bilder in den sozialen Medien, auf Instagram oder anderen Plattformen, oft einem falschen Schönheitsideal hingeben“, sagte die Grünen-Politikerin. „Wenn dann nicht zu erkennen ist, dass vieles dessen, was gezeigt wird, gar nicht echt ist, sondern mit Foto-Filtern nur vorgegaukelt wird, kann das schlimme Folgen haben – bis hin zu Depressionen oder Selbstmordgedanken.“

In der Corona-Krise sei der Druck noch stärker geworden: „Aktuelle Studien belegen, dass gerade bei Teenagern Depressionen und Selbstmordgedanken durch Einsamkeit und Isolation sehr stark zugenommen haben“, sagte Fegebank. „Das hängt auch mit dem Druck zusammen, der entsteht, wenn einem ständig gesagt wird: Ich muss einem perfekten Ideal entsprechen.“

Durch Verbote sollen unrealistische Darstellungen eingeschränkt werden

Vor allem jungen Menschen macht das schwer zu schaffen: Untersuchungen haben ergeben, dass es nicht nur schlechte Gefühle auslöst, wenn man regelmäßig mit bearbeiteten Fotos konfrontiert wird. Sogar Essstörungen können dadurch ausgelöst oder sogar verschlimmert werden.

Mehr Schein als Sein: Influencer bearbeiten ihre Fotos heftiger, als man annehmen würde. Instagram/megfeather

Hamburg plant, bis zur Haupttagung der GFMK im Sommer zu dem Thema Kennzeichnungspflicht einen Antrag vorzulegen. Die Hansestadt hat den Vorsitz in der Ministerkonferenz zu Jahresbeginn übernommen.

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Und das gilt bereits in anderen europäischen Ländern:

Norwegen: Norwegens Regierung hat beschlossen, dass ab Sommer 2022 retuschierte Fotos in Werbung gekennzeichnet werden müssen. Egal, ob Influencer oder Unternehmen posten – und ganz egal, ob Haare oder Figur digital bearbeitet wurden. Erlaubt sind dann nur noch ganzheitliche Bildbearbeitungen wie Aufhellung, Verdunklung oder Schärfung. Das Familienministerium will ein Logo entwickeln, mit dem die bearbeiteten Fotos markiert werden müssen.

Großbritannien: Ein Gesetzentwurf will Werbefotos kennzeichnen, auf denen das Aussehen von Menschen bearbeitet wurde.

Frankreich: In Frankreich gibt es das „Décret Photoshop“, das die Kennzeichnung bearbeiteter Bilder in der Werbung vorschreibt, schon seit Herbst 2017. Bei Verstoß drohen Geldstrafen.